Oberhalb von 2400 Meter ist laut einer Medienmitteilung je nach geographischer Ausrichtung der Boden in der Schweiz ständig gefroren. Dieses Phänomen heisst Permafrost. Aufgrund der Klimaerwärmung drohe die Permafrostgrenze in den nächsten Jahrzehnten anzusteigen. Dadurch könnten – wie etwa die jüngsten Beispiele Eiger,
Rottalsattel
und Matterhorn eindrücklich vor Augen führen – in den Bergen Steinschlag, Fels- oder Bergstürze sowie Rutschungen und Murgänge ausgelöst werden: «Die meisten dieser Prozesse werden in unbewohnten Gebieten stattfinden und so für den Menschen kein Problem darstellen.» In gewissen Gebieten hingegen könnten touristische Anlagen oder Bauten der Berglandwirtschaft direkt betroffen sein. Zudem könne das Abschmelzen des Permafrosts aufgrund von Kettenreaktionen zum Teil auch bewohntes Gebiet bedrohen.
Das Abschmelzen des Permafrostes wird in der Medienmitteilung als ein langfristiger Prozess bezeichnet. Je früher er jedoch erfasst werde, um so besser können Prävention betrieben werden: «Das Bundesamt für Umwelt hat deshalb zusammen mit spezialisierten geowissenschaftlichen Institutionen aufgrund von Computerberechnungen eine Übersicht erstellt, die die potentielle Verbreitung von Permafrost in der Schweiz zeigt; insbesondere die Alpengebiete in den Kantonen Wallis, Bern, Glarus und Graubünden haben Permafrost.»
Gefahrenkarten überprüfen und allenfalls anpassen
Diese Übersicht müsse nun im Gelände überprüft werden, verlautet im weiteren. Sie helfe, jene Gebiete zu lokalisieren, die beim Auftauen von Permafrost gefährdet sein könnten. Die Übersicht sei zu diesem Zweck den zuständigen Behörden in den betroffenen Kantonen zugestellt worden. Ziel sei, dass die Kantone ihre Gefahrenkarten überprüften und allenfalls anpassten: «Gefahrenkarten sind ein Instrument der Raumplanung und zeigen auf, wo welche Siedlung oder welches potentielle Baugebiet bedroht ist durch Lawinen, Steinschlag, Erdrutsche oder Hochwasser.» Dadurch lasse sich die Bevölkerung wirkungsvoll vor Naturgefahren schützen.
Permafrost-Messnetz soll ausgebaut werden
Zusätzlich zur Übersicht über die potentielle Permafrostverbreitung in der Schweiz plane das Bundesamt für Umwelt zusammen mit der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften und Meteoschweiz den Ausbau des Permafrostmessnetzes in der Schweiz, heisst es in der Medienmitteilung. In einem weiteren Schritt soll zudem geprüft werden, ob kritische Gebiete – also dort, wo Bewegung im Permafrost festgestellt wurde und Siedlungen bedroht sind – per Satellit zu überwacht werden könnten.
«Schweiz hat grosses Interesse am Kampf gegen Klimawandel»
Das langsame Abschmelzen von Permafrost in den Alpen wird in der Medienmitteilung als eine Folge der Klimaerwärmung bezeichnet. Das Beispiel des Permafrosts zeige, dass die Schweiz als Alpenland besonders betroffen sei. Unser Land müsse zudem mit folgenden Entwicklungen rechnen: Eine Zunahme der Niederschläge vor allem im Winter im Norden der Alpen und eine Abnahme im Herbst im Süden. In tiefen und mittleren Höhenlagen werde es vermehrt regnen und weniger schneien. In vielen Regionen dürften insbesondere im Winter Häufigkeit und Stärke der Hochwasser zunehmen. Als Folge der Klimaänderung werde der Rückgang der Gletscher in den Bergen anhalten: «Kleinere, nicht sehr hoch gelegene Gletscher dürften ganz verschwinden; damit verliert der Sommertourismus in der Schweiz eine bedeutende Attraktion.» Von der Klimaänderung würden auch Ökosysteme betroffen sein. Die Artenzusammensetzung der natürlichen Ökosysteme werde sich verändern.
«Um eine gefährliche Störung des Klimasystems zu verhindern, muss der weltweite Ausstoss von Treibhausgasen massiv reduziert werden», ist der Medienmitteilung im weiteren zu entnehmen. Für eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau müssten die Emissionen gegenüber heute um 85 Prozent gesenkt werden. Die Schweiz engagiere sich im Rahmen der Uno-Klimakonvention und habe sich mit dem Kyoto-Protokoll verpflichtet, bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 den Treibhausgasausstoss im Vergleich zu 1990 um acht Prozent zu senken: «Als vom Klimawandel besonders stark betroffenes Alpenland hat die Schweiz alles Interesse daran, dass die internationale Gemeinschaft auch nach 2012 eine griffige Klimapolitik verfolgt.»
|