Besonders schön zeigt sich auch der Himmelsherold (Eritrichium nanum) im Urgesteinsfeld. (Bild zvg)
pd/bns. Mit 23 347 Besuchern blieb das letzte Jahr weit hinter den Zahlen von 2004 und anderen guten Jahren des Alpengartens zurück. Als Grund dafür nannte Präsident Denis Forter an der Hauptversammlung des Vereins Alpengarten Schynige Platte vom Samstag 24. Juni 2006 die Ausfälle vom 22. August bis 1. September, als die Schynige-Platte-Bahn (SPB) nach der Überschwemmung des Bahnhofs Wilderswil ausser Betrieb war. Die Gärtnerinnen nutzten die besucherfreie Zeit für Erneuerungsarbeiten im Garten. Dabei wurden sie im Herbst von den Lehrlingen der Gartenbauschule Oeschberg unterstützt – eine Aktion, die dieses Jahr weitergeführt wird.
Die narzissenblütige Anemone (Anemone narcissiflora). (Archivbild Dora Schmid-Zürcher)
Erneuerung zeigt Resultate
In den verschiedenen, zum Teil mit Neuanpflanzungen ergänzten Pflanzengesellschaften blühen gegenwärtig 140 verschiedene Arten, darunter diverse Anemonen- und Enzianarten. Besonders schön zeigt sich auch der Himmelsherold im Urgesteinsfeld. Der Boden dieses Standorts war in den letzten beiden Jahren stellenweise ausgewechselt worden, nachdem er sich im Laufe der Zeit immer mehr den Kalkböden der Umgebung angepasst hatte. Seither gedeihen auch andere kalkfliehende Pflanzen wieder prächtig, so der wilde Wermut, die Alpenmargerite oder der in den Schweizer Alpen äusserst seltene kurzstengelige Mannsschild.
Publikumsliebling gibt Rätsel auf
Im Urgesteinsfeld des Alpengartens blüht in diesen Tagen ein Publikumsliebling: Der Himmelsherold. Ein anderes dieser mit dem Vergissmeinnicht verwandten Pölsterchen zeigt seine himmelblauen Blüten zugleich auf einem Tuffstein. Warum sich eine Blume, die eigentlich Kalk meidet, zugleich auch auf reinem Kalk wohl fühlt, weiss man bis heute nicht. «Tatsache ist, dass verschiedene Pflanzen, die von Natur aus nur auf Silikatgestein vorkommen, auch auf Tuff kultiviert werden können», meint Otto Hegg. Der wissenschaftliche Leiter des Alpengartens vermutet, dass für die Pflanzen nicht nur die chemischen, sondern auch die physikalischen Eigenschaften eines Standortes eine Rolle spielen.
Schutz vor Steinschlag
Im untersten Teil des Alpengartens wird gegenwärtig eine unstabile Felspartie geräumt und neu mit Netzen gesichert. Nachdem sich im letzten August ein Brocken gelöst hatte und auf den Weg gefallen war, entschieden Geschäftsleitung und Geologen, den Gartenweg und den darunter liegenden Wanderweg mit Auffangnetzen zu schützen. Bevor die Netze montiert werden können, muss aber zunächst eine etwa 20 Kubikmeter grosse Felspartie entfernt werden, die sich in letzter Zeit gelockert hat. Eine Sprengung würde den Felsen allerdings erschüttern und im schlimmsten Fall die ganze «Windecke» samt ihrer besonders wind-, kälte- und trockenheits-resistenten Flora zerstören. Deshalb wird der lockere Brocken mit einer Druckwinde weggepresst. Durch die Räumung steigen die Kosten für die Sicherung von 50 000 auf 70 000 Franken.
Forschung
Der botanische Alpengarten Schynige Platte betreut neben dem Gartengelände eine Versuchsweide, die mit ihren 1930 angelegten Düngerversuchen zu den ältesten Versuchsflächen der Welt gehört. 2005 publizierte Otto Hegg, der wissenschaftliche Leiter des Alpengartens, einen Zwischenbericht über die neuesten Auswertungen der langen Datenreihen in den «Berichten der Reinhold-Tüxen-Gesellschaft». Und vom «Centre for Agriculture and
Bioscience International» (CABI) – eine zwischenstaatliche Organisation im Bereich Landwirtschaft und Biowissenschaften, die in Delsberg (Kanton Jura) seit dem Jahr 1958 das Institut für
biologischen Pflanzenschutz betreibt – erschien einen Artikel über Resultate dieser Feldforschung in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift «Ecology».
Pünktlich zum offiziellen Saisonbeginn – siehe auch Alpengarten Schynige Platte: Bergfrühling verlängert vom
Montag 12. Juni 2006 – zeigten sich auch die ersten Alpenanemonen. Zusammen mit rund drei Dutzend weiteren Frühlingsblumen eröffneten sie den Blütenreigen, in dem sich bis im Herbst rund 500 Arten ablösen. Seinen Höhepunkt erreicht der Bergfrühling in der ersten Julihälfte; im August folgen die spektakulären Hochstauden wie Rittersporn, Eisenhut, Alpenmannstreu und Purpurenzian.
Alpengarten Schynige Platte.
Öffnungszeiten: täglich 7.30 bis 18.00 Uhr.
Eintritt: Erwachsene vier Franken, Kinder und Studenten ein Franken, Inhaber der Gästekarte und Gruppen ab sechs Personen drei Franken. Führungen nach Voranmeldung 50 Franken pro Gruppe (ab 20 Personen wird eine Gruppe geteilt). Telefon 033 822 28 35. Anfahrt mit der Bahn/Zahnradbahn (Interlaken Ost–) Wilderswil – Schynige Platte: Fahrzeit 50 Minuten / Rail-Info Schweiz: Berner Oberland-Bahn (BOB) / Schynige-Platte-Bahn (SPB) / Weitere Informationen alpengarten.ch
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