Im Bereich Bahnhof Interlaken West gibt es heute die drei Niveauübergänge Lütscheren, Straubhaar und Bahnhofstrasse. Über den Niveauübergang Bahnhofstrasse führt eine regionale Verbindungsstrasse mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehr von rund 9000 Fahrzeugen. Die beiden andern Übergänge dienen der Erschliessung der Industrie- und Gewerbezone. Das Angebot im öffentlichen Verkehr wurde insbesondere mit Bahn 2000 erweitert.
Gemeindeschreiber Philipp Goetschi, Interlaken
Es gibt nicht nur mehr Züge von und nach Interlaken, sondern auch längere Züge. Das führte zu längeren Schliesszeiten bei den Übergängen. Die bestehende Perronanlage des Bahnhofs Interlaken West ist zu kurz für die heutigen und zukünftigen Bedürfnisse des Personenfernverkehrs. Mit einer provisorischen Verlängerung konnten die Perrons den neuen Zugslängen angepasst werden. Als Zwischenlösung hat das Bundesamt für Verkehr das zeitlich befristetet akzeptiert. Wenn Interlaken mit dem Fernverkehr erschlossen bleiben soll, muss die Perronanlage jedoch dringend definitiv auf 420 Meter verlängert werden. Falls keine dauerhafte Lösung zur Verlängerung der Perrons geplant und realisiert würde, dürften nach Ablauf des Provisoriums keine Fernverkehrszüge mehr nach Interlaken geführt werden. Fahrgäste mit Ziel Tourismusregion Interlaken müssten dann in Bern oder Spiez auf kürzere Züge umsteigen. Damit verbunden wären ein beträchtlicher Schaden für die internationale Tourismusdestination Interlaken und das ganze östliche Oberland und ein grosser Nachteil im Wettstreit mit der Tourismusregion Wallis.
Ziele des Projekts
Eine fundierte Untersuchung hat gezeigt, dass eine nachhaltige Verbesserung der Situation nur mit der Aufhebung des Bahnübergangs Straubhaar erreicht werden kann. Mit der Realisierung einer neuen Unterführung Güterex können folgende Ziele erreicht werden: Die Perrons können auf 420 Meter nutzbare Länge ausgebaut werden, um die Abfertigung von Fernverkehrszügen in Interlaken West sicherzustellen. Die Behinderungen des motorisierten Individualverkehr durch die Barrierenschliessungen und die Rückstaubildung vor den Niveauübergängen wird reduziert. Der Verkehrsrichtplan Bödeli der Gemeinden Interlaken, Matten und Unterseen kann berücksichtigt werden, ebenso eine Weiterentwicklung im Perimeter rund um den Bahnhof Interlaken West. Zusätzlich zu diesen Hauptzielen soll die geplante Anlage auch eine hohe Verkehrssicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer gewährleisten und ein einladendes Erscheinungsbild im Bereich der neuen Strassenanlage schaffen. Nicht Bestandteil des Projekts, aber als Option vorgesehen ist eine neue Velo- und Fussgängerunterführung. Inhalt des Projekts
Der motorisierte Verkehr von Unterseen nach Interlaken und umgekehrt wird künftig über die Fabrikstrasse via Unterführung Güterex auf den neuen Kreisel bei der Talstation der Heimwehfluhbahn geführt. Der Übergang Bahnhofstrasse wird nur noch vom öffentlichen Verkehr, von Kutschen, Motorfahrrad- und Velofahrern sowie von Fussgängern benutzt. Unmittelbar nach der Aarebrücke in Fahrtrichtung Interlaken ist eine Haltestelle für STI-Busse vorgesehen, die bei geschlossener Barriere als Warteraum für den öffentlichen Verkehr dient. Die Ausfahrt aus der Haltestellenbucht wird mit einer vom Bus aus gesteuerten Lichtsignalanlage gewährleistet. Ein Mehrzweckstreifen ermöglicht den Velofahrern von Unterseen das Einspuren bei Gegenverkehr und bietet zusätzlich einen Warteraum vor dem Übergang Bahnhofstrasse. Die Fabrikstrasse wird ausgebaut. Der Knoten Waldeggstrasse – Därligenstrasse – Rugenparkstrasse wird als Kreisel gestaltet. Kernstück des Projekts ist die Unterquerung der Bahn im Bereich der alten Güterex. Der überdeckte Bereich der Unterführung wird 67 Meter lang. Die minimale lichte Höhe beträgt 4,50 Meter und entspricht damit dem geforderten Lichtraumprofil. Damit besteht auch für Feuerwehr und Sanität eine Verbindung zwischen Interlaken und Unterseen ohne Niveauübergänge. Um die enge Marktgasse nicht zur Umfahrungsroute werden zu lassen, haben sich die Gemeinderäte Interlaken und Unterseen darauf verständigt, ausserhalb des Projekts in der Marktgasse auch im Sinne des Verkehrs- und Gestaltungskonzepts «Crossbow» flankierende Verkehrsmassnahmen zu realisieren.
Finanzierung
Die Projektkosten belaufen sich auf 20,75 Millionen Franken. Nach Abzug der Beiträge von Bund und Kanton, der BLS AG und der Gemeinden des östlichen Oberlands verbleiben den direkt betroffenen Gemeinden Interlaken und Unterseen 6,556 Millionen Franken, die zu 54 Prozent durch Interlaken getragen werden sollen. Das gibt einen Interlakner Anteil von 3,554 Millionen Franken. Der Gemeinderat hat diesen Betrag an seiner letzten Sitzung zuhanden des Grossen Gemeinderates beschlossen. Stimmt auch das Parlament am 22. August dem Kredit zu, entscheiden die Stimmberechtigten am 26. November 2006.
Beiträge der Regionsgemeinden
Die Gemeinden aus den Amtsbezirken Interlaken und Oberhasli beteiligen sich an diesem für die gesamte Region wichtigen Geschäft mit 700 000 Franken. Mit Ausnahme von zwei Gemeinden, bei denen der Beitrag in der Zuständigkeit der Gemeindeversammlung liegt, und von drei Oberhasler Gemeinden liegen sämtliche Beschlüsse vor. Ausser Leissigen stimmen alle Gemeinden ihrem Anteil an das Grossprojekt zu.
Einheitspolizei auf dem Bödeli
Ende 2006 haben die Gemeinderäte der drei Bödeligemeinden und die Kantonspolizei entscheiden Verhandlungen aufzunehmen, um die Gemeindepolizeien der drei Gemeinden auf den 1. Januar 2007 in die Kantonspolizei zu überführen. Das Projekt erhielt den Titel «Polizei 3800». Die Abklärungen und Absprachen sind anfangs Juli 2006 mit dem Schlussbericht der Projektorganisation «Polizei 3800» abgeschlossen worden. Der Gemeinderat hat dem Vertrag mit dem Kanton zugestimmt. Er kauft einen grossen Teil der Leistungen, die bisher durch die uniformierte Gemeindepolizei geleistet worden sind, neu beim Kanton ein. Zusammen mit einem Ausbau der Patrouillentätigkeit sind es Leistungen im Umfang von vier Stellen, die eingekauft werden. Sechs der bisher acht Interlakner Uniformpolizisten wechseln zum Kanton. Ein Uniformpolizist bleibt als Zivilmitarbeiter bei der Gemeinde und einer wechselt zu einer Gemeindepolizei in einem andern Kanton. Für die der Gemeinde verbleibenden Aufgaben sind noch zwei Stellen nötig, so dass eine neue Zivilmitarbeiterstelle im Herbst zur Besetzung ausgeschrieben wird. Die jährliche Entschädigung an den Kanton beträgt knapp 470 000 Franken. Der Gemeinderat rechnet mit Einsparungsmöglichkeiten für die Gemeinde von gegen 100 000 Franken pro Jahr.
Weiteres Vorgehen
Um die rechtlichen Grundlagen für diese Auslagerung zu schaffen, ist ein neues Reglement nötig. Dieses wird dem Grossen Gemeinderat am 22. August 2006 vorgelegt, gleichzeitig mit dem Kreditbeschluss für die Auslagerung. Dieser Kredit fällt in die abschliessende Zuständigkeit der Stimmberechtigten, die darüber am 26. November 2006 befinden können, wenn der Grosse Gemeinderat der Vorlage zustimmt. Entsprechend erfolgt die Anstellung des zusätzlichen Zivilmitarbeiters auch erst Ende November 2006.
Erdgasanschluss Interlaken
Der Gemeinderat unterstützt die Bestrebungen der Industriellen Betriebe Interlaken, dass Erdgas als neuer Energieträger erschlossen wird. Dazu ist eine Erdgasleitung durch den Thunersee nach Interlaken zu erstellen. Dies geschieht durch eine noch zu gründende Erdgas Thunersee AG, an der sich die Industriellen Betriebe mit maximal drei Millionen Franken sollen beteiligen können. Die Erschliessung neuer Energieträger kann nicht vom selbstständigen Gemeindeunternehmen der Industriellen Betriebe Interlaken alleine beschlossen werden, sondern erfordert die Zustimmung der finanzkompetenten Organe der Einwohnergemeinde. Nachdem der Gemeinderat dem Geschäft zugestimmt hat, wird der Grosse Gemeinderat am 22. August zuhanden der Urnenabstimmung vom 26. November 2006 darüber befinden.
Hans Wenger neuer Finanzverwalter
Auf Anfang 2007 werden die heute separaten Finanzabteilung und Steuerabteilung zur Abteilung Finanzen und Steuern zusammengelegt. Damit die neue Abteilung von Beginn weg durch einen neuen Finanzverwalter geführt werden kann, hat sich Finanzverwalter Paul Heim für eine vorzeitige Pensionierung auf Ende März 2007 entschieden. Der Gemeinderat hat nun wie vorgesehen den heutigen Steuerverwalter Hans Wenger als Finanzverwalter ab 1. Januar 2007 und damit auch als Mitglied der neuen Geschäftsleitung der Gemeindeverwaltung bestimmt. Hans Wenger hat die Ausbildung zum Finanzverwalter im Jahr 2004 erfolgreich abgeschlossen. Er arbeitet seit November 2001 auf der Steuerabteilung der Gemeinde Interlaken, seit dem 1. Juni 2002 als Steuerverwalter.
Höhere finanzielle Beteiligung am Parking Jungfrau
Am 29. November 2005 hat der Grosse Gemeinderat beschlossen, das Parking Jungfraustrasse mit rund 920 000 Franken aus dem Parkplatzersatzabgabefonds zu unterstützen. Das Referendum gegen diesen Beschluss ist nicht ergriffen worden. Trotz dieser Zusicherung der Gemeinde konnte die Baugesellschaft IGZ AG die nötige Finanzierung für die Überbauung Jungfraustrasse bisher nicht sicherstellen. Der Gemeinderat hat aus folgenden Gründen ein grosses Interesse daran, dass die Überbauungsordnung Jungfraustrasse mit dem Parking realisiert werden kann. In der Überbauung werden neue Wohnungen geschaffen, die neue Steuerzahlende nach Interlaken bringen können. Es liegt ein baubewilligtes Projekt vor. Im Zentrum können rund 80 zusätzliche öffentliche Parkplätze geschaffen werden. Das Parking Jungfraustrasse ist verkehrstechnisch besser gelegen und tangiert weniger Wohnbereiche als der Parkplatz Rosenstrasse. Es lässt eine mögliche spätere Erweiterung unter den angrenzenden Bereich der Höhematte zu, ohne dass sich Ein- oder Ausfahrt auf dem Höhematteterrain befinden. Das von den Stimmberechtigten im Februar 2003 mit 800 000 Franken unterstützte Kunst- und Kulturhaus kann realisiert werden. Der Gemeinderat beantragt deshalb dem Grossen Gemeinderat, die Beitragszusicherung vom November 2005 aufzuheben und neu eine Beteiligung der Gemeinde von 1,5 Millionen Franken zu bewilligen.
Beitrag an Erneuerung der Dialysestation
Die Stiftung Spital Interlaken plant die rasche Erneuerung der Dialysestation im Spital Interlaken. Da der für das Spitalwesen neu alleine zuständige Kanton diese Erneuerung kurzfristig nicht vorgesehen hat, sucht die Stiftung Sponsoren, die sich an den Kosten beteiligen. Da aus der Auflösung des Gemeindeverbands Spital Interlaken Gelder an die Gemeinden zurückfliessen werden, hat der Gemeinderat einen Beitrag von 8250 Franken an die Dialysestation bewilligt.
Mittagstisch
Mit dem Frauenverein Interlaken ist eine Vereinbarung abgeschlossen worden. Der Frauenverein führt den Mittagstisch für Schülerinnen und Schüler noch ein Jahr weiter, neu jedoch im Hauswartgebäude der Schulanlage Alpenstrasse Nord. Ab Schuljahr 2007/2008 ist eine Tagesschule geplant, die dann auch den Mittagstisch beinhaltet.
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