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Berner Oberland News – 11. Jahrgang
Montag 20. November 2006
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Eine wundervolle Mischung
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Ringgenberg-Goldswil am Brienzersee
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Netz gegen Kinderporno

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Rund dreieinhalb Jahre nach der Eröffnung hat der Mysterypark in Interlaken am Sonntagabend 19. November seine Tore bis auf weiteres geschlossen. (Bild Dora Schmid-Zürcher)
Die Glosse
Mysterypark geschlossen – und was jetzt?

Bruno Stanek, Autor von Weltraumbüchern und -software, hat im Hinblick auf die zumindest vorläufige Schliessung des Mysteryparks in Matten von gestern Sonntag auch beim Mysterypark fünf Projektphasen ausgemacht.

Bruno Stanek. (Archivbild Dora Schmid-Zürcher)

Zyniker sagen, jedes Projekt habe fünf Phasen: Begeisterung – Verwirrung – Suche der Schuldigen – Bestrafung der Unschuldigen – Auszeichnung der Nichtbeteiligten. Nicht anders beim Mysterypark.

Erstens: Begeisterung über die bewährte Idee, Gedanken zur Möglichkeit ausserirdischen Lebens medial zu vermarkten; Begeisterung über das Glück, Förderer im eigenen Lande zu haben und dazu einen tüchtigen Macher vor Ort mit eigenen Mitteln, der das Projekt in Rekordzeit für nur fünf Prozent der Kosten einer Schweizer Landesausstellung realisieren konnte – allein das schon eine helvetische Erstleistung! – Zweitens: Verwirrung darüber, dass Interlaken geografisch gar nicht so günstig liegt, dass Touristen ihr teures Billett auf umliegende Berge selbst bei Schlechtwetter nicht verfallen lassen wollen. Verwirrung aber auch, dass die Besucher hier nicht einfach ein Buch ungelesen auf ihr Büchergestell zurücklegen konnten. Sie mussten sich aktiv mit dem Gesehenen auseinander setzen! Ständig drohte die Gefahr von peinlichen Fragen, über die sie sich nie Gedanken gemacht hatten. «Ferien im All» ist zwar ein Dauerbrenner bei Interviews am Puls des Weltrauminteresses – aber Leben im All? Irgendein Nachdenklicher fragt zwar nach jedem Vortrag danach, aber für eine Massenbewegung ist das Thema vielleicht doch zu elitär. – Drittens: Suche der Schuldigen. Zunächst alle Skeptiker, die mit Rat und Tat darauf bestanden hatten, auch dieses avantgardistische Thema könnte durchaus seriös dargestellt werden. Sie sind von Anfang an die Spielverderber aller landläufigen Vorurteile gewesen, dieser «UFO-Park» (was er nie sein sollte) sei kein Thema, weil wir «sowieso» die Einzigen im All seien. – Viertens: Bestrafung der Unschuldigen, natürlich in der Reihenfolge ihrer Verdienste bei der Realisierung, angefangen bei den Ideengebern, Architekten, Künstlern und Handwerkern. Allen, welche geholfen hatten, das Unmögliche möglich zu machen in einem Lande, wo eher das Mögliche unmöglich gemacht wird. – Fünftens: Auszeichnung der Nichtbeteiligten, die bestenfalls Geld statt Geist beitragen konnten, das Projekt verzögert statt gefördert haben, von Anfang an nichts vom Projekt verstanden und trotzdem als Statisten etwas verdienen wollten. Bei uns, wo bald nur noch Geldwaschen als umweltfreundlich gilt. Hier, wo Arbeitsplätze gleichzeitig gefordert und verhindert werden dürfen, wurden die Bohnenzähler zu Tagessiegern.

Was jetzt? Stein für Stein abbauen und in einer weitsichtigeren Grossstadt wieder aufbauen? In Deutschland kaum, dort gibt es das milliardenteure Gegenstück, das seriös wissenschaftliche Space Center in Bremen. Der angeblich zu elitäre Zukunftspark kostete ein Dutzend Mal mehr als der unsubventionierte Mysterypark, hatte alle Unterstützung der dort ansässigen Raumfahrtindustrie, von Bund und Ländern – und wurde dennoch zum grössten Einzel-Flop der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Dabei hatte in Bremen sicher nicht ein «Phantast» das Konzept verdorben, schon gar nicht, weil man das Thema dort unter einem zu engen Blickwinkel gesehen hatte. Es sieht eher so aus, als ob ein gemeinsamer Faktor gewirkt hatte, den schon Aldous Huxley (1894 bis 1963) einmal formuliert hatte: «Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie aber wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.»
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