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Die Tellspiele Interlaken erwarten den zweimillionsten Besucher

Die Premiere der Tell-Freilichtspiele Interlaken ist dieses Jahr auf 22. Juni angesetzt. In der neuen Spielsaison wird der zweimillionste Besucher erwartet. Während einer Saison wird bis Anfang September an 21 Abenden und an einem Sonntagnachmittag gespielt.

Der Rütlischwur der alten Eidgenossen gegen Habsburg. Die Männer von Uri, Schwyz und Unterwalden von 1291. (Archivbilder Dora Schmid-Zürcher)

pd/bns. Die Spieldauer beträgt nach Angaben der Tell-Freilichtspiele Interlaken etwas mehr als zwei Stunden von 20.00 bis zirka 22.15 Uhr. Bei trockenem Wetter beginnt ab 18.00  Uhr ein mittelalterliches Vorprogramm «Tellwelt».

Die Inszenierung 2006
Unter einer Neuinszenierung versteht Tellspielregisseurin Monika Wild, ein Werk von einer ganz anderen Seite zu betrachten und neue Schwerpunkte zu setzen. So steht nun das seit 2004 alljährlich stattfindende Vorprogramm mit seinem fröhlich bunten, mittelalterlichen Markttreiben in krassem Gegensatz zur unterdrückten Stimmung des Volkes in der diesjährigen Aufführung. Die neue Inszenierung will dem Zuschauer das Gefühl der Härte des Lebens in jener Zeit, das Gefühl der Unterdrückung, Erniedrigung und Ohnmacht als Untertanen der Vögte vermitteln, gleichzeitig aber auch die Entschlossenheit des kleinen Schweizervolkes, sich gegen äusseren Druck und Ungerechtigkeit aufzulehnen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und sich seine Vorstellung von Freiheit zu erkämpfen.

Regisseurin Monika Wild und der Theaterkomponist Dany Nussbaumer.

Die Individualität tritt in den Hintergrund und macht einem gemeinsamen Entschluss für Veränderungen Platz. Zusammen sind wir stark! Sprechchöre, zusammengesetzt aus Vertretern des Volkes zusammen mit bewusst eingesetzten Sprechrollen, wie Berta, Hedwig, Gertrud oder gar Tell selber sowie Stauffacher, Fürst und Melchtal, unterstreichen und intensivieren diese Absicht. Mit Schillers Originaltexten verleihen sie den Szenen, die in einem knappen, umgänglichen Deutsch abgefasst sind, ihre Wichtigkeit und versetzen das Geschehen ins 13. Jahrhundert zurück. Es stehen nicht nur die einzelnen Schicksale im Mittelpunkt, sondern die Probleme eines ganzen Volkes. Die Wut springt im Verlaufe des Stückes auf den Zuschauer über. Wir schwören alle gerne auf dem Rütli mit, um der Knechtschaft zu entkommen, und sind dankbar erlöst, am Schluss der Aufführung wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken zu können.

Musik neu arrangiert
Die Musik, vom Schweizer Theaterkomponisten Dany Nussbaumer komponiert und für die Neuinszenierung neu arrangiert, verbindet und untermalt dramatisch die einzelnen Szenen und Stimmungen und verleiht dem Stück auf emotioneller Ebene eine besondere Intensität. Natürlich nehmen auch die Monumentalbilder und Massenszenen sowie die zahlreichen Tiere, allen voran die prächtigen Pferde, auch in dieser Inszenierung traditionsgemäss einen grossen Stellenwert ein.

Für die nahezu 200 Mitwirkenden ist diese Neuinszenierung eine grosse Herausforderung. Über viele Jahre liebgewonnene, Gesten und Ausdrücke müssen über Bord geworfen werden. Die Sprechrollen haben eine Menge von neuen Texten zu lernen, die zwar zum Teil den alten ähnlich und doch anders sind. Sie wurden vereinfacht und auf deren Inhalt komprimiert. Dadurch bekommt das schauspielerische, dramatische Spiel der Laiendarsteller, die persönliche Ausdruckskraft des Einzelnen, mehr Gewicht. Der Zuschauer soll durch die Intensität der Darstellung in die Szenen hineingezogen werden.

Schiller begrüsst uns nicht mehr persönlich. Seinen Part übernehmen die bereits genannten Sprechchöre. Die schillerschen Zwischentexte sind anspruchsvoll und erfordern viel Übung, sollen sie doch, im Chor gesprochen, verständlich und zugleich ausdrucksstark zum Publikum hinüber gebracht werden. Somit stand dieses Jahr für die für diesen Part Auserlesenen die sprechtechnische Ausbildung im Vordergrund.

Seit dem Jahr 1912
Seit über 90 Jahren wird in Interlaken Friedrich Schillers Tell gespielt. Am 19. Mai 1912 ging die erste Aufführung am gleichen Standort wie heute in Matten bei Interlaken über die Bühne. Wegen den beiden Weltkriegen wurden die Spiele von 1915 bis 1930 und von 1940 bis 1946 unterbrochen. Am 13. Juli 1995 feierten die Tellspiele Interlaken ihre 1000. Vorstellung. In diesem Jahr beginnen die Tellspiele ihre Spielsaison mit der 1230. Vorstellung und mit Spannung wird der zweimillionste Zuschauer erwartet. Wohl kaum hat in der Schweiz eine Theaterproduktion mit dem gleichen Stück und erst noch am gleichen Spielort solche Erfolge feiern können.

Schauspielerinnen und Schauspieler
Die rund 150 Laienschauspieler sind vorwiegend Leute aus der Region. Einige kommen aber auch von weiter her, zum Beispiel von Thun, Bern, Zweisimmen und aus beiden Lütschinentälern. Alle Sprechrollen sind doppelt besetzt. Einige Mitspieler haben bereits mehr als 900 Aufführungen hinter sich. Alle Spieler erhalten eine einheitliche Entschädigung pro Aufführung, ob Statist oder Sprechrollenträger. Tell, Gessler und die drei Eidgenossen Stauffacher, Fürst und Melchtal kommen pro Jahr auf über 40 Proben. Viele der Spieler stehen gleichzeitig im Vorprogramm «Tellwelt» auf der Bühne, was zusätzliche Probenarbeit bedeutet. Die Proben beginnen jeweils im Februar.

Tiere sind ein Muss in Interlaken
Ein kompletter Alpabzug mit Kühen, hie und da sogar begleitet von einem Muni, Ziegen, Esel, und natürlich die über 20 Pferde geben den Interlakner Freilichtspielen die unverkennbare und einmalige Ausstrahlungskraft.

Bühne
Die Freilichtbühne liegt in einer herrlichen Waldlichtung und gehört zu den grössten Bühnenanlagen Europas dieser Art. Die verschiedenen Häusergruppen, verbunden mit natürlich angelegten Wegen und dem grossen Dorfplatz von Altdorf im Zentrum, lassen eine grosszügige Spielweise zu und bieten den Reitern und ihren Pferden viel Raum um in vollem Tempo durch die Szenen zu reiten. Sicher zum eindrücklichsten Erlebnis wird der Alpabzug mit seinen Kühen und Geissen. Alle Bauten sind massiv gebaut, werden laufend unterhalten und erneuert. Hinter der Bühne verbirgt sich modernste Bühnentechnik, versehen mit elektronischer Beleuchtungs- und Tonanlage. Vier Personen bedienen die Anlage und halten diese laufend auf dem neusten Stand.

Gedeckte Zuschauertribüne
Die gedeckte Tribüne bietet rund 2200 Sitzplätze. Dank den geschützten Zuschauerplätzen ist es möglich, an jedem Spieldatum zu spielen. Nass werden nur die Schauspieler. Dadurch entfällt der nervenaufreibende Entscheidungsprozess vor den Aufführungen, kann gespielt werden oder nicht und die Zuschauer können ohne Blick aufs Wetter die Reise nach Interlaken antreten. Die Zuschauerzahlen bewegten sich in den letzten Jahren zwischen 30 000 und 38 000 Personen pro Spielsaison. Eine stolze Zahl, wenn man berücksichtigt, wie viele neue Freilichttheater in den letzten Jahren entstanden sind.

Kostüme
Der Verein verfügt seit einigen Jahren zum grössten Teil über eigene und stilgetreue Kostüme. Diese werden Winter für Winter durch unsere Schneiderinnen restauriert und ergänzt. Eine grosse Arbeit, wenn man bedenkt, dass bis zu 150 Darsteller eine gutsitzende Garderobe erwarten.

Schülervorstellungen
Für Schulen werden besonders gekennzeichnete «Schüleraufführungen» angeboten, welche sich aber in keiner Art und Weise von den übrigen Vorstellungen unterscheiden.

Bänkelsänger im Vorprogramm.

Vorprogramm «Mittelalterliche Tellwelt»

Zu Ehren der Uraufführung vor 200 Jahren wurde auf die Spielsaison 2004 hin – siehe auch Tellspiele Interlaken im Zeichen von 200 Jahren «Wilhelm Tell» vom Dienstag, 30. März 2004 – erstmals eine «Tellwelt» inszeniert. Das Ziel war, all den Besuchern, welche vor dem Spiel an einer Führung hinter die Kulissen teilnahmen, die freie Zeit vor der Aufführung auf amüsante Weise zu vertreiben. Der Applaus war den Tellspielern sicher. Das Vorprogramm wurde so zum festen Programmpunkt und wird auch in diesem Jahr über die Bühne gehen. In einem mittelalterlichen Markt werden an den vielen Ständen altes Handwerk gezeigt und Speisen und Getränke feilgeboten. Zur Unterhaltung und Belehrung treten an verschiedenen Schauplätzen Gaukler, fahrende Händler, Bänkelsänger, Geschichtenerzähler und viele mittelalterliche Figuren und Musikanten in Aktion. Auf die kleinen Gäste wartet eine Puppenbühne. Daneben gilt es bei vielen alten Kinderspielen Geschick und Können einzusetzen. Das bunte mittelalterliche Treiben beginnt bei trockener Witterung jeweils um 18.00 Uhr.

Weitere Informationen
Die Spieldaten 2006 und weitere Informationen –  unter anderem über Pauschalangebote mit Übernachtungen und Tagesausflüge kombiniert mit einem Tellspielabend – sind unter tellspiele.ch zu finden. So bieten die Tellspiele neu ein Kombiarrangement zusammen mit der Schynige-Platte-Bahn für Gruppen ab zehn Personen an. In Zusammenarbeit mit der BLS-Schiffahrt werden attraktive Ausflugsarrangements auf dem Thuner- und dem Brienzersee für Einzelgäste und Gruppen angeboten. – Mit der Bahn zu den Tellspielen: Seit der letzten Spielsaison werden für alle Spieldaten und Plätze Kombitickets ab allen Bahnhöfen der Schweiz zu Sonderbedingungen angeboten. Bestellungen können unter 0900 300 300 bequem erledigt werden. – Die Preise für einen gedeckten Tribünenplatz bewegen sich zwischen 26 und 48 Franken. Kinder erhalten in Begleitung Erwachsener 50 Prozent Rabatt in allen Kategorien – ein familienfreundliches Angebot. Für kleinere Kinder wird ein Gratiskinderhütedienst angeboten. – Billettbestellungen auch online: In diesem Jahr wird ein neues Online-Bestellsystem aufgeschaltet. Bequem können die Tickets über www.tellspiele.ch gebucht und daheim ausgedruckt werden. Weiterhin nimmt das Tellspielbüro Interlaken telefonische und schriftliche Bestellungen entgegen. Wer eine persönliche Beratung vorzieht, kann das Tellspielbüro am Höheweg 37 in Interlaken aufsuchen. Das Tellbüro ist während der Spielzeit von 8.00 bis 12.00 Uhr und von 13.30 bis 17.00 Uhr offen. Am Aufführungstag können zudem Billette ab 18.00 Uhr direkt an der Abendkasse im Tellspielareal bezogen werden. Plätze sind bei den meisten Vorstellungen noch vorhanden.


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