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Thunersee: Die DS Blümlisalp nach Grossrenovation wieder fahrplanmässig unter Dampf
Ab Pfingstsonntag 4. Juni 2006 ist der mit Kosten von gegen zwei Millionen Franken renovierte Seitenraddampfer DS Blümlisalp wieder täglich im Einsatz. Das während Jahrzehnten grösste und eleganteste Schiff der Thunerseeflotte hat in seiner Karriere neben Höhepunkten auch düstere Zeiten erlebt. Doch nun präsentiert es sich zu seinem 100. Geburtstag im Glanz der Belle Époque.
Während knapp fünf Monaten auf dem Trockendock ist der 100jährige Thunerseedampfer DS Blümlisalp mit Kosten von gegen zwei Millionen Franken renoviert worden. (Archivbild Dora Schmid-Zürcher)

pd/bns. Nach Einweihungsfeiern, welche durch den Schiffseigner Genossenschaft Vaporama und die Freunde der Dampfschiffahrt Thuner- und Brienzersee organisiert werden, ist die «Blümlisalp» ab Pfingstsonntag 4. Juni 2006 wieder im fahrplanmässigen Einsatz..In den vergangenen Monaten wurde die «Blümlisalp» in der Thunersee-Werft erneut sorgfältig renoviert und rechtzeitig zu ihrem 100. Geburtstag in alte Pracht versetzt. Ein wichtiges Ziel war, für die Fahrgäste mehr Raum zum Flanieren und zum gemütlichen Verweilen zu schaffen. Zudem wurden für die Gastronomie die Platzverhältnisse verbessert und die Wege vereinfacht. Der Salon auf dem Hauptdeck wurde auf seine ursprüngliche Grösse verkleinert, womit er seine originalen Proportionen zurückerhielt. Er steht neu auch den Fahrgästen mit Zweitklassbillett zur Verfügung. In der Rotonde vor der Dampfmaschine gibt es neu eine Bar als Treffpunkt.
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Das Restaurant auf dem Oberdeck wurde mit Tischen aus Mahagoni und Lloyd-Loom-Sesseln neu möbliert. Die Verglasung auf dem Oberdeck wurde um vier Meter nach hinten verlängert und bis zum Boden gezogen, um die Sicht auf das Wasser zu verbessern.

Knapp zwei Millionen Franken Renovationskosten
Die Kosten der Grossrenovation belaufen sich auf knapp zwei Millionen Franken. Daran zahlen die Freunde der Dampfschiffahrt Thuner- und Brienzersee aus Spenden und Mitgliederbeiträgen 1,2 Millionen Franken. 240 000 Franken steuert die kantonale Denkmalpflege bei, 310 000 Franken stammen aus dem Lotteriefonds des Kantons Bern, und 250 000 Franken übernimmt die BLS Schiffahrt.

Stapellauf vor 100 Jahren
Vor exakt 100 Jahren, am 31. Mai 1906 wurde der Raddampfer «Blümlisalp» in der speziell umgebauten Schiffswerft im Thuner Lachen von Stapel gelassen. Bloss 15 Monate waren vergangen seit der Unterzeichnung des Werkvertrages zwischen der Dampfschiffgesellschaft Thuner- und Brienzersee und der Escher Wyss & Cie in Zürich über die Lieferung eines «Salonboots» zum Preis von 375 000 Franken. Nachdem die damals 60,5 Meter lange und 13,2 Meter breite «Blümlisalp» die Abnahmefahrt erfolgreich absolviert hatte, fanden am 31. Juli 1906 die festliche Taufe und die offizielle Jungfernfahrt statt. Für die Schiffahrt auf dem Thunersee bedeutete die Inbetriebnahme der «Blümlisalp» einen Höhepunkt. Sie war während Jahrzehnten der grösste und luxuriöseste Salondampfer, der zwischen Thun und Interlaken verkehrte. Erst Mitte der fünfziger Jahre machten die ersten grossen Motorschiffe, allen voran die «Jungfrau» und die «Stadt Bern», dem Raddampfer den Rang als elegantestes Thunerseeschiff streitig.

Die «Blümlisalp» verkörperte den Stil und den Luxus der Belle Époque. Für den Innenausbau und das Mobiliar wurden edle Hölzer, hochwertige Stoffe und feine Stickereien verwendet. Das Dampfschiff erwies sich im Betrieb als zuverlässig. Es war beim Personal und beim Publikum gleichermassen beliebt. Dennoch blieb ihm die glänzende Karriere leider versagt. Nach sieben erfolgreichen Saisons bescherte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs der «Blümlisalp» sieben stille Jahre. 1915 und von 1917 bis 1922 blieben ihre Kessel kalt. In der wirtschaftlich schwierigen Zwischenkriegszeit wurde sie dann vor allem an Wochenenden eingesetzt. Der wirtschaftliche Aufschwung in den fünfziger Jahren brachte der Schiffahrt deutlichen Mehrverkehr. Doch die modernen, eleganten Motorschiffe gewannen – dem damaligen Zeitgeist entsprechend – rasch die Gunst des Publikums. Vier der fünf Thunerseedampfer wurden abgebrochen. Einzig die «Blümlisalp» blieb im Betrieb. Zumindest vorläufig; denn sie wurde im Jahr 1971 durch das gleichnamige Motorschiff abgelöst und nach der Illuminationsfahrt am 1. August nach genau 65 Dienstjahren ausser Dienst gestellt wurde. Nach vier Jahren in der Werft wurde das einst stolze Schiff in ein Baggerloch im Kanderdelta gebracht, wo es dank der Pflege durch eine Gruppe Dampfschiffbegeisterter überlebte.

Wieder auferstanden
Mit dem Ziel, die «Blümlisalp» der Nachwelt betriebsfähig zu erhalten, einigte sich die BLS mit der Genossenschaft Vaporama, welche den Dampfer zu Eigentum übernahm, auf eine umfassende Renovation. Dank einer landesweiten Spendenaktion wurden die auf rund neun Millionen Franken veranschlagten Arbeiten im Jahr 1989 in einem eigens angefertigten Trockendock im Kanderdelta aufgenommen. Der Raddampfer wurde dabei um 2,2 Meter verlängert, auf dem Oberdeck wurde ein geschlossenes Restaurant eingerichtet. Seit dem 22. Mai 1992 verkehrt der Salondampfer wieder auf dem Thunersee – zur Freude der Passagiere an Bord, zur Freude auch all jener, welche das majestätische Schiff aus der Ferne betrachten. Auch beim Personal hat die «Blümlisalp» rasch wieder an Beliebtheit gewonnen.

DS Blümlisalp. Für alle Interessierten steht die «Blümlisalp» bereits am Samstag 3. Juni 2006, von 10 bis 12 Uhr an der Ländte 8 in Thun zur freien Besichtigung offen. Sie verkehrt bis 10. September 2006 täglich wie folgt: Thun ab 12.38 Uhr, Interlaken West an 14.51 Uhr / ab 15.12 Uhr, Thun an 17.25 Uhr. Ein besonderes Erlebnis ist die Feierabendfahrt via Beatenbucht, die bis 9. September 2006 jeweils von Dienstag bis Samstag stattfindet: Thun ab 18.38 Uhr, Rückkehr nach Thun 21.16 Uhr.

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