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Weiterer Fund aus dem Eis am Schnidejoch
Die einzigartige Sammlung vor- und frühgeschichtlicher Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände vom Schnidejoch im Berner Oberland ist um ein wertvolles Stück reicher: Zum neolithischen Birkenrinden-Köcher, der die Suche im Eis auslöste, und den vermutlich daraus stammenden Pfeilen ist jetzt auch der Eibenbogen dazugekommen. Gefunden wurde er von einer Wandergruppe aus Deutschland.
Der Finder, Hartmut Kothals von der Wiesbadener Wandergruppe, mit dem eben gefundenen Bogen und Pfeilfragment auf der Passhöhe des Schnidejochs. Bilder zvg)
aid/bns. Am 11. November 2005 hatte der Archäologische Dienst des Kantons Bern an einer Medienkonferenz über sensationelle Funde vor- und frühgeschichtlicher Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände, die ein schmelzendes Eisfeld am Schnidejoch
– auf halbem Weg zwischen
der Lenk und Sitten im Wallis – freigegeben hatte. Die Funde bezeugen, dass der seit der Kleinen Eiszeit (1550 bis 1850) in Vergessenheit geratene Pass in den klimatisch günstigen Phasen der letzten 5000 Jahre immer wieder genutzt wurde. Ausgelöst wurden die Feldarbeiten am Schnidejoch (2756 Meter über Normalnull) durch einen Zufallsfund, den ein Ehepaar aus Thun am 17. September 2003 gemacht hatte. Das vom Ehepaar geborgene und beim Archäologischen Dienst abgegebene Fundobjekt entpuppte sich als beinahe 5000 Jahre alter Teil eines Köchers aus Rindenbahnen. Im Laufe der Sommer 2004 und 2005 bargen die Berner Archäologen weitere Teile dieses Köchers. Gefunden wurden auch sechs Pfeile aus Schneeballschösslingen, die vermutlich aus dem Köcher stammen. Weiter zeigte die Computertomografie zwei im untersten Köcherteil steckende gestielte Silexpfeilspitzen, wie sie für die ausgehende Jungsteinzeit typisch sind. Neben der Köcherspitze lag die aus tierischen Fasern gedrehte Bogensehne. Zur kompletten Ausrüstung eines spät- oder endneolithischen Jägers fehlte nur noch der Bogen aus Eibenholz
Eibenbogen und Pfeile (aus Schneeball) vom Schnidejoch; der Bogen ist 160 Zentimeter lang
Nachdem die bis dahin geheimgehaltene Fundstelle an der Medienkonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt worden war – siehe auch
Eisfeld im Berner Oberland gibt einmalige archäologische Funde frei vom Freitag 11. November 2005 – meldete sich ein Wanderer aus Wiesbaden (Deutschland)) beim Archäologischen Dienst in Bern. Er hatte zusammen mit einer Wandergruppe im Herbst 2003 das Schnidejoch überquert, zwei Tage nachdem das Thuner Ehepaar das erste Köcherfragment entdeckt hatte. Dabei fanden die Wanderer wenig unterhalb der Passhöhe einen Bogen und ein Pfeilfragment, die sie mit nach Hause nahmen. Erst aufgrund der Berichterstattung in den Medien erkannten sie die Bedeutung ihres Fundes. Kathrin Glauser und Peter Suter vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern durften den vorzüglich erhaltenen, etwa 160 Zentimeter langen Eibenbogen im Dezember 2005 bei der Wandergruppe in Wiesbaden abholen.
Nach der fotografischen und zeichnerischen Dokumentation des Bogens gelangte dieser ins Konservierungslabor in Konstanz, das auf Holzfunde spezialisiert ist. Dort werden die nötigen Massnahmen getroffen, um die langfristige Erhaltung des Bogens zu sichern. Die Holzartenbestimmung ergab, dass der Bogen – wie im Neolithikum üblich – aus einem Eibenstämmchen gefertigt wurde. Eine winzige Probe soll nun der C14-Datierung zugeführt werden, und das neolithische Alter des Bogens zu bestätigen. Den Verlust einer kompletten Jagdausrüstung (Bogen, Köcher und Pfeile) am Schnidejoch möchten die Archäologen gerne mit einem einzigen Ereignis, vermutlich einem Unfall in Verbindung bringen. Ob aber zum gleichen Zeitpunkt auch die 2004 gefundenen Fragmente einer Beinkleidung und von Lederschuhen ins Eis gelangten, werden sie vermutlich nie eindeutig feststellen können. Möglicherweise birgt jedoch das verbliebene Eisfeld, das im Sommer 2006 erneut untersucht werden soll, weitere klärende Funde zur neolithischen, frühbronzezeitlichen und römischen Alpenquerung über das Schnidejoch.
Weiterführende Informationen zur Arbeit des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern unter www.erz.be.ch/archaeologie
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