«Ein zwölf- und ein achtstöckiges ‹Hochhaus› sollen ein Zeichen für den Nutzungswandel und den neuen Stadtteil setzen», heisst es in einer parallel zu einer Orientierungsversammlung am Donnerstagabend verbreiteten Medieninformation.
Die Geschichte des Thuner Selveareals als Industriestandort sei bereits in den 1980er Jahren zu Ende gegangen, wird in der Medienmitteilung erinnert. Seither würden die ehemaligen Produktionshallen am nördlichen Stadtrand als «Party-Meile» und für Kleingewerbe genutzt. Doch auch diese Epoche werde demnächst abgeschlossen sein: «Die Selve-Park AG, an der die Stadt Thun und der Kanton Bern je hälftig beteiligt sind, will hier die Altlasten bereinigen und die baurechtlichen Grundlagen für ein neues städtisches Quartier schaffen.» Wohnungen für rund 550 Einwohner, aber auch Büros, Läden und andere Dienstleistungsbetriebe sollen möglich sein. Das beplante Areal in der Selve liege zwischen der Scheibenstrasse und der Bahnlinie. Es sei etwa halb so gross wie das Bälliz, die «Einkaufsmeile» Thuns.
Frühestens ab Sommer 2007
Zusammen mit der Energie Thun AG und zwei kaufberechtigten Generalunternehmen habe die Selve-Park AG im Jahr 2004 einen Studienauftrag erteilt, heisst es im weiteren. Sechs Planungsteams seien dazu eingeladen worden. Schliesslich habe das Beurteilungsgremium die Arbeiten von zwei Architekturbüros – Luscher architectes Lausanne und Althaus Architekten Bern – zur Weiterbearbeitung empfohlen. Das Ergebnis sehe zwei Hochhäuser und einen höheren Anteil Wohnen vor. Deshalb müsse für das Selveareal der Zonenplan angepasst werden. Der Zonenplan von 2002 erlaube in dieser «Zone mit Planungspflicht» nur fünfgeschossige Häuser und begrenze den Wohnanteil auf maximal 75 Prozent. Zu dieser Zonenplanänderung werde gemäss Beschluss des Gemeinderates vom 22. Juni bis 24. Juli 2006 eine öffentliche Mitwirkung durchgeführt. Somit könne während dieser Zeit jedermann seine Meinung dazu äussern. Nach Ablauf des Mitwirkungsverfahrens soll darüber ein Bericht erstellt werden: «Dieser ist öffentlich.» Nach der öffentlichen Auflage im Herbst werde der Stadtrat über die Zonenplanänderung beschliessen. Danach folge das Genehmigungsverfahren durch den Kanton. Die erste Etappe der Überbauung könnte so frühestens ab Sommer 2007 ausgeführt werden.
«Wohlfahrtsgebäude» als Kopfbau
Nach dem Studienauftrag ist das Selveareal laut Medienmitteilung in zwei Sektoren aufgeteilt worden. Der westliche Teil des Areals sei für eine Wohnüberbauung bestimmt. Insgesamt könnten so etwa 270 Wohnungen entstehen: «Ein zwölf- und ein achtstöckiges Haus, jeweils mit zusätzlichem Attikageschoss, setzen die Akzente.» Dazu gebe es sieben weitere Wohnhäuser mit vier bis fünf Geschossen plus Attikageschoss. Das als schützenswert eingestufte Gebäude Scheibenstrasse 25 soll erhalten bleiben. Es handle sich um das ehemalige «Wohlfahrtsgebäude». Es werde als Kopfbau in ein Wohngebäude integriert. Im westlichen Teil sei das Projekt von Luscher architectes Lausanne wegleitend.
Grüner Park entlang der Aare
Entlang der Aare soll die Stadt zwischen der Halle 6 und dem Kraftwerk einen grünen Park gestalten, verlautet im weiteren. Die Scheibenstrasse werde in diesem Bereich unterbrochen und für den motorisierten Individualverkehr gesperrt: «So entsteht ein ruhiger und sicherer Übergang von den Wohnhäusern hin zum Park und zur Aare; die Zufahrt für Autos erfolgt über eine neue Detailerschliessung entlang der Bahngeleise.»
Bürogebäude auf Ostteil des Areals
Gegenüber der Halle 6 ist laut Medienmitteilung auf dem Ostteil des Areals ein Bürogebäude geplant. Für diesen Arealteil habe das Team der Althaus Architekten Bern ein Projekt ausgearbeitet. Der Kanton prüfe die Erweiterung seines Verwaltungsgebäudes auf dem Selveareal. Auf einer begrenzten Fläche wären auch Verkaufsnutzungen möglich: «Einkaufszentren und ‹verkehrsintensive Nutzungen› sind jedoch nicht zugelassen; das als erhaltenswert eingestufte ehemalige Verwaltungsgebäude der Energie- und Verkehrsbetriebe bleibt bestehen.»
Stadtbild anhand von Modellen geprüft
Die Projekte aus dem Studienauftrag seien in diesem Jahr sorgfältig überarbeitet worden, ist der Medienmitteilung sodann zu entnehmen. Ein Gremium mit Architekturexperten habe diese Arbeit begleitet: «Speziell geprüft wurde die Frage, ob ein zwölf- und ein achtstöckiges Haus das Stadtbild positiv prägen und ob sie damit verträglich sind – insbesondere mit dem nahen Schlosshügel, der die Silhouette von Thun prägt.» Es seien dazu eigens Modelle und Visualisierungen angefertigt worden: «Durch die Überarbeitung sind nun zwei umsetzbare Projekte entstanden.» Sie bildeten die Grundlage für eine neue Überbauungsordnung und seien auch wegleitend für die städtebauliche und architektonische Umsetzung.
Ausstellung und Unterlagen im Rathaus. Die Unterlagen für die Mitwirkung werden von Donnerstag 22. Juni bis Montag 17. Juli 2006 zur Einsichtnahme aufgelegt. Gezeigt werden neben den Mitwirkungsdokumenten zur Zonenplanänderung auch das Resultat des Studienauftrags, zwei Modelle sowie ein Entwurf einer möglichen Überbauungsordnung. Die Unterlagen können im Erdgeschoss des Rathauses Thun, von Montag bis Freitag 8.00 bis 11.45 Uhr und 13.30 bis 17.00 Uhr (Freitag bis 16.00 Uhr) eingesehen werden. Allfällige Eingaben sind schriftlich und begründet bis spätestens Montag 24. Juli 2006 an das Planungsamt der Stadt Thun, Industriestrasse 2, Postfach 145, 3602 Thun, zu richten.
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