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Interlaken: Steinbock Alf nach einem Jahr Freiheit zurück im Gehege

Ein Jahr lang war der siebenjährige Steinbock Alf am Harder oberhalb von Interlaken unterwegs. Jetzt kehrte er freiwillig wieder «nach Hause» zurück: Vor einer Woche stand er plötzlich am Eingang zum Alpenwildpark Harder und begehrte Einlass.

Vor Freude fast den Schlag getroffen: Tierpfleger Alfred Tschabold nimmt den siebenjährigen Alf gerne wieder als Bewohner in den Gehegen des Alpenwildparkes auf. (Bild Bruno Petroni)

Es ist genau ein Jahr her: Beat, der zehnjährige König des Steinbockrudels am Alpenwildpark Harder in Interlaken zeigte sich in seiner Brunftzeit so egoistisch und machthaberisch, dass er all seine männlichen Mitbewohner zum oberen Rand des Geheges trieb, um mit seinen «Damen» allein zu sein. Tierpfleger Alfred Tschabold erzählt: «Dabei verfing sich unser damals sechsjähriger Alf mit seinem grossen Geweih im Maschenzaun. Beim Versuch, sich zu lösen, zerriss er mit seiner Wucht den Zaun.» Und weiter: «Vierzehn Tiere machten sich in der Folge durch das entstandene Loch aus dem Staub. Während wir zehn davon noch gleichentags wieder in den Park locken konnten, blieb das Schicksal von vier Böcken zunächst ungewiss.»
Bruno Petroni, Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Dem ersten dieser vier Flüchtlinge verleidete es schon nach wenigen Tagen, und er schlüpfte durch das Loch im Maschenzaun wieder ins Gehege zurück. Einen seiner Kollegen sichtete Alfred Tschabold kurze Zeit später oberhalb Habkern: «Dä isch aber nümme ume – wahrscheinlich ist der in irgendeiner Pfanne gelandet», mutmasst der langjährige Tierpfleger. Ein weiteres Tier hält sich noch heute im Ried oberhalb Goldswil auf.

Wanderer verängstigt
Und Alf? «Den konnte ich mit dem Fernglas immer wieder unterhalb des Hardermannlis und am Guggenschopf oben entdecken», sagt Tschabold. Mehrmals habe das mächtige Tier sogar Wanderern Angst eingeflösst und sogar Meldungen bei der Polizei ausgelöst.

Bestand wieder komplett

Letzten Freitagnachmittag war es dann soweit. Tschabold: «Plötzlich kam Alf den Waldweg heruntergezottelt, begab sich zum Eingang des Geheges und begehrte Einlass. Mich hat vor Freude fast der Schlag getroffen.» Und der siebenjährige Steinbock schien sich in der einjährigen Freiheit bestens durchgeschlagen zu haben, verlor er doch nichts von seinen stämmigen siebzig Kilo Gewicht. Und so kommt der Verein Alpenwildpark Harder kurz vor Weihnachten auf wundersame Weise wieder zu seinem «alten» Bestand von 17 Tieren.

Fast tausend Böcke und Geissen im Berner Oberland
Bereits im Jahr 1913 begann der Alpenwildpark Harder als zweiter der Schweiz mit der Aufzucht von reinblütigen Steinböcken. Erste Versuche gab es ab dem Jahr 1906 im Wildpark Peter und Paul in St. Gallen. Entsprechend wurde in diesem Jahr «100 Jahre Steinbock Schweiz» gefeiert. Landesweit halten sich heute rund 15 000 Steinböcke in der Freiheit auf, 991 davon verteilt auf dreizehn Kolonien im Berner Oberland. Die grösste Kolonie mit 172 Tieren befindet sich am Schwarzmönch. Aber auch die grossflächige Region Brienzer Rothorn und Augstmatthorn beheimatet 252 Steinböcke und –geissen. «Was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass sich der Steinwildbestand der noch jungen Kolonie Spillgerten-Diemtigtal in neuester Zeit auf zwanzig Stück verdoppelt hat», sagt der kantonale Jagdinspektor Peter Jüsy. In der Schweiz werden jährlich etwa tausend Tiere erlegt, im Berner Oberland vierzig bis fünfzig. Diese Abschüsse richten sich allerdings nach strengen Vorschriften des Bundes.
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