ds/bns. Der Gläubigerausschuss setzt sich wie folgt zusammen: Von der Generalbau Unternehmung AG Unterseen (GBU), Peter Bratschi, von der Migrosbank Andreas Ganz, von der Gemeinde Matten Andreas Grossniklaus, als Vertreter verschiedener Lieferanten Franco Lorandi und von der Stiftung Bildung,Wissenschaft, Tourismus des Mysteryparks (BWT) Heinz Berger.
Sachwalter Kurt Stöckli an der Gläubigerversammlung.
Der weitere Ablauf der Nachlassstundung sieht vor, dass die Gläubiger die Möglichkeit haben, bis zum 18. Dezember ihre Zustimmung zum Nachlassvertrag einzureichen.
Die Abstimmung über den Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung findet laut Bericht der Transliq AG auf dem schriftlichen Weg statt. Nach der Gläubigerversammlung werde zuhanden des Nachlassrichters der Sachwalterbericht erstellt. Anschliessend werde der Nachlassrichter zur Verhandlung vorladen, an welcher er prüfe, ob der Nachlassvertrag bestätigt werden könne. Im Falle der Bestätigung des Nachlassvertrages werde an der Gerichtsverhandlung die Liquidationsphase eröffnet. Im Falle einer Nichtbestätigung des Nachlassvertrages erhielten die Gläubiger 20 Tage Zeit, die Konkurseröffnung zu verlangen: «Die Gläubiger werden über die Entwicklung des Nachlassverfahrens durch die gesetzlich vorgesehenen Publikationen orientiert.» Bis zum heutigen Tag sollen dem Nachlassvertrag 82 Kopfstimmen mit einem Kapital von 1,4 Millionen Franken zugestimmt haben. Für die Annahme des Nachlassvertrages wäre eine Zustimmung nach Quorum I erforderlich, das heisst rund 140 Gläubiger mit einer Kapitalforderung von 16,8 Millionen Franken müssten zustimmen oder mit Quorum II bräuchte es die Zustimmung von drei Viertel aller Forderungen (18,9 Millionen Franken) bei 70 Gläubigern.
Neue Kaufinteressenten
In der Zwischenzeit soll sich ein halbes Dutzend neuer Interessenten gemeldet haben, um den am 19. November 2006 bis auf weiteres geschlossenen Park zu kaufen. Die Verhandlungen seien im Gange, erläuterte Sachwalter Kurt Stöckli an der Gläubigerversammlung.
«Chropflärete»
Peter Bratschi bezeichnete den heutigen Tag für Oskar Schärz als traurigen Tag und hielt zugleich auch eine Medienschelte bereit: Die Schwierigkeiten, denen der Mysterypark begegnet sei, seien herumgeredet oder herumgeschrieben worden. Nach dem gestrigen Urteil des Bundesgerichts, wonach Ringier verurteilt wurde, dem Vater von Patty Schnyder Schadenersatz beziehungsweise einen Teil des durch tendenziöse Berichterstattung erwirkten Gewinns auszubezahlen, empfahl Bratschi dem Liquidator sich zu überlegen, ob gegenüber der Sonntagszeitung, die nur negative Berichte veröffentlicht habe, ähnliche Forderungen zu stellen seien.
Oskar Schärz zeigte sich nach wie vor überzeugt, dass der Mysterypark für die Zukunft der Region eine hervorragende Bedeutung hat. Der Park sei seit der Eröffnung von einer Million Menschen besucht worden und habe einen Umsatz von 60 Millionen Franken generiert. Der Rückgang der Besucherzahlen der letzten zwei Jahre sei im wesentlichen darauf zurückzuführen, dass das Geld für das Marketing gefehlt habe sowie weil Events und Gruppenbesuche fast gänzlich ausgefallen seien: «Das Geld fehlte, weil es zum Rückkauf von Wandelobligationen verwendet wurde.» Eine Führungskrise, die durch eine ungerechtfertigte Verleumdungskampagne gegen den damaligen Geschäftsführer ausgelöst worden sei, habe erstmals am Image des Mysteryparks genagt. Im vorletzten Herbst seien wegen dem Hochwasser gewaltige Einnahmenausfälle zu verzeichnen gewesen. Dies sei auch mitverantwortlich für den heutigen Zustand. Schärz zeigte sich nach wie vor von der Anlage überzeugt. Da ein allfälliger Käufer sich kaum vorstellen könne, wie man den Park wieder zum Florieren bringen könnte, habe er eine Präsentation über den bisherigen Stand, zukünftige Projekte, aber auch einige Ideen die der Region dienen könnte. Er hoffe zuversichtlich dass sich jemand finden werde, der gewillt sei, den Mysterypark wieder zu «Flügeln» zu verhelfen. Er verglich den Park mit den Jungfraubahnen – auch diese hätten anfänglich nicht den erwarteten Erfolg gehabt. Es sei schade um das verlorene Geld, aber richtig verloren sei das Geld erst, wenn nichts Vernünftiges aus dieser einmaligen Anlage gemacht werde.
Zahlen überprüfen?
Achilles Handschin appellierte an den Gläubigerausschuss, einige Zahlen zu überprüfen. So seien vom ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Beträge aus dem Zylinder gezaubert worden, welche in den Verwaltungsratsprotokollen nicht vermerkt seien und es sei auch nicht darüber abgestimmt worden. Gemäss Aussage und Bekräftigung des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten seien alle Rechnung der GBU, der HTI und der Sintro von Sachverständigen geprüft und als richtig befunden worden, jedoch seien nur gerade elf Rechnungen geprüft worden. Die Sonderausstellung «Unsolved Mysteries» sei durch Schärz vorbereitet und ausgeführt worden und der Verwaltungsrat habe aufgrund der vorgelegten Zahlen zugestimmt. Leider habe sich im Nachhinein herausgestellt, dass das Zahlenmaterial nicht stimmte. Deshalb stelle sich Handschin die Frage, ob immer korrekt informiert worden sei. Dies seien nur einige Probleme, es gebe noch andere, welche auch durch den Gläubigerausschuss geklärt werden müssten. Ob es sich dabei um strafrechtliche Tatbestände handle und den Gläubigern dadurch Vermögen entzogen worden sei, müsse auch beantwortet werden, damit eventuelle Schadenersatzforderungen eingeklagt werden könnten.
Oskar Schärz sagte, er sei sehr froh das alles überprüft werde; ein Mitarbeiter von Peter Bratschi, Simon Schneider, bezeichnete die Vorwürfe als ungeheuerlich und man sehe der Prüfung gelassen entgegen.
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