Grösstenteils in ein unnatürliches Korsett gezwängt: Flüsse und Bäche – begradigt, betoniert, verbaut oder schlicht auch trockengelegt. (Bilder zvg)
Tausende von Fischen und anderen Flusslebewesen in der Schweiz blieben immer häufiger auf dem Trockenen – mit verheerenden Folgen für die Artenvielfalt, verlautet in einer Medienmitteilung: «Masslose Wasserentnahmen der Kraftwerke» sind nach Auffassung von Pro Natura «der Grund für diese Misere». Pro Natura verstärke ihre Anstrengungen, dem endlich abzuhelfen und lanciere die dreijährige Kampagne «Befreit unsere Flüsse!» Von unseren Bächen und Flüssen flössen heute nur noch schätzungsweise zehn Prozent natürlich, verlautet dazu im weiteren: «Der Rest ist in ein unnatürliches Korsett gezwängt, begradigt, betoniert, verbaut oder schlicht trockengelegt. Mit verheerenden Folgen für Pflanzen und Tiere in und an unseren Fliessgewässern. Von ursprünglich 54 Fischarten in Schweizer Fliessgewässern sind heute deren 8 ausgestorben und vom zähen Rest sind 35 Arten gefährdet. 90 Prozent der Auenwälder – die Regenwälder Europas, was die Artenvielfalt angeht – sind verschwunden.» Revitalisierter Flussabschnitt am Limmatspitz bei Gebenstorf (Kanton Aargau).
«Gestohlenes Wasser»
Den Aufruf «Befreit unsere Flüsse!» richtet Pro Natura vor allem an die Kraftwerkbetreiber: «In ihrem Streben nach mehr Gewinn drehen Schweizer Stromproduzenten vielen Fliessgewässern den Hahn komplett zu. Bachabschnitte werden zwischen Wasserentnahme- und rückgabestelle – auf der sogenannten Restwasserstrecke – regelrecht trockengelegt, obwohl das Gewässerschutzgesetz dies seit 1992 verbietet.» Das Schweizer Stimmvolk habe damals mit klarer Mehrheit gegen die Gewinnmaximierung der Kraftwerke auf Kosten der Natur gestimmt: «Ein Rest Wasser muss im Bach bleiben, damit Tiere und Pflanzen das erhalten, was für den Menschen Luft zum Atmen ist: Wasser.» Mit wenigen Ausnahmen sei dies der Wasserkraftlobby jedoch egal: «Dabei würde das Ablassen vom gesetzlich vorgeschriebenen Minimum an Restwasser nicht mehr als rund zehn Prozent des verteilbaren Gewinns der Wasserkraftindustrie ausmachen.» «Mehr Raum den Flüssen!»
Pro Natura fordere die Kantone und Gemeinden auf, für den naturnahen Hochwasserschutz mit mehr Raum für die Flüsse mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, verlautet im weiteren: «Zwei Fliegen mit einem Klatsch: Mehr Hochwassersicherheit für den Menschen und befreite Flüsse für die Artenvielfalt.» Die Naturschutzorganisation fordere nicht nur viel. Sie leiste ihren Beitrag – mit Schaufel und Bagger, zum Beispiel in schweizweit rund 50 Flussrenaturierungsprojekten, die den Fliessgewässern wieder mehr Raum zum Fliessen eröffneten und das lebensfeindliche Betonkorsett lockerten.
Pro Natura werde sich während ihrer Kampagne «Befreit unsere Flüsse!» für die Natur und die dem Stimmvolk geschuldete Sanierung einsetzen. Wasserkraft lasse sich durchaus mit Rücksicht auf die Natur nutzen: «Pro Natura rät den Konsumenten, umweltverträglichen Strom zu kaufen, der den ökologischen Qualitätskriterien von ‹naturemade star› entspricht.» |