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Thun-Süd: Einkaufszentrum und hohe Kosten führten zum Nein

Das integrierte Einkaufszentrum und die hohen Gesamtkosten sind offenbar die Hauptgründe für die Ablehnung des Projekts für ein Sportzentrum Thun-Süd in der Abstimmung vom 12. Februar 2006 durch die Thuner Stimmberechtigten.

sth/bns. Aus den Ergebnissen einer als repräsentativ bezeichnete Umfrage der Gesellschaft für praktische Sozialforschung Bern (gfs.bern) wird geschlossen, dass eine Variante ohne Einkaufszentrum zwar bei Gegnern wie Befürwortern der damaligen Vorlage Anklang fände, aber im Moment genau so wenig mehrheitsfähig wäre wie eine rein private Finanzierung, ein anderes Areal oder die Sanierung des alten Lachenstadions. «Um den Mangel an Trainingsfeldern im Breitensport rasch zu beheben, setzt der Gemeinderat vorerst auf Sofortmassnahmen», heisst es in einer Medienmitteilung: «Diese sollen nach einer Klausursitzung und nach einem weiteren Informationsaustausch mit diversen Beteiligten eingeleitet werden.»

Eine im Auftrag der Stadt Thun durchgeführte Erhebung der «gfs.bern» unter 1017 stimmberechtigten Thunern, wovon 600, die am Urnengang vom 12. Februar über das Sportzentrum Thun-Süd mit Fussballstadion teilgenommen hatten, zeigt laut Medienmitteilung: «Einer Mehrheit derjenigen, die Nein stimmten, war das Vorhaben zu teuer, eine weitere Mehrheit der Ablehnenden war gegen das integrierte, privat finanzierte Einkaufszentrum.» Selbst unter den Befürwortern finde sich eine gewichtige Gruppe, welche die Kosten als zu hoch beurteile und das Einkaufszentrum ablehne: «Die einzige Gruppe, die der Vorlage in ihrer Mehrheit zustimmte, waren die eigentlichen FC-Thun-Fans beziehungsweise die regelmässigen Besucher von Heimspielen des FC Thun.» Bei keiner anderen Gruppierung habe sich eine Mehrheit gefunden, die dem Sportzentrum zustimmte. Auch habe sich keine politische Sympathiegruppe finden lassen, die es mehrheitlich befürwortet habe.

«Standort fand hohe Akzeptanz»
Gegner und Befürworter seien sich vor allem in einem recht einig gewesen, verlautet im weiteren: «Sie fanden, das geplante Sportzentrum sei am richtigen Ort – bei der Autobahnausfahrt Thun-Süd – vorgesehen.» Eine hohe Übereinstimmung zwischen Gegnern und Befürwortern habe sich auch in der Ablehnung des Einkaufszentrums und in der Ansicht gefunden, die öffentliche Hand könne sich das Stadion nicht leisten: «Gute Akzeptanz fand dennoch die Einschätzung, es brauche ein modernes Fussballstadion.»

Keine klaren Mehrheiten für eine Alternative
Die Antworten auf die Frage, welche anderen Lösungen denn vorgezogen worden wären, zeigten laut Medienmitteilung keine klare Mehrheit für eine Variante: «Weder ein Projekt ohne Einkaufszentrum noch eine Finanzierung durch Private oder ein anderer Standort oder die Sanierung des alten Stadions im Lachenquartier fanden mehr als einen Fünftel bis einen Viertel Zustimmung.»

«Mehrheit fühlte sich subjektiv sehr gut informiert»
Für den Gemeinderat von grossem Interesse sei auch die Doppelaussage, dass sich die Bevölkerung in ihrer Mehrheit einerseits subjektiv sehr gut informiert gefühlt, andererseits jedoch die Vorlage auf den Neubau eines Stadions sowie das integrierte Einkaufszentrum reduziert habe. «gfs.bern» spreche in ihrem Bericht von einer «Zuspitzung auf einige wenige und umstrittene Elemente» und von einem «freizügigen Umgang mit der dahinterstehenden Gesamtkomplexität». Die Vorlage sei «gleichzeitig alltäglich und emotional besetzt» gewesen. Der Gemeinderat habe erkannt, dass die Gesamtplanung für das Sportzentrum in Thun-Süd wohl zu komplex gewesen sei und daher oft auch von Sachkundigen nur schwer habe überblickt und verstanden werden können: «Künftige Vorlagen an den Souverän sollen daher wenn immer möglich einfacher strukturiert und einfacher zu verstehen sein.»

«Nur bedingt zusätzliche Orientierung»
«Die starke Aufsplitterung der Anhänger verschiedener Ersatzlösungen zeigt, dass die vom Gemeinderat ursprünglich nicht gewünschte und durch den Stadtrat in Auftrag gegebene Erhebung nur bedingt zusätzliche Orientierung liefert», wird im weiteren ausgeführt. Klar werde auch, dass keine der von der Gegnerschaft vorgeschlagenen Alternativlösungen in der Bevölkerung eine Mehrheit gefunden hätte: «Deshalb erachtet der Gemeinderat den bereits vor der Umfrage eingeschlagenen Weg, mit allen Beteiligten und Betroffenen nach raschen, pragmatischen Ersatzlösungen zu suchen, als zielführend.» Ein Informationsaustausch mit Gegnern und Befürwortern habe bereits stattgefunden. An der zweitägigen Klausursitzung des Gemeinderates am Donnerstag und Freitag dieser Woche soll ein weiterer Austausch mit dem FC Thun und dem FC Dürrenast, anderen Sportvereinen sowie der Stadiongenossenschaft als heutigem Besitzer des Lachenstadions stattfinden: «Im Anschluss daran werden Gemeinderat und Verwaltung mögliche Sofortmassnahmen prüfen und die langfristige Sportstättenplanung in Angriff nehmen; über die nächsten Schritte wird der Gemeinderat am 9. Mai in einem Communiqué orientieren.»

Umfrage verlangt
Am 12. Februar dieses Jahres – siehe auch Projekt Sportzentrum in Thun-Süd klar abgelehnt vom – hätten die Thuner die Vorlage für ein Sportzentrum in Thun-Süd mit 63 Prozent Nein-Stimmen klar abgelehnt, wird in der Medienmitteilung erinnert: «Sie verwarfen damit eine Gesamtplanung, die bei der Autobahnausfahrt Thun-Süd den Bau eines neuen Fussballstadions mit 10 000 Plätzen, von vier Rasenspielfeldern und einer Leichtathletikanlage mit Tribüne vorsah. Darin integriert werden sollte ein rein privat finanziertes Einkaufszentrum. Wäre die Vorlage angenommen worden, wäre das alte Lachenstadion am See später abgebrochen und das Areal für Wohnbauten genutzt worden. Insgesamt wollten Stadt- und Gemeinderat 55 Millionen Franken investieren, wovon vier Fünftel durch Landabtausch und Landverkäufe finanziert werden sollten.» Zwei Monate nach dem Urnengang habe der Stadtrat ein Postulat überwiesen, das eine repräsentative Umfrage zu den Gründen der Ablehnung verlangte.


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