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Thun: Sofortmassnahmen für Kunstrasen-Spielfelder

Nach dem Nein zum Sportzentrum Thun-Süd ergreift der Thuner Gemeinderat Sofortmassnahmen, um dem Mangel an Rasenspielfeldern für den Breitensport zu begegnen: Im Lachengebiet und im Raum Burgerweg soll geprüft werden, ob kurzfristig Kunstrasen in zwei bis drei bestehende Spielfelder eingebaut werden kann. Dem Stadtrat soll ein Rahmenkredit von 3,6 Millionen Franken beantragt werden.

sth/bns. Für die längerfristige Planung soll zusammen mit den Sportvereinen ein neues Sportstättenkonzept ausgearbeitet werden. Bei der Finanzierung eines neuen Fussballstadions werden Private stärker gefordert sein.

Die seit Jahren fehlenden Rasenspielfelder für den Nachwuchs- und den Breitensport waren neben dem veralteten Lachenstadion der Hauptanstoss für das Projekt eines Sportzentrums beim Autobahnanschluss in Thun-Süd. Nach der deutlichen Ablehnung durch das Volk am 12. Februar dieses Jahres hat der Thuner Gemeinderat auf der Suche nach raschen und einfachen Ersatzlösungen für Rasenspielfelder mit allen Beteiligten Gespräche geführt: Ende April mit den damaligen Befürwortern und Gegnern. An seiner jährlichen Klausursitzung Anfang Mai auf dem Diemtigbergli hat der Gemeinderat das weitere Vorgehen im Bereich Rasenspielfelder mit dem FC Thun, dem FC Dürrenast, dem Handballklub Wacker Thun, Sport Thun, der Leichtathletikvereinigung Thun sowie mit der Genossenschaft Stadion Lachen und Kunsteisbahn Thun festgelegt. Dabei stehen beleuchtete und umzäunte Kunstrasenfelder im Zentrum der Sofortmassnahmen, da solche Anlagen bei jedem Wetter und grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit benutzt werden können. Sie erlauben somit eine wesentlich höhere Nutzung und intensivere Belegung als Naturrasenfelder.

Das Tiefbauamt wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Stadion-Genossenschaft, dem Planungsamt und dem Sportamt Sofortmassnahmen für den Einbau von Kunststoffrasen in zwei bis drei bestehende Plätze im Lachengebiet und am Burgerweg (Trainingsplätze des FC Rotschwarz) auszuarbeiten. Die Kunstrasenfelder sollen in ihren Abmessungen die Normen der 1. Fussball-Liga erfüllen. Gemäss einer Grobkostenschätzung wird der Einbau von (maximal) drei Kunstrasenfeldern inklusive Umzäunung, Beleuchtung und weitere Infrastrukturen etwa 3,6 Millionen Franken kosten. Dieser Betrag soll dem Stadtrat spätestens im nächsten Herbst in der Form eines Rahmenkredites beantragt werden. Die neuen Felder sollen möglichst ab 2007 zur Verfügung stehen. An weiteren Standorten wird der Bau von Naturrasenfeldern – wenn möglich mit Beleuchtung – geprüft. Deren Finanzierung wird von Fall zu Fall beantragt.

Sportstättenkonzept für langfristige Planung
Bei den Sofortmassnahmen soll es jedoch nicht bleiben. Für die mittel- und langfristige Planung soll wenn möglich bis Ende 2007 ein neues Sportstättenkonzept vorgelegt werden, nachdem dasjenige von 1980 in fast allen Teilen umgesetzt ist. Das Konzept soll eine detaillierte Übersicht über die künftige Nachfrage nach Anlagen für den Breitensport und die Nachwuchsförderung liefern. Daher soll es in enger Zusammenarbeit mit den Sportvereinen entstehen.

Fussballstadion: Eng mit Privaten zusammen

Anders als beim Breitensport will der Gemeinderat im Bereich Spitzensport die Privatwirtschaft stärker zum Zug kommen lassen. Er will die Realisierung eines neuen Fussballstadions so weit möglich Privaten überlassen. Dies ist nicht zuletzt eine Folgerung aus der repräsentativen Umfrage von gfs.bern, die letzte Woche präsentiert wurde. Sie zeigte, dass die hohen Kosten für die öffentliche Hand in der Bevölkerung zu den stärksten Argumenten gegen das Sportzentrum Thun-Süd gezählt hatten. Im Vordergrund stehen deshalb künftig Partnerschaften mit Privaten (Public Private Partnership), in deren Rahmen die finanzielle Beteiligung der Stadt beim Bau und beim Betrieb eines Stadions klar begrenzt werden kann.

Zunächst will der Gemeinderat die Anforderungen der Swiss Football League (SFL) mit Städten in ähnlichen Situationen diskutieren und hinterfragen. Auf Initiative der Direktion Bildung und Entwicklung findet am 17. Mai mit Vertretern der Städte Aarau, Biel, Luzern, Schaffhausen, Winterthur und Yverdon in Thun eine Tagung statt. Ziel ist es, eine gemeinsame Haltung gegenüber der SFL zu finden. Erst wenn Klarheit über die Anforderungen und die Rahmenbedingungen besteht, kann die Rolle der Stadt, ihr finanzielles Engagement und die Standortfrage entschieden werden.

Projektideen privater Investoren werden künftig von einem Beurteilungsgremium aus externen und internen Experten sowie Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderates nach einem einfachen und klaren Kriterienkatalog geprüft, bevor entschieden wird, ob sie weiter verfolgt werden können. Neben den Bedürfnissen der Sportwelt werden städtebauliche Kriterien, aber auch die maximale Höhe des Stadtanteils bei Realisierung und Betrieb wie auch die Art der Finanzierung wichtige Kriterien sein. Bekanntlich hat die Marazzi AG bereits ihr früheres Projekt für ein neues Stadion und weitere Überbauungen im Lachengebiet wieder zur Diskussion gestellt. Auch Ideen anderer Planer liegen vor. Diese und andere, bereits bekannte Projekte werden möglichst bald von einem noch zu bestimmenden Beurteilungsgremium geprüft. Noch einmal geprüft werden sollen Standorte auf dem Waffenplatzareal der Eidgenossenschaft. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) beziehungsweise das Bundesamt für Sport hat sich nach der Abstimmung vom 12. Februar gesprächsbereit gezeigt. Gemeinderätin Ursula Haller wird entsprechende Kontakte aufnehmen oder weiterführen.

Gemäss Vorgabe SFV/SFL muss bis spätestens am 1. März 2008 (Termin für die Lizenzeingabe Saison 2008/2009) ein Baugesuch für einen Stadionneubau oder Umbau eingereicht sein, ansonsten wird voraussichtlich für das Stadion Lachen für die Saison 2008/2009 keine neue provisorische Bewilligung zur Austragung von Spielen der Super- League erteilt werden.

Stadtbildstudie, Legislaturziele und Treffen mit dem Gemeinderat von Diemtigen

Dem Thema Sofortmassnahmen bei den Sport-Infrastrukturen widmete der Thuner Gemeinderat rund einen Tag seiner traditionellen zweitägigen Klausursitzung auf dem Diemtigbärgli. Im weiteren befasste er sich mit einem Gutachten des Raumplaners Matthias Wehrlin, Wünnewil, zum Thuner Stadtbild. Wehrlin lieferte Hinweise zur langfristigen räumlichen Stadtentwicklung. Dabei ging es unter anderem um die äusserlich erkennbare Identität der Stadt Thun und das Gesamtbild, Akzente im Stadtbild, die Bedeutung des öffentlichen Raumes oder Kunst im öffentlichen Raum. Bereits während der Ausarbeitung dieser Studie flossen Erkenntnisse in aktuelle Projekte ein. Der Lichtplan Innenstadt mit der Beleuchtung des Rathausplatzes und die Selve-Planung etwa profitierten inhaltlich von dieser Studie.

Ebenfalls Thema der Klausursitzung waren die Legislaturziele 2007 bis 2010. Sie werden jeweils durch den Gemeinderat erarbeitet und durch den Stadtrat beschlossen. Der Gemeinderat diskutierte noch keine Inhalte, sondern die Art und die Detailliertheit, wie Legislaturziele grundsätzlich formuliert werden sollen, sowie den Ablauf bei der Behandlung durch das Parlament.

Am Abend des ersten Tages empfing der Thuner Gemeinderat die Kollegen des Gemeinderates von Diemtigen zu einem Nachtessen. Seit über 30 Jahren findet die Klausur der Thuner Stadtregierung im Restaurant Bergli in Diemtigen statt. Und während des August-Hochwassers 2005 ergab sich eine besonders enge Zusammenarbeit, als die Thuner den Diemtigern täglich 10 bis 15 Zivilschutzleute und Angehörige von Einsatzprogrammen zur Verfügung stellten.


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