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«Kulturlegi» – auch in Thun geplant

Sport, Bildung und Kultur für alle – auch mit schmalem Budget. Eine Thuner Arbeitsgruppe will die sogenannten Kulturlegi – einem Ausweis für ermässigte Eintritte zu Kultur-, Sport- und Bildungsveranstaltungen – für das Jahr 2007 realisieren. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit der Stadt Thun, den Kirchen und der Geschäftsstelle Kulturlegi in Bern. Die Lancierung soll mit Mitteln von privaten Stiftungen finanziert werden, die jährlichen Betriebskosten sollen zwischen der Stadt Thun und den Kirchen aufgeteilt werden.

sth/bns. Sport, Bildung und Kultur für alle – auch mit schmalem Budget. So lautet die Botschaft des Projekts Kulturlegi. Das Projekt Kulturlegi in der Stadt Thun will in Zusammenarbeit mit Anbietenden in den Bereichen Sport, Bildung und Kultur den Besuch von Veranstaltungen auch für finanziell schlecht gestellte Personen erschwinglich machen.

Jede siebente Person in Thun ist heute von Armut betroffen – nach Schätzungen der Steuerverwaltung sind es etwa 6000 Personen; davon sind gut 4700 auf Ergänzungsleistungen oder wirtschaftliche Sozialhilfe angewiesen. Finanzielle Not führt zu sozialer Isolation: das Geld fehlt, um am gesellschaftlichen und sozialen Leben teilzunehmen. Gleichzeitig sind Kulturveranstaltungen, Sportanlässe und Kurse im Bildungswesen nur zum Teil ausgebucht. Von der Kulturlegi profitieren beide Seiten: Von Armut Betroffene und ihre Kinder erhalten durch vergünstigte Eintrittspreise Zugang zu Kultur, Sport und Bildung. Anbieter gewinnen zusätzliches Publikum, stärken ihr Image und unterstützen mit ihrem Engagement von Armut betroffene Thuner.

Vernetzung mit Bern und Winterthur
Thun will seine Kulturlegi mit Bern und Winterthur vernetzen: Winterthur kennt die Kulturlegi seit 2003 mit 56 Angebotspartnern und Bern seit 2005 mit 82 Angebotspartnern. Thun will es ihnen gleichtun. Künftig soll die Kulturlegi von Thun auch in Winterthur und Bern – und umgekehrt – gültig sein. Die Kulturlegi soll in allen Städten unter einem Label geführt werden. Das Projekt in Thun entsteht in Zusammenarbeit mit der Stadt Thun (Sozialdienste, Sportamt, Amt für Bildung und Kulturabteilung), der Arbeitsgemeindschaft der Kirchen in Thun und der Geschäftsstelle für die Kulturlegi der Stadt Bern (Caritas und Heks). Zur Thuner Initiativgruppe gehören Markus Pfeuti (Chef Sozialdienste), Michael Dähler (Pfarrer) und Jacqueline Strauss (Chefin Kulturabteilung).

Zielgruppe genau definiert
Von Armut betroffene Personen, wohnhaft in der Stadt Thun, können die Kulturlegi bei offiziell definierten Stellen beziehen. Sie wird unter folgenden Bedingungen ausgestellt: Die Personen beziehen Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen oder das Einkommen liegt am oder unter dem Existenzminimum nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe.

Ausweis im ersten Jahr kostenlos
Die Kulturlegi ist ein persönlicher, nicht übertragbarer Ausweis für Erwachsene und Kinder. Die erste Kulturlegi ist kostenlos und ein Jahr gültig. Die Verlängerung für das erste Familienmitglied kostet 20 Franken, für das zweite 10 Franken, ab dem dritten ist sie gratis. Für die Verlängerung gibt es eine Abgabestelle.

Preisermässigungen zwischen 30 und 70 Prozent

Die Angebotspartner aus Bildung, Sport und Kultur stellen ihr gesamtes Angebot mit einer festgesetzten Preisermässigung von 30, 50 oder 70 Prozent zur Verfügung. Ein Vertrag zwischen dem Angebotspartner und der Kulturlegi regelt den gewährten Rabatt und die Laufzeit. Die Angebotspartner erscheinen ab Vertragsabschluss auf dem Prospekt und der Website der Kulturlegi. Der Sticker «Kulturlegi» an der Kasse oder am Eingang des Betriebs weisen den Ort als Angebotspartner der Kulturlegi aus.

Finanzierung: Lancierung ohne Kosten für Stadt

Die Kosten für die Lancierung belaufen sich auf 65 000 Franken. Da nicht nur Empfänger von Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen, sondern generell von Armut Betroffene angesprochen werden, ist das Zielpublikum der Kulturlegi in der ganzen Bevölkerung verteilt. Zudem soll der Besitz einer Kulturlegi positiv konnotiert sein. Aus beiden Gründen muss der Kommunikation ein besonderes Gewicht beigemessen werden. Ziel ist, dass die Kosten der Lancierung stadtextern finanziert werden. Bereits sind Gesuche an private Stiftungen am Laufen.

Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf 36 000 Franken. Hier wird ein Fifty-fifty-Kostenteiler zwischen den Kirchen und der Stadt Thun – je 18 000 Franken – angestrebt. Wenn die kirchlichen und städtischen Entscheidungsträger dem Finanzierungsschlüssel des Projekts zustimmen, folgt Thun folgendem Zeitplan:
–  Erste Hälfte 2007: Lancierung unter den Angebotspartnern aus den Bereichen Bildung, Sport, Kultur.
–  Mitte 2007: Startanlass.
–  Mitte 2008, nach einem Jahr, sollen 1000 Legis ausgestellt worden sein.

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