Die neben dem bestehenden Gebäude ausgesteckten Profile für den Erweiterungsbau. (Bilder Dora Schmid-Zürcher). ds/pvr. Ein erstes Budget habe gezeigt, dass der für an die vier Millionen Franken geplante Erweiterungsbau bereits bei einer Belegung von zirka 55 bis 60 Prozent verzinst und amortisiert werden könne, verlautete am Freitag an einer Medienorientierung: «In der Backpackers Villa ist die Nachfrage zurzeit so gross, dass ein Neubau während den drei bis vier Sommermonaten ohne grössere zusätzliche Marketinganstrengungen mit Einzelgästen belegt werden könnte.» Im Herbst, Winter und Frühling bestünden zusätzliche Möglichkeiten mit Gruppen (zum Beispiel Jugend- und Familienferienwochen von Kirchgemeinden, Trainingslager von Sportklubs und so weiter), für welche heute nur in sehr beschränktem Masse Räumlichkeiten zur Verfügung stünden.
Von links nach rechts: Cathrin Quirin, Stellvertreterin Backpackers Villa Sonnenhof, David Bühler Leiter Backpackers Villa Sonnenhof, Markus Hafner, Zentrumsleiter Artos und Architekt Martin Althaus vom Interlakner Architekturbüro L2A.
Trend zur Low-Budget Hotellerie
Verschiedene Tourismusprofis und Studien (zum Beispiel Guglielmo Brentel, Präsident Hotellerie Suisse im Referat am Schweizer Ferientag 2006 oder die Studie «Cheap and Chic» von Grischconsulta) gingen davon aus, dass das Wachstum in der Schweizer Hotellerie im Top-Bereich (5-Sterne, Wellness und so weiter) sowie in der Low-Budget-Hotellerie stattfinden werde: «Zudem stellt Schweiz Tourismus einen starken Trend zu Rundreisen fest – was natürlich unsere Backpacker schon lange tun.» Schweiz Tourismus bewerbe nun sehr intensiv drei Rundreisevorschläge (drei, fünf und zehn Tage). Bemerkenswert dabei sei, dass Interlaken auf allen drei Touren ein fixer Etappenort sei. Die eben von der Tourismusorganisation Interlaken publizierte USP-Studie – siehe auch Tourismusdestination Interlaken – quo vadis? vom Donnerstag 30. November 2006 – erkenne sogar den Adventure- und Backpacker-Bereich als Top-USP und nenne als Ziel für diesen Bereich eine Steigerung um rund 100 000 Logiernächte (zirka plus 50 Prozent).
Ein Haus mit Geschichte
Das Haus Sonnenhof sei vor bald 200 Jahren neben dem heutigen Grand-Hotel Victoria-Jungfrau als «Chalet de la Jungfrau» erstellt worden, wird in einer Mediendokumentation erinnert. Um das Jahr 1880 sei das Haus an den heutigen Standort auf die Südseite der Höhematte gezügelt worden, wo es unter den Namen «Pension Ruheland», «Meadow Lodge» und «Hotel Quisisana» viele Kurgäste beherbergt habe. Von 1932 bis 1996 habe das Haus als «Altersheim Sonnenhof» gedient. Seit 1960 gehöre die Liegenschaft dem Verein Zentrum Artos: «Mit dem Altersheimneubau an der Alpenstrasse 45 wurde die Liegenschaft Sonnenhof frei und eine Spurgruppe gelangte zum Schluss, dass die Liegenschaft ideal geeignet sei als Jugendhotel.» Der Verein Zentrum Artos habe ein solches aber nicht selber betreiben wollten und sei deshalb an Dynamis Link, das damalige Jugendwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche gelangt. So sei eine Projektgruppe entstanden, die ein Betriebskonzept erstellte und die Trägerschaft aufbaute.
Die Villa unter den Herbergen
«Im Mai 1998 kehrte mit der «Backpackers Villa» neues Leben im Sonnenhof ein», geht aus der Dokumentation im weiteren: hervor: «Der Verein Backpackers Villa Sonnenhof startete einen Herbergsbetrieb für junge Reisende aus aller Welt, die sich etwas mehr gönnen wollen.» Das Ziel sei gewesen, sich mit einem Angebot zwischen den bestehenden Herbergen und günstigen Hotels zu etablieren: «Hohe Qualität auf tiefem Preisniveau war die Devise.» Deshalb sei die Backpackers Villa auch einer der ersten Betriebe gewesen, welcher die Qualitätsoffensive von Schweiz Tourismus unterstützt habe. Im Januar 1999 sei der Betrieb mit dem ersten «Q» und im Februar 2002 mit dem «doppelten Q» ausgezeichnet worden: «Die vielen positiven Feedbacks und eine überdurchschnittliche Belegung in den letzten Jahren zeigen, dass die Marktlücke gefunden wurde.»
Drei Zielgruppen: Backpacker, Familien und Gleitschirmpiloten
Heute spreche der Betrieb drei Zielgruppen an, verlautete im weiteren: Neben den klassischen Backpacker-Gästen fänden immer mehr Familien und Gleitschirmpiloten den Weg in den Sonnenhof: «Familien schätzen speziell die günstigen Vier- bis Sechsbettzimmer sowie auch die Möglichkeit, in der Gästeküche selber zu kochen.» Die Gleitschirmpiloten besuchten meist einen Kurs bei Kari Eisenhuts Paragliding-Schule «Chill Out». Diese Zusammenarbeit habe sich sehr bewährt, so dass im Erweiterungsbau auch entsprechende Räumlichkeiten für «Chill Out» vorgesehen seien: «Die ausländischen Gäste kommen zu je einem Viertel aus Nordamerika, Asien und Europa und zirka 15 Prozent sind Schweizer; die restlichen 10 Prozent verteilen sich auf Australien, Südamerika und Afrika.»
Umweltpreis
Im Leitbild werde festgehalten, dass die «Bewahrung der Schöpfung» ein Anliegen sei, wird im weiteren erinnert. Dazu gehörten faire Anstellungsbedingungen, konsequente Abfalltrennung, lokal gerösteter Kaffee zum Frühstück und seit drei Jahren auch der Bezug von 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraft. Dieses ganzheitliche Engagement sei im Dezember 2002 von der Grünen Freien Liste mit dem Umweltpreis ausgezeichnet worden: «Für den geplanten Erweiterungsbaus wird der Minergie-Standard angestrebt.»
Weiterentwicklung
An einer Retraite im Jahr 2005 habe sich der Vorstand der Backpackers Villa Sonnenhof dem Thema der Weiterentwicklung gewidmet, ist der Dokumentation im weiteren zu entnehmen: «Im Raum standen drei Optionen – Status quo / Entwicklung vor Ort / Entwicklung extern.» Dabei sei der Vorstand eindeutig zum Schluss gekommen, dass eine Entwicklung vor Ort anzustreben sei. In den letzten Monaten habe eine Projektgruppe zusammen mit dem Interlakner Architekturbüro L2A (Beatrice Lengacher Althaus und Martin Althaus, Architekten FH) eine Machbarkeitsstudie für eine Betriebserweiterung erstellt: «Ziele waren die Verdoppelung der Bettenkapazität, zusätzliche Räume für Gruppen, Raum für «Chill Out Paragliding» (welche heute in den provisorischen Containern untergebracht sind) sowie Wohnraum für Personal und Leitung. Auf der Basis dieser Studie sei das in der jüngsten Ausgabe des Amtsanzeigers publizierte Baugesuch entstanden.
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