Der amtierende Schweizermeister, Europameister 2005 und WeltcupsiegerChristian Maurer aus Wilderswil. (Bilder zvg)
pd/bns. Auch in der Einzelwertung hätten eigentlich alle drei Medaillen in die Schweiz gehen müssen – doch vereitelten zwei unverständliche Juryentscheide diesen Erfolg. Dennoch sicherte sich Christian Maurer aus Wilderswil hinter Luca Donini (Italien) die Silbermedaille, Michael Witschi aus Langenthal landete auf Platz vier. Bei den Frauen erreichte die amtierende Schweizermeisterin Karin Appenzeller (Wilderswil) ebenfalls den vierten Schlussrang; Anja Kroll aus St. Gallen wurde Siebente.
Dass die Schweizer als Favoriten an die Europameisterschaften nach Frankreich reisten, war von Beginn weg klar. Denn Christian Maurer (amtierender Schweizermeister, Europameister 2005 und Weltcupsieger), Michael Witschi, Andi Aebi, Stefan Wyss (Dritter an den Weltmeisterschaften Brasilien), Stephan Morgenthaler, (Schweizer Vizemeister) sorgen mit ihren permanent guten Flugleistungen für Aufsehen bei der Konkurrenz. Bei den Frauen flogen mit Schweizermeisterin Karin Appenzeller und Anja Kroll ebenfalls podestverwöhnte Pilotinnen für die Schweiz. Power, Wille und Spass sorgten dafür, dass das Schweizer Team auch an den Europameisterschaften täglich ganz vorne flog. Drei bis fünf Schweizer unter den ersten Zehn waren die Norm.
Unfairer Juryentscheid
Zwei Tage aber haben diese sonst recht normal verlaufenen Europameisterschaften geprägt und die Resultate entscheidend beeinflusst – und zwar zu Ungunsten der Schweizer Gleitschirmflieger.
Sebastian Kirsch / Paragliding Swiss League
Nach dem zweiten gültigen Durchgang legten die Franzosen wegen Wolkenflug gegen Christian Maurer und Karin Appenzeller insgesamt drei Proteste ein. Die Organisation kontrollierte daraufhin alle aufgezeichneten Flüge der Piloten und stellte fest, dass mindestens 18 Piloten an dieser Stelle von der Wolke angesaugt wurden und – verbotenerweise – darin verschwanden. Aber nur sechs Piloten erhielten daraufhin einen Abzug von 50 Prozent der Punkte des Tages. Ein absolut nicht nachzuvollziehender Juryentscheid: Auch Andy Aebi und Karin Appenzeller waren unter den sechs Bestraften – beide wären mit den ganzen Punkten dieses Durchgangs Dritte geworden und die Schweizer hätten mit drei Medaillen in der Einzelwertung an den unglaublichen Erfolg der Weltmeisterschaften 2005 in Brasilien anknüpfen können.
Karin Appenzeller aus Wilderswil belegte als beste Schweizerin in Morzine den vierten Platz. Christian Maurer und Luca Donini
Der Überflieger und Titelverteidiger Christian Maurer war so gut wie gesetzt. Aber er kam beim dritten Lauf nicht als Erster ins Ziel und handelte sich einen Rückstand auf Luca Donini ein, der damit Maurer von der Spitze der Rangliste verdrängte. In Task 4 und 5 heftete sich der erfahrene Italiener an Maurers Fersen und konnte dank seines schnelleren Gerätes auf den letzten Meter sogar noch ein paar Punkte gewinnen. Erst am letzten Flugtag geriet der Ex-Weltmeister in Rückstand und Maurer hätte den Anlass gewonnen, wäre der Lauf nicht wegen aufziehender Gewitter abgebrochen worden. Christian Maurer war eindeutig der bessere Pilot: Er leistete mehr Führungsarbeit, fand genialerer Linien, flog im ganzen taktisch souveräner; doch auch der Italiener Luca Donini ist ein verdienter Sieger dieser Meisterschaft.
Schlussrangliste Männer: 1. Luca Donini, Italien. 2. Christian Maurer. 3 Thomas Brauner, Tschechien. 4. Michael Witschi, Langenthal. 5. Charles Cazaux, Frankreich. – Frauen: 1. Petra Krausova, Tschechien. 2. Ewa Wisnierska, Deutschland. 3. Caroline Brille, Frankreich. 4. Karin Appenzeller, Wilderswil. 7. Anja Kroll, St. Gallen. – Nationenwertung: 1. Schweiz. 2. Italien. 3. Tschechien.
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