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| Neben in Gross- und Fettschrift verfassten schriftlichen Unterlagen wurden der Tastsinn der Kursteilnehmer eingesetzt und Fantasie sowie Vorstellungsvermögen intensiv gefördert und geschult. – Bild: Um das eigentliche Gedächtnistraining entspannt und mit Spass in Angriff nehmen können, wurden Lockerungsübungen gemacht. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
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Erster Gedächtnistrainingskurs für Sehbehinderte im Berner Oberland
Die Teilnehmer an einem in Interlaken erstmals im Berner Oberland durchgeführten Gedächtnistrainingkurs für Sehbehinderte – je fünf Frauen und fünf Männer – haben feststellen können, zu welch erstaunlichen Leistungen das menschliche Gedächtnis bei Schulung mit geeigneten Methoden fähig ist – selbst wenn eine Behinderung eines Sinnesorgans vorliegt.
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| Kursleiterin Ruth Baur. |
bns. Einer der Teilnehmer, der hör- und sehbehinderte Alfred Blumberg aus Sigriswil, Kassier der Sektion Berner Oberland des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes berichtet über den Gedächtnistrainingskurs im Zentrum Artos Interlaken:
Den Anstoss bildete ein Inserat zu einem Gedächtnistrainingskurs im Sigriswiler Lokalblatt, das einer sehbehinderten Frau aufgefallen war. Sie erkundigte sich, ob sie auch als Sehbehinderte teilnehmen könnte. Zu ihrem Leidwesen musste die Leiterin Ruth Baur, diplomierte Gedächtnistrainerin, dies verneinen; sie bot aber spontan an, einen Kurs speziell für Sehbehinderte zu gestalten, obschon dies für sie Neuland war. Eine Umfrage bei den Mitgliedern der Sektion Berner Oberland des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes ergab, dass genügend Interessierte vorhanden waren. Und so konnte erstmals ein Kurs für Gedächtnistraining und mentale Aktivierung für Sehbehinderte im Berner Oberland stattfinden.
Es machten zehn zum Teil stark sehbehinderte Personen mit, von denen drei noch ihre normalsichtigen Partner mitbrachten. Der Kurs fand von Anfang Januar bis Mitte Februar 2006 mit wöchentlichen Doppellektionen im Zentrum Artos in Interlaken statt. Wegen unserer Behinderung musste unsere Lehrerin Ruth Baur, Interlaken, den Lehrgang mit besonderen Hilfsmitteln gestalten. Sie hatte sich dazu verschiedene Neuerungen einfallen lassen, die sich als sehr erfolgreich und nützlich erwiesen. Neben den in Gross- und Fettschrift verfassten schriftlichen Unterlagen wurde unser Tastsinn eingesetzt, und Fantasie sowie Vorstellungsvermögen wurden intensiv gefordert und geschult.
Bei einer weiteren Trainingsmethode werden einer Zahlenreihe verschiedene Symbole zugeordnet; so ist die Eins eine Kerze, die Zwei ein Schwan und so weiter.
Verlauf der Lektionen
Zu Beginn rief uns Ruth Baur – wieder einmal – in Erinnerung, dass wir zwar seh- nicht aber geistig behindert sind: Unser Gehirn funktioniert normal und lässt sich ebenso wie bei Normalsehenden enorm trainieren. Die beiden Hälften des menschlichen Grosshirns haben ja unterschiedliche Aufgaben: Während die linke Seite für intellektuelle Leistungen wie Sprache und Sprachverständnis, Rechnen, rationales Denken zuständig ist, laufen in der rechten eher bildhafte Wahrnehmungen, Kunstverständnis, Fantasie und Emotionen ab. Zur Aktivierung der beiden Hälften führten wir zu Beginn der Lektionen jeweils Kreuzübungen durch, bei denen die rechte und die linke Körperhälfte unterschiedliche Bewegungsabläufe ausführen müssen. Jedes Mal wurden auch kurz Lockerungsübungen der Muskeln vorgenommen, damit wir das eigentliche Gedächtnistraining entspannt und mit Spass in Angriff nehmen konnten.
Dazu wurden dann sehr intensiv das sogenannte Visualisieren und das Vorstellungsvermögen geübt: Einer Zahlenreihe werden dabei verschiedene Symbole
zugeordnet; so ist beispielsweise die Eins eine Kerze, die Zwei ein Schwan und so weiter. Verknüpft man in der Folge Themen, Gegenstände, Ereignisse fantasievoll einzeln mit je einem dieser Symbole, so bleiben sie viel besser, leichter und länger im Gedächtnis haften.
Die Kursteilnehmer trainierten intensiv das sogenannte Visualisieren und das Vorstellungsvermögen: Unter anderem mit der Lokalisationsmethode wurden die Kursteilnehmer rasch in die Lage versetzt, sich je ein rundes Dutzend in Schachteln ertastete Gegenstände lückenlos zu merken und sogar noch nach einer Woche wieder hervorzuholen.
Dasselbe Ergebnis lässt sich auch mit der Lokalisationsmethode erreichen, bei der die einzelnen Dinge einem Ort zugewiesen werden. Auf diese Weise wurden wir rasch in die Lage versetzt, uns je ein rundes Dutzend in Schachteln ertastete Gegenstände oder Vortragsthemen oder Schalleindrücke und so weiter lückenlos zu merken und sogar noch nach einer Woche wieder hervorzuholen – für eine Gruppe mit einem mittleren Alter von 75 Jahren doch eine ziemlich reife Leistung! Im weiteren lernten wir auch nach und nach ein mehrstrophiges Gedicht auswendig oder wir förderten unsere Kombinationsfähigkeit, indem wir aus Buchstaben eines Wortes ein anderes Wort formten, nach gängigen Ausdrücken suchten, in denen Tiere vorkamen (zum Beispiel Katz und Maus spielen) und dergleichen mehr. Das alles lief immer in einer zwar konzentrierten aber nichtsdestotrotz entspannten Atmosphäre ab, in der es auch immer wieder etwas zu lachen gab. Unserer Lehrerin Ruth Baur sind wir für ihre fachlich vorzüglichen, anregenden und unterhaltsamen Lektionen ebenso wie für ihr einfühlsames Eingehen auf unsere Sehbehinderung sehr dankbar. Ausblick
Am Schluss des Kurses waren wir Teilnehmer so überzeugt und angetan vom Gebotenen, dass wir beschlossen, das Training mit Ruth Baur in etwas längeren Abständen fortzusetzen; denn «Ohne Fleiss kein Preis», das heisst in diesem Fall «Ohne Übung kein gutes Gedächtnis»!
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Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzlistrasse 244, CH-3852 Ringgenberg / Redaktionsstube Ringgenberg Telefon +41 33 821 10 61 und Fax +41 33 82110 64 / Mobile +41 79 427 45 78 / Postcheckkonto 40-71882-7
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