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Berner Oberland News – 11. Jahrgang
Donnerstag 9. November 2006
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Beo-News in eigener Sache
Hundert Tage ein neues Leben mit fremder Lunge

Was zuletzt im Endstadium einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) – Rollstuhl und Sauerstoff rund um die Uhr inbegriffen – als eine vorerst kaum mehr lohnende Anschaffung erschien, ist am Mittwoch 8. November 2006 exakt hundert Tage nach der beidseitigen Lungentransplantation zur Tatsache geworden: Beo-News-Herausgeber Peter Schmid hat sich eine seit Jahren fällige Winterhose der leicht gehobenen Preisklasse geleistet.

Ringgenberg am 19. September 2006: Beo-News-Herausgeber Peter Schmid ohne Rollstuhl und Sauerstoff, dafür wieder mit Fotoapparat auf einem Spaziergang. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

pvr. Kleinere und grössere Rückschläge und Zwischenfälle nach der Ende Juli im Universitätsspital Zürich ausgeführten weitgehend komplikationsfrei verlaufenen achtstündigen Operation blieben allerdings nicht ganz aus. So musste der gut vier Wochen nach der Operation in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassene Patient schon zwei Tage später wegen eines fiesen «Käfers» noch zwei weitere Wochen stationär behandelt werden. Abgesehen davon ist der jüngste Kauf einer wasserabweisenden gefütterten Winterhose nur der vorläufig letzte Höhepunkt kleinerer und grösserer Erfolgserlebnisse – angefangen damit, dass Schmid schon kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose seit über zehn Jahren wieder einmal richtig durchatmen konnte.

Ein zufriedenes Team vier Wochen nach der Lungentransplantation. Von links nach rechts: Pneumologie-Koordinator Thomas Kurowski, Pneumologie-Oberarzt Sarosh Irani, Patient Peter Schmid und der Operateur PD Didier Lardinois, Leitender Arzt Thoraxchirurgie.

Ein paar Tage später konnte Schmid schon wieder mehr als gerade noch ein Dutzend Schritte machen und unter anderem Socken und Schuhe wieder selbständig anziehen. Und schon bald nach der zweiten Entlassung aus dem Spital war er wieder ausreichend fit dafür, neben ausgedehnteren Spaziergängen zuweilen auch eine kleine Fahrt mit dem Motorroller oder einen Ausflug etwa nach Alpiglen oberhalb von Grindelwald oder auf den Niesen zu unternehmen. Bemerkenswert auch, dass nur während einer relativ kurzen Zeit die Meldungen und Berichte in den Berner Oberland News spärlicher flossen – schon bald konnte Schmid bereits vom Spitalbett aus über einen analogen Internetzugang wieder Beiträge ins Netz stellen.

«Eklatanter Gewinn an Lebensqualität»
Dieser eklatante Gewinn an Lebensqualität muss aber auch weiterhin verdient werden – unter anderem mit zurzeit täglich etwa insgesamt anderthalb Stunden Inhalieren von Medikamenten gegen Viren und Pilzbefall sowie der lebenslangen Einnahme von Medikamenten gegen die Abstossung der transplantierten Lungen.

Schon im Verlauf der stationären Physiotherapie waren mit der neuen Lunge hervorragende Sauerstoffsättigungswerte des Blutes zu verzeichnen.

Dazu kommen physiotherapeutische Übungen sowie regelmässige Kontrolluntersuchungen in Zürich und einige Tage dauernde stationäre Bronchoskopien und Lavagen hinzu. Daneben muss kleineren und grössere Zwischenfälle wegen der stark erhöhten Infektionsgefahr gebührende Beachtung geschenkt werden. So kann der kleine oberflächliche Kratzer einer Katze ausreichend Grund dafür sein, dass «Zürich» zur Sicherheit Blutbild und CRP-Bestimmung durch den Hausarzt in Ringgenberg anordnet. Ebenfalls wegen der durch das heruntergefahrene Immunsystem beträchtlich erhöhten Infektionsgefahr empfiehlt es sich namentlich in der nahenden «Grippezeit» Menschenansammlungen oder überfüllte öffentliche Verkehrsmittel nach Möglichkeit zu meiden.

«Das ist eben die Schweiz»
Das schweizerische Gesundheitswesen hat selbstredend und auch nicht zu knapp seinen Preis. So kosteten allein Schmids Lungentransplantation und die Vorabklärungen dazu an die 200 000 Franken. Der Helikopterflug mit der Rettungsflugwacht von Ringgenberg nach Zürich am 30. Juli kostete genau 5180.50 Franken und auch die reinen Medikamentenkosten in den letzten drei Monaten im Betrag von rund 20 000 Franken sind dabei noch nicht einmal eingerechnet.

Vor der Lungentransplantation nicht mehr denkbar: Ein auf einem kleinen Rollerausflug in Oberried geschossenes Foto eines bis weit in den Herbst hinein reich mit Blumen geschmückten Hauses. (Bild Peter Schmid)

Dazu eine Episode, die einen Ideenanstoss in verschiedenen Richtungen vermitteln könnte. Allzu sparwütigen Gesundheits- und anderen womöglich etwas allzu rechtslastigen Politikern mit xenophoben Zügen (gällezi, Herr Blocher!) könnte dämmern, dass es glücklicherweise auch noch eine andere Schweiz gibt: Am fünften Tag nach der beidseitigen Lungentransplantation vom 31. Juli 2006 von der Intensivstation auf die normale Abteilung verlegt, waren sich Schmid und sein neuer Bettnachbar rasch einig. «Das ist eben die Schweiz», brachte es der 21jährige, drei Jahre zuvor im Universitätsspital Zürich nierentransplantierte und in den ersten Augusttagen dieses Jahres nach einem Unfall von der Rettungsflugwacht aus den Ferien repatriierte Fidon, ein Secondo mit kosovo-albanischen Wurzeln, auf den Punkt. Er war auf der Autobahn kurz vor dem Ablegen der Fähre in Bari nach Albanien unverschuldet in einen Unfall verwickelt worden, doch traten erst drei Tage später nach der Ankunft im Kosovo die Symptome einer lebensbedrohlichen Darmperforation auf. In knapp zwei Stunden wurde er mit einem Flächenflugzeug der Rettungsflugwacht von Priština nach Zürich-Kloten geflogen und unverzüglich im Universitätsspital operiert.
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