pd/bns. «Dabei setzen die Gemeinden auf den konstruktiven Dialog und appellieren an die Mitverantwortung von Bevölkerung sowie Verkaufsstellen von Unterwegsverpflegung», heisst es in einer Medienmitteilung der vom Interlakner Gemeinderat Nils von Allmen präsidierten Sozialkommission Interlaken/Unterseen: Zentrale Begegnungsstätte der Aktion ist das «Ghüder-Tipi», welches sich vom 7. Juni bis 8. Juli 2006 beim «Schuhgässli» an der Höhematte Interlaken befindet.
Das Image leidet
Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Konsum- und Verpflegungsgewohnheiten hätten in den letzten Jahren dazu geführt, dass immer mehr Abfall im öffentlichen Raum liegen bleibe. Dieses sogenannte Littering wirke sich nachteilig auf das Wohlbefinden und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung aus. Das Image der Bödeligemeinden als attraktive Touristenregion leide. Der Aufwand für Reinigung und Unterhalt zeige trotz Intensivierung der Anstrengungen seitens der Gemeinden kontinuierlich nach oben: So bewirtschafteten die Gemeinden Interlaken und Unterseen aktuell rund 350 Abfallkübel für die Entsorgung auf öffentlichem Grund und setzten 15 Manntage pro Woche für die Reinigung von herumliegendem Abfall ein: «Rund 337 Tonnen Abfälle, die auf Kosten der Allgemeinheit entsorgt werden müssen, fallen so jährlich in den beiden Bödeligemeinden an.» Die Kosten allein für Reinigung und Unterhalt der Höhematte beliefen sich auf 80 000 Franken pro Jahr: «Dabei stammt ein überwiegender Teil der Abfälle aus dem Verzehr von Unterwegsverpflegung.»
«Blyb suber – mach mit!»
Vor diesem Hintergrund hätten die Gemeinden Interlaken und Unterseen gemeinsam die Aktion «Blyb suber – mach mit!» lanciert, verlautet im weiteren: «Ziel dieser Aktion ist es, die Bevölkerung für eine verantwortungsbewusste Nutzung des öffentlichen Raums zu sensibilisieren und einen konstruktiven, lösungsorientierten Dialog mit verschiedenen Akteuren – insbesondere mit Verkaufsstellen von Unterwegsverpflegung – anzustossen.» Dass ein eigenverantwortliches Engagement für mehr Lebensqualität und weniger Abfall in der Gemeinde durchaus im Interesse dieser Betriebe stehe, habe eine Umfrage in den Gemeinden Interlaken und Unterseen im Mai dieses Jahres ergeben: Neun von zehn Betrieben stünden einer Zusammenarbeit mit den kommunalen Behörden für mehr Sauberkeit im öffentlichen Raum positiv gegenüber.
«Ghüder-Tipi» auf der Höhematte
Ausgangspunkt und zentrale Begegnungsstätte der Aktion bildet laut der Medienmitteilung ein «Ghüder-Tipi». Das durch seine spezielle Bemalung auffallende Indianerzelt stehe vom 7. Juni. bis 8. Juli 2006 auf der Höhematte und sei rund um die Uhr von Tipi-Mann Niels Michel besetzt: «Mit dieser mehrwöchigen Präsenz im Herzen von Interlaken sollen einerseits das Ordnung halten und der respektvolle Umgang mit Natur und Umwelt vorgelebt, andererseits Passanten im persönlichen Dialog zu korrektem Entsorgungsverhalten motiviert werden.» Zudem beteiligten sich rund 36 Schulklassen aus den Gemeinden Interlaken und Unterseen im Rahmen eines handlungsorientierten Abfallunterrichts an der Aktion.
«Während der Aktion erarbeitet die Jugendarbeit Bödeli in Zusammenarbeit mit dem Jugendparlament eine Lebensweltanalyse an der Höhematte», verlautet im weiteren. Ziel dieser Analyse sei es, die Sicht der Jugendlichen an der Höhematte und ihre Bedürfnisse kennenzulernen und zu erfassen. Die Evaluation der Lebensweltanalyse diene der Gruppe «Soziale Brennpunkte» und auch der Jugendarbeit Bödeli zur Planung und Umsetzung von späteren Angeboten und Interventionen. Am 29. Juni 2006 finde zudem ein vom Jugendparlament organisierter «Generationen-Event» statt: «Am geplanten Body-Soccer-Turnier werden die unterschiedlichen Interessengruppen und Generationen zusammenkommen, gemeinsam spielen und Spass haben; die Diskussion um die Nutzung des öffentlichen Raums ‹Höhematte› soll für einmal unter anderen Rahmenbedingungen möglich sein.»
Die unter der Federführung der Sozialkommission Interlaken/Unterseen im Februar 2006 gebildete Arbeitsgruppe «Soziale Brennpunkte» – siehe auch Verschärfte Jugend- und Suchtproblematik auf dem Bödeli vom Donnerstag 11. Mai 2006 – stelle sicher, «dass die Abteilungen Bau, Polizei, Schule und Soziales mit der Jugendarbeit Bödeli und der Eltern-, Jugend- und Suchtberatungsstelle Contact untereinander besser vernetzt und Aktivitäten einzelner Abteilungen gut kommuniziert und abgesprochen werden». Dazu erarbeite die Arbeitsgruppe in den kommenden Monaten ein Gesamtkonzept zum Thema «Soziale Brennpunkte», welches kurz-, mittel- und langfristige Strategien und Massnahmen aufliste. Die Aktion «Blyb suber – mach mit!» sei Pilotprojekt für die künftige Zusammenarbeit.
Littering
Das neudeutsche Wort «Littering» bezeichne die Verunreinigung von Strassen, Plätzen, Parkanlagen oder öffentlichen Verkehrsmitteln durch liegengelassene Abfälle, heisst es abschliessend. Auch wenn absolut gesehen nur kleine Mengen von Abfällen auf dem Boden liegenblieben, so empfindee doch die grosse Mehrheit der Bevölkerung dies als störend: «Das ‹Littering› beeinträchtigt Lebensqualität und Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum, führt zu erhöhten Kosten bei Reinigungsdiensten und kann dem Ruf eines Orts schaden.»
Arbeitsgruppe «Soziale Brennpunkte». Die vom Interlakner Gemeinderat und Präsidenten der Sozialkommission Nils von Allmen geleitete Arbeitsgruppe «Soziale Brennpunkte» Interlaken/Unterseen hat ihre Aufgabe im Februar aufgenommen. Weitere Mitglieder: Roger Berthoud, Sozialvorsteher Unterseen. Werner Zumbrunn, Werkhofchef Interlaken. Fritz Schori, Bauverwalter Unterseen. Esther Gabi, Schulamtleiterin Interlaken. Peter Meyer, Schulvorsteher Unterseen. Barbara Guggisberg, Polizeivorsteherin Unterseen. Thomas Thöni, Vertreter der Polizei Interlaken. Christian Kaufmann, Vertreter der Polizei Unterseen. Andrea Schärmeli und Sabina Stör, Jugendarbeit Bödeli. Peter Baumann, «Contact» Interlaken. Markus Ris, Sekretär der Sozialkommission Interlaken-Unterseen.
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