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Juli 2006
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Grindelwald: «Strategien auch im schlimmstmöglichen Fall ausreichend»

Felsstürze und der ominöse Stausee auf dem Unteren Grindelwaldgletscher sorgen bei den Experten weiterhin für Gesprächsstoff. Am Montag trafen sie sich in Bern zur Standortbestimmung. Die Sicherheit in Grindelwald ist gewährleistet.

Was erwartet dieses Tal noch? Unten rechts der immer wieder frisch gestaute Gletschersee, unten links die inzwischen weltweit bekannte, rutschende Felswand der Schlosslauenen, und hoch über diesem Szenario das Gasthaus Bäregg (oben links). (Bilder: Bruno Petroni

Der Grindelwalder Bauverwalter Rolf Neuenschwander sieht nach der Standortbestimmung mit vierzehn Fachleuten vom Montag in Bern keinen Grund zur Panikmache: «Die möglichen Szenarien im Fall eines Wasserrückstaus beim Unteren Grindelwaldgletscher wurden eingehend diskutiert: Unsere Alarmdispositive sind in jedem Fall ausreichend; die zuständigen Leute des Bundesamtes für Umwelt konnten zur Kenntnis nehmen dass wir alles im Griff haben. Unsere Krisenmanagement-Strategien sind auch im schlimmsten Fall einer Überflutung von Grindelwald Grund ausreichend.» Neuenschwander meint damit auch die vorsorglichen Massnahmen, die im Zuge des laufenden Wasserbauprojektes getroffen werden und geworden sind: «Im Grund haben die Jungfraubahnen im Bereich der Lütschine jüngst eine zusätzliche Mauer aufgesetzt; dasselbe ist beim Mountain Hostel geschehen.» Die Verantwortlichen seien gerüstet für den Fall, dass es in Grindelwald-Grund im allerschlimmsten Fall zu einer ähnlichen Überflutung wie beim Hochwasser Ende August letzten Jahres kommen könnte.

Knackpunkt Gletscherschlucht (unten rechts): Wenn sich der Schuttkegel bald über die Kante der Gletscherschlucht hinaus ausbreitet, könnte sich dort ein Wasserrückstau bilden.

Zusätzliche Messanlagen
Im montäglichen Gremium sassen unter anderen drei Vertreter des Kantons, vier vom Bund, der Glaziologe Hermann Bösch, der Hydrologe Christoph Lehmann sowie als Vertreter von Grindelwald Bauverwalter Rolf Neuenschwander und Rettungschef Kurt Amacher. Letzterer weiss Neues zu berichten: «Gestern Dienstag errichtete der Kanton beim Mettenberg und bei der Gletscherschluchtbrücke zwei zusätzliche Wasserpegel-Messstellen. Diese werden vom Grindelwalder Geometer Jörg Homberger betreut und überwacht.» Seit längerer Zeit in Betrieb ist laut Rolf Neuenschwander die Wasserstandsanzeige 400 Meter weit in der Gletscherschlucht drin: «Wenn diese aber plötzlich durch Steinschlag von zerstört werden sollte, so haben wir jetzt immer noch zwei weitere Pegelmessstellen, auf die wir uns verlassen können.» Der kuriose See auf dem Unteren Grindelwaldgletscher, der sich vor einem Monat innert weniger Tage zweimal komplett entleert und wieder aufgefüllt hat, soll künftig noch besser im Auge behalten werden.
Bruno Petroni, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Rolf Neuenschwander kündigt an, «dass wir einen Pegelstab installieren werden, den dann Bäregg-Wirt Hansruedi Burgener mit dem Feldstecher periodisch kontrollieren wird».
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