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Entscheid über Thuner Drogenanlaufstelle noch offen

30 bis 40 Personen aus Thun und der Region benutzen regelmässig die Berner Anlaufstelle für Drogenabhängige, 30 würden ein entsprechendes Angebot in Thun nutzen. Dies ergab eine durch die Stadt Thun und den Kanton finanzierte Bedarfsanalyse. Sie bestätigt laut einer Medienmitteilung weitgehend die bisherigen Annahmen: «Ob Thun ebenfalls eine Anlaufstelle anbieten soll, ist noch offen.»

sth/bns. Der Bericht bestätige den bereits angenommenen Bedarf von etwa 40 Personen für eine Anlaufstelle in Thun, verlautet im einzelnen. Diese Zahl werde allein durch Besucher aus der Region Thun erreicht: «Der Gemeinderat wird nach Kenntnisnahme der Ergebnisse und unter Einbezug sämtlicher sozial- und finanzpolitischer Aspekte an einer seiner nächsten Sitzungen über das weitere Vorgehen entscheiden. Falls er das Projekt weiter verfolgen würde, müsste auch der Stadtrat darüber befinden. Zudem müsste erneut geklärt werden, ob der Kanton bereit ist, die Thuner Anlaufstelle gleich wie diejenige in der Stadt Bern über den Lastenausgleich zu finanzieren.»

Wie viele Drogenabhängige aus Thun und Umgebung besuchen die Kontakt- und Anlaufstelle in Bern? Und würden die Drogenkranken ein entsprechendes Angebot in Thun nutzen? Um diese Fragen zu klären, hat der Thuner Gemeinderat eine Erhebung vornehmen lassen. Der Bericht einer externen Beratungsfirma liegt nun vor und kommt zum Schluss, dass mit 30 bis 40 regelmässigen Besuchern der Anlaufstelle in Bern der Bedarf nach einer Anlaufstelle in Thun ausgewiesen ist.

Mit der Aktion «Marathon» habe der Gemeinderat im Sommer 2005 auf Klagen aus der Bevölkerung reagiert und mit Hilfe der Polizei dafür gesorgt, dass die Drogenszene den hinteren Teil des Mühleplatzes in der Thuner Innenstadt verliess, wird in der Medienmitteilung erinnert: «Sehr rasch wurde ersichtlich, dass die Aktion einen Rückzug der Drogenszene in den Privatbereich und zum Teil in andere Örtlichkeiten der Stadt bewirkte, und dass sich der gesundheitliche Zustand der Betroffenen verschlechterte.» Bereits beim Start der Aktion «Marathon» sei beabsichtigt gewesen, zugunsten der betroffenen Suchtkranken flankierende Massnahmen zu ergreifen: «Welche genau es sein sollen, ist zurzeit noch offen.»

In Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle «Contact» Thun-Oberland wurde laut der Medienmitteilung ein Projekt für eine Kontakt- und Anlaufstelle erarbeitet: «Entgegen den Anträgen der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern entschied der Regierungsrat, statt der vollen Betriebskosten von jährlich rund 730 000 Franken lediglich während zunächst zwei Jahren einen Beitrag von jährlich 500 000 Franken zu bezahlen.» Dies, obwohl die Kontakt- und Anlaufstelle in der Stadt Bern über die Lastenverteilung nach Sozialhilfegesetz finanziert und die Stadt Thun dadurch indirekt ebenfalls an diesen Kosten beteiligt werde: Diese Ungleichbehandlung sei in Thun auf wenig Verständnis gestossen. Da zudem die in Bern erhobenen Zahlen stark interpretationsbedürftig gewesen seien, sei vorerst eine Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben worden: «Im Auftrag der Stadt Thun hat die Beratungsfirma ‹Mundi Consulting› mittels Befragung von 43 Personen aus der Thuner Drogenszene und von 11 Experten (Polizei, Suchtfachstellen, Sozialdienste, Jugendarbeit) die Nutzung der Berner Kontakt- und Anlaufstelle (K+A) den Bedarf nach einer K+A in Thun sowie Angaben zur Herkunft und zur Motivation der Betroffenen erhoben.» Fazit der Analyse:
–  Als Folge der Polizeiaktion «Marathon» ist die offene Szene verschwunden, und es hat sich eine verdeckte Szene gebildet, die auf 60 bis 80 Personen geschätzt wird.
–  Konsum und Handel finden weitgehend in Privaträumen in Thun sowie in der Stadt Bern statt.
–  Von den 43 Interviewpartnern sind 29 (67 Prozent) regelmässig in Bern. Davon besuchen 23 (80 Prozent) drei bis vier Mal pro Woche oder häufiger die Anlaufstelle. Diese ist der wichtigste Treffpunkt der Thuner Abhängigen in Bern.
–  Die Gesamtschau aller Befragungen ergibt, dass 30 bis 40  Personen aus der Region Thun regelmässig nach Bern fahren und die Anlaufstelle Bern täglich von 15 bis 20 Personen aus der Region Thun besucht wird.
–  30 der 43 Befragten (70 Prozent) sagen, sie würden eine K+A in Thun besuchen. Dabei handelt es sich praktisch ausschliesslich um Konsumenten von illegalen Drogen mit Wohnsitz in der Region Thun.
–  Aus Sicht der befragten Drogenkonsumenten wäre bei der Realisierung einer Anlaufstelle in Thun wichtig, dass der Standort nicht zu zentral, aber dennoch gut erreichbar wäre, der Kleinhandel (der sog. Ameisendeal) in der unmittelbaren Umgebung der Anlaufstelle zugelassen würde und innerhalb der K+A nicht gezielte polizeiliche Kontrollen durchgeführt würden.

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