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September 2006
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Interlakner bestieg namenlosen Berg in Grönland

Der Interlakner Extremkletterer Roger Schäli hat in Grönland Neuland betreten: In unberechenbarer Natur und eingeschlossen von Eis und Wasser bestieg er einen namenlosen Berg. Dank Schäli hat dieser jetzt aber einen Namen.

Klettern im Schwierigkeitsgrad 7b/A2, hoch über den Fjorden von Ostgrönland: Der Interlakner Roger Schäli im Vorstieg zum Gipfel des namenlosen Berges, den er und seine Bergkameraden «Astanunnat» tauften. (Bilder zvg)

«Das war bisher meine eindrücklichste Reise»: Der 27jährige Extremkletterer Roger Schäli kehrte vor einigen Tagen von einer Expedition nach Grönland zurück. Dort hat er gemeinsam mit zwei Partnern, Christoph Hainz aus dem Südtirol und der Deutschen Andrea Fichtner eine 1295 Meter hohe, namenlose «Nadel» über eine 500 Meter hohe, senkrechte Wand als erster bezwungen. Da es nachts nur zwei Stunden finster war, konnte das Trio eine ganze Nacht die 16 Seillängen im Schwierigkeitsgrad 7b/A2 durchklettern und erreichte den Gipfel um die Mittagszeit.

Hinten Eis, vorne Wasser
Der 50 Kilometer nordwestlich von Tasiilaq am 66. Breitengrad liegende Berg ähnelt laut Schäli dem patagonischen Fitz Roy: «Es gibt dort praktisch keine Erschliessung. Und wenn man Pech hat, sitzt man bei Schlechtwetter tagelang fest. Das Klima ist sehr rau und lebensfeindlich. Man ist dort richtiggehend eingschlossen – hinten Eis und vorne Wasser. Vier Kilometer Luftlinie bedeuten in diesem unwegsamen Gelände einen Tagesmarsch. Und zu essen gibts dort gar rein nichts – ausser Fisch, Fisch und nochmals Fisch.»

Schönwetterfenster ausgenutzt zum Gipfelsturm: Nach der Erstbegehung über die Tartaruga-Route gaben sie dem Berg den Namen «Astanunnat»: Von links nach rechts Christoph Hainz, Roger Schäli und Andrea Fichtner.

Eintrag in die Bücher

Da bisher niemand dem von den drei bezwungenen Berg einen Namen gegeben hatte, durfte die Schäli-Expedition ihn taufen: Schäli und seine Freunde gaben ihm den Namen «Astanunnat». «Asta» steht für den Namen der viel zu jung verstorbenen Frau eines guten Bergfreundes, und «Nunnat» bedeutet in Grönland soviel wie «Erde». «Wir sind zurzeit dabei, den Namen offiziell beim Dänischen Alpenclub eintragen zu lassen», sagt Schäli. Und auch die bestiegene Route hatte der Interlakner bald einen Namen: «Sie heisst ‹Tartaruga›, auf Deutsch ‹Schildkröte›. Dies, weil der Granitfels in dieser Wand wirklich kompakt und griffig war.»

Wo die Einsamkeit wohnt
Das zu Dänemark gehörende Grönland liegt im atlantischen Ozean zwischen dem europäischen und dem kanadischen Festland und erstreckt sich über zwei Millionen Quadratkilometer.
Bruno Petroni, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Das ist fast sechsmal soviel wie Deutschland. Von den nur 56 800 Einwohnern bevölkert allein ein Viertel die Hauptstadt Nuuk (auch Godthab genannt). Die Wirtschaft lebt dort fast ausschliesslich vom Fischfang. Das Klima ist rauh. Auf vier sonnige Tage folgen im Durchschnitt 16 Regentage.

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