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| Augenschein beim Niveauübergang Bahnhofstrasse. Von links nach rechts: Andres Grossniklaus, Gemeindepräsident Matten, Ernst Vögeli Vizegemeindepräsident Unterseen, Peter Flück, Präsident der Vereinigung der Gemeindepräsidenten Oberland Ost und Gemeindepräsident Brienz, Jean-Pierre Kipfer, Abteilungsleiter Bau BLS, Urs Graf, Gemeindepräsident Interlaken, Mathias Tromp, Vorsitzender der Geschäftsleitung BLS und Simon Margot, Gemeindepräsident Unterseen. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
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Interlaken West: Entflechtung von Schiene und Strasse
Anstelle einer ursprünglich erwogenen umfassenderen Lösung mit Kosten von zirka 35 Millionen Franken soll bis Ende des Jahres 2009 eine auf 20 Millionen Franken abgespeckte Variante für eine Verlängerung der Perrons im Bahnhof Interlaken West auf 420 Meter und eine damit verbundene ganze beziehungsweise teilweise Aufhebung der Niveauübergänge «Straubhaar» und «Bahnhofstrasse» realisiert werden.
DiePerrons im Bahnhof Interlaken West sollen auf IC- und ICE-taugliche 420 Meter verlängert werden.
ds/bns. Im vorliegenden Projekt würden der Niveauübergang «Straubhaar» durch eine Unterführung ersetzt und – mit Berücksichtigung des Orts- und Verkehrsrichtplans der Gemeinde Interlakender – der Niveauübergang Bahnhofstrasse für den motorisierten Individualverkehr geschlossen, verlautete am Montag an einer Medienorientierung der BLS Lötschbergbahn AG und der drei Bödeligemeinden Interlaken, Matten und Unterseen: «Damit kann die Perronverlängerung auf 420 Meter sichergestellt, die Verkehrssicherheit durch die Aufhebung von Bahnübergängen erhöht, die Rückstaubildung vermieden und die Erschliessung des Gebietes Fabrikstrasse mindestens in der heutigen Qualität aufrechterhalten werden.» Die Abwicklung des internationalen und nationalen Bahnfernverkehrs – Direktzüge aus Berlin, Hamburg, Zürich Flughafen und so weiter – bedinge zwingend den Ausbau der Perrons in Interlaken West auf 420 Meter Länge. Heute werde ein vom Bundesamt für Verkehr (BAV) bis ins Jahr 2007 befristetes Provisorium betrieben: «Falls keine dauerhafte Lösung zur Verlängerung der Perrons geplant und realisiert würde, wäre der Halt der langen Fernverkehrszüge nach Ablauf des Provisoriums nicht mehr möglich.» Als Konsequenz daraus würden diese Züge nicht mehr nach Interlaken geführt, das heisst Fahrgäste mit Ziel Tourismusregion Interlaken müssten in Bern auf kürzere Züge umsteigen: «Damit verbunden wäre ein beträchtlicher Schaden für die internationale Tourismusdestination Interlaken.» Andere Tourismusdestinationen (Wallis, Luzern und so weiter) beneideten heute Interlaken um seinen Fernverkehrsanschluss und würden diese Rolle jederzeit gerne übernehmen. Die für die Infrastrukturanlagen des Bahnbetriebes in Interlaken verantwortliche BLS Lötschbergbahn AG – die SBB lassen auf dieser Infrastruktur ihre Züge fahren – sehen die Bedeutung für den Bahnhof Interlaken West in zirka 5000 Ein- und Aussteigern pro Tag und in der Umsteigebeziehung zum Schiff.
Mathias Tromp, Vorsitzender der BLS-Geschäftsleitung.
BLS: «Perronverlängerung auf 420 Meter zwingend und dringend erforderlich»
Der Bahnhof Interlaken West liege heute mit einer auf 360 Meter begrenzten Perronlänge «eingeklemmt» zwischen den beiden Niveauübergängen Bahnhofstrasse und Straubhaar. Um den Halt von internationalen und nationalen Fernverkehrszügen zukünftig weiterhin sicherzustellen, sei eine Perronverlängerung auf 420 Meter zwingend und dringend erforderlich. Namentlich wurde unter anderem darauf hingewiesen, bei Intercity- und Intercityexpresszügen mit einer Länge von mehr als 360 Meter müssten Reisende auf einem provisorisch erstellten Perron aussteigen; dieser Perron sei vom Bundesamt für Verkehr auf drei Jahre bis Ende 2007 befristet worden: «Die Sicherheit beim Aussteigen von Reisenden im hinteren Zugsteil ist nicht gewährleistet.» Zugskreuzungen in Interlaken West: Mit dem Halbstundentakt ab Dezember 2004 habe sich die Situation noch verschärft und die Barrieren der Niveauübergänge Bahnhofstrasse und Straubhaar blieben länger geschlossen.
Jede Stunde bleiben die Barrieren beim Bahnhof Interlaken West während 13,5 Minuten geschlossen. Urs Graf, Gemeindepräsident von Interlaken: «Nicht mehr tolerierbar!» Bereits vor über zehn Jahren hatten sich die Wartezeiten auf täglich drei Stunden addiert. (Archivbild Peter Schmid)
Über den Niveauübergang Bahnhofstrasse führe eine regionale Verbindungsstrasse vom nördlichen Thunerseeufer, Beatenberg und Habkern nach Interlaken mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehr von rund 9000 Fahrzeugen sowie mit öffentlichem Verkehr (Postauto, Verkehrsbetriebe Steffisburg – Thun – Interlaken STI und Taxi) wurde an der Medienorientierung im weiteren erinnert. Die Bahnhofstrasse sei gleichzeitig eine wichtige lokale Verbindung zwischen Interlaken und Unterseen, insbesondere auch für den Fuss- und Veloverkehr: «Die langen Barrierenschliesszeiten führen seit Jahren zu langen Rückstaus vor den Schranken; mit der Einführung des Fahrplans «Bahn 2000 1. Etappe» im Dezember 2004 hat sich die Rückstausituation noch verschärft.» Den Bahnübergang Straubhaar ersatzlos zu schliessen und so das Perron zu verlängern, komme aus verkehrstechnischen Gründen nicht in Frage. Der Niveauübergang Straubhaar diene der Erschliessung der Industrie- und Gewerbezone westlich der Bahnlinie (Fabrikstrasse). Neben verschiedenen bestehenden Nutzungen soll hier das Areal HG Commercial neu genutzt werden: «Die heutige Erschliessungsqualität dieses Gebietes muss aufrechterhalten bleiben.» Nach dem Wegzug der HG Commercial nach Interlaken Ost werde das Gebiet für eine Neuüberbauung frei und somit könnten die Investoren an einer Unterführung beteiligt werden.
Kurzbeschrieb des Projektes
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Der Bahnübergang Straubhaar wird aufgehoben. Damit kann das Perron auf 420 Metger verlängert werden. |
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Der Bahnübergang Bahnhofstrasse wird für den motorisierten Individualverkehr geschlossen, bleibt aber für Velo-, Fuss- und öffentlichen Verkehr nach wie vor benutzbar. |
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Die aufgehobenen Bahnübergänge werden durch eine neue Unterführung im Bereich Güterex/Heimwehfluhbahn ersetzt. Die rückwärtige Erschliessung der Fabrikstrasse Richtung Süden wird mit einer parallel zur Unterführungsrampe verlaufenden Erschliessungsstrasse ermöglicht. |
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Die Unterführung wird mit einem neuen Kreisel Güterex/Heimwehfluhbahn an die bestehende Kantonsstrasse Därligen – Interlaken – Matten (Därligenstrasse – Waldeggstrasse) angebunden. |
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Die bestehende heute zirka vier bis viereinhalb Meter breite Fabrikstrasse (Erschliessungsstrasse) wird zur 6,7 Meter breiten Hauptverkehrsstrasse ausgebaut und direkt entlang dem Bahngleis geführt. |
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Die Parkierung auf der Westseite des Bahnhofs wird neu organisiert: Für die direkte Erreichbarkeit des Bahnhofs aus Unterseen werden hier eine Vorfahrt sowie Kurzzeit- und P+R-Parkplätze betrieben. Die heute bestehenden Senkrechtparkplätze entlang des Bahnperrons werden neu längs angeordnet. Der bestehende Carparkplatz wird zu einer Vorfahrt für den Ein-/Ausstieg der Carfahrgäste umfunktioniert, der neue Carparkplatz wird aus dem Siedlungszentrum ausgelagert. Als Ersatzstandort wurde das Areal beim Gemeindewerkhof an der Waldeggstrasse festgelegt.
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Terminplan |
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Planungsstart 18. März 2004. |
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Plangenehmigungsverfahren (PGV) beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht am 27. März 2006. Zurzeit findet die Vollständigkeitsprüfung beim BAV statt. Anschliessend können die Gemeinden Stellung dazu nehmen und das Projekt wird im Juni in den Gemeinden Interlaken, Unterseen und Matten aufliegen. |
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Vollständigkeitsprüfung abgeschlossen (18 Monate und 1 Monat Einsprachefrist) Herbst 2007. |
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Zustimmung Verwaltungsrat BLS Lötschbergbahn AG Herbst 2007. |
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Am 26. November 2006 werden in Unterseen und Interlaken an der Urne und in Matten an der Altjahresgemeinde über die Finanzierung abgestimmt, |
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Gemeindeversammlungen Region / Agglomeration Herbst 2006. |
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Landerwerbsverhandlungen Frühjahr 2006. |
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Ausführungsprojekt Herbst 2007. |
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Spatenstich Sommer/Herbst 2008. |
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Ausführung ab Sommer/Herbst 2008 bis Ende 2009 |
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Inbetriebnahme Ende 2009. |
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Perronverlängerung / Aufhebung Niveauübergang Straubhaar Mitte 2009. |
(Plan zvg)
Als beste Lösung beurteilt
«Aufgrund einer Bewertung mit den Kriterien Verkehr, Siedlung und Umwelt sowie Kosten wurde die vorliegende Lösung als Bestvariante beurteilt», hiess es an der Medienorientierung: Sie sei die einzige Lösung, welche die Hauptziele Perronverlängerung, Sicherstellung der internationalen Zugsverbindungen ins Berner Oberland Ost, Aufhebung von bestehenden Bahnübergängen und Vermeidung der Verkehrsbehinderungen am Bahnübergang Bahnhofstrasse mit vertretbarem Aufwand erfülle. Eine ursprünglich weitergehende und umfassendere Lösung mit Kosten von zirka 35 Millionen Franken sei auf das absolut minimal Erforderliche und somit auf Gesamtkosten von 20 Millionen Franken reduziert worden. Davon würden 13 Millionen durch den öffentlichen Verkehr wie folgt finanziert (10 Millionen Franken durch das Bundesamt für Verkehr (BAV), 2 Millionen Franken durch den Kanton Bern und 1 Million Franken durch die BLS Lötschbergbahn AG); die restlichen 7 Millionen Franken entfiele auf die Region. Eigentlich handelt es sich nach Einschätzung der BLS um ein Strassenprojekt, aber die Bahn sei der Verursacher, deshalb würden auch 13 Millionen Franken aus Eisenbahnmitteln beigesteuert. Zusätzlich stelle die BLS 6000 Quadratmeter Boden für das Projekt zur Verfügung.
Variantenevaluation
Die vorliegende Lösung sei aufgrund einer umfassenden Variantenevaluation mit Einbezug der Gemeinden Interlaken, Matten, Unterseen, der BLS, der SBB, des Kantons Bern, der IG Velo und einer Anliegervertretung entwickelt worden, wurde im weiteren dargelegt. Im Rahmen dieser Evaluation seien zahlreiche weitere Varianten diskutiert und untersucht worden: |
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Aufhebung oder Verschiebung des Bahnüberganges Straubhaar. |
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Diverse Standorte für Unter- oder Überführungen oder neue Niveauübergänge: Bahnhofstrasse/Bahnhofplatz, zwischen Bahnhof und bestehendem Niveauübergang Straubhaar, Bereich Güterex, beim bestehenden Niveauübergang «Lütscheren» und so weiter. |
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Tieflage oder Halbtieflage der Bahn inklusive Aufhebung des Bahnhofs Interlaken West und Tunnel durch den Rugen (Kosten: über 300 Millionen Franken). |
| Die einzelnen Punkte bei der Variantenevaluation und Projektdefinition (2004 bis 2006): |
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Perimeter: Untersucht wurden Lösungen zwischen den Niveauübergängen Lütscheren bis Niveauübergang Bahnhofstrasse. |
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Mitwirkung: Zum Projekt Entflechtung Schiene Strasse (ESS) Interlaken West wurde vom 9. Juni bis 11. Juli 2005 die öffentliche Mitwirkung durchgeführt. Insgesamt sind bei den Gemeinden Interlaken, Matten und Unterseen 85 schriftliche Eingaben eingegangen. Davon stehen 81 Prozent hinter dem Projekt. |
Peter Flück, Präsident der Vereinigung der Gemeindepräsidenten Oberland Ost und Gemeindepräsident von Brienz wies erfreut darauf hin, dass dies das erste gemeinsame Projekt der vor zwei Jahren gegründeten Gemeindepräsidentenvereinigung sei. Alle Gemeindepräsidenten im Oberland Ost seien der Meinung, dass dieses Projekt für die ganze Region sehr wichtig sei und sich deshalb auch alle Gemeinden der Region daran beteiligen müssten. Nachdem ein Verteilschlüssel ausgearbeitet worden sei, hätten bereits die Gemeinden Saxeten, Niederried und Oberried ihre Zusage gemacht. Für Unterseen rechnet Gemeindepräsident Simon Margot mit Kosten von mindestens 2 Millionen Franken. Margot und sein Interlakner Amtskollege Urs Graf bezeichneten es an der Medienorientierung als einmalige, nie wiederkehrende Chance, mit Unterstützung der Bahn eine Lösung zu finden. Man müsse dieses Projekt auch für die nächsten Generationen realisieren. Damit der Verkehr später nicht auf die Achse Spielmatte / Marktgasse ausweiche, sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die darauf achte, dass diese Achse nicht attraktiv für die Autofahrer sei. |
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