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Moderne Technik zur Beobachtung der Felsbewegungen am Eiger

Ab sofort wird die bröckelnde Eiger-Ostflanke mit optischen Messgeräten vermessen und beobachtet. Die Experten haben am Donnerstag an der rutschenden Felswand vier Messspiegel installiert.

Rennen gegen die Uhr und das Wetter: Die ersten Tropfen fallen, während Kurt Amacher im gefährdeten Felsrutschgebiet die Messspiegel anbringt. Er ist aus Sicherheitsgründen durch ein Windenseil mit dem Helikopter verbunden. (Bilder: Bruno Petroni)

Bäregg hoch über Grindelwald auf 1775 Meter über Meer: Es ist kurz nach Mittag. Dunkle Wolken ziehen auf. Geologe Hans Rudolf Keusen, Rettungschef Kurt Amacher, Vermessungstechniker Walter Flogerzi und Bohag-Pilot Simon Thöni starten die Operation «Spiegelsetzen». Vom Stützpunkt auf der Bäregg aus fliegen sie sechs schwere Messspiegel zur gegenüberliegenden Schlosslauenen, wo sich seit zwei Wochen – siehe auch Eiger-Osthang: «Spannungen von unvorstellbarer Grösse» vom Mittwoch 28. Juni 2006 – ein 250 Meter breiter Felshang in Bewegung befindet und zu kollabieren droht. Kurt Amacher wird an der Seilwinde am Helikopter hängend zum mittlerweile über zwei Meter breiten Felsspalt geflogen, wo er die Messinstrumente anbringt.

Gefahr von oben
Derweil beobachtet Hansruedi Burgener das Challifirn hoch oben in der Eiger-Ostflanke. Sollte sich dort oben plötzlich ein Gletscherabbruch lösen, müsste der Bäregg-Pächter sofort Alarm schlagen, damit sich Amacher und Thöni mit dem Helikopter schleunigst aus dem Staub machen könnten.
Bruno Petroni, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Die Montage verläuft jedoch ohne Zwischenfall. Nur das Wetter schlägt definitiv um, es beginnt zu «schiffe, blitze und chutte». Auf die Installation des fünften Spiegels wird verzichtet. Die angereiste Schar von Presse- und TV-Leuten verzieht sich hastig wieder talwärts, die Bäregg hat ihre Ruhe wieder.

Von der Bäregg aus im Visier
«Ab sofort können wir jetzt die Felsbewegungen gefahrlos von der Bäregg verfolgen», erklärt Geologe Hans Rudolf Keusen: «Mit den Laser-Distanzmessungen können wir die Rutschungen millimetergenau feststellen.» Vier Messpunkte und ein Referenzmesspunkt werden ab sofort zwei Mal pro Woche von Walter Flogerzi vom Vermessungsbüro Wyss & Früh in Unterseen nachgemessen. Die Messstelle befindet sich unmittelbar beim Gasthaus Bäregg.

Diskussion unter Experten: Von links nach rechts Rettungschef Kurt Amacher, der Geologe Hans Rudolf Keusen und der Vermessungstechniker Walter Flogerzi setzen von der Bäregg aus am gegenüberliegenden Hang die Punkte fest, wo ersterer die Messspiegel installieren soll.

Nach wie vor herrscht bei den Fachleuten Ratlosigkeit: «Die Basis des Risses ist von der Moräne verdeckt. Wir können nicht abschätzen ob und wann der grosse Rutsch kommt und ob dieser wie eine natürliche Staumauer den Lauf der Weissen Lütschine stauen würde oder nicht», räumt Hans Rudolf Keusen ein. Keusen ist aber überzeugt, «dass der Gletscherrückzug für dieses Phänomen mit verantwortlich ist; früher wurde diese Wand vom Gletschereis abgestützt.» Der Grindelwalder Rettungschef Kurt Amacher zeigt sich einmal mehr überwältigt von den Dimensionen, welche die Natur in der Schlosslauenen zurzeit aufzeigt: «Diese Risse sind unendlich tief – da hört man einen hinuntergeworfenen Stein erst nach langer Zeit verhallen.»


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