Der Gemeinderat werte die Mitteilung von Emmi als die schlimmste Nachricht aus der Thuner Wirtschaft seit der Schliessung der Metallwerke Selve und der Spar- und Leihkasse Thun, heisst es in der Medienmitteilung. Wohl hätten in der Zwischenzeit die Bundesbetriebe RUAG und Swisscom erheblich mehr Arbeitsplätze abgebaut, als es nun Emmi tue. Doch seien die diversen Restrukturierungsmassnahmen in keinem Fall mit einer vergleichbaren Tabula-Rasa-Lösung verbunden gewesen. Der einzig positive Aspekt, der sich mit ihr verbinde, bestehe in der Chance, das stadtnahe Areal der ehemaligen Gerberkäsefabrik dereinst in einer andern neuen Form zukunftsgerichtet weiterentwickeln zu können. Es bleibe zu hoffen, Emmi finde für die Liegenschaften ideenreiche und initiative Käufer: «Die Stadtbehörden sind bereit, allfällige Investoren bei der Realisierung interessanter Projekte tatkräftig zu unterstützen.»
Verlust von 160 Arbeitsplätzen
Der Luzerner Milchkonzern Emmi habe am Abend des 11. September 2006 die Thuner Stadtregierung über seinen Beschluss informiert, den Schmelzkäseproduktionsstandort Thun aufzugeben, verlautet im weiteren. Dies bedeute für den Wirtschaftsraum Thun, dass bis 2010 der Traditionsbetrieb Gerberkäse samt seinen 160 Arbeitsplätzen verschwinde: «Der Gemeinderat ist schockiert über diesen Schliessungsentscheid – auch deshalb, weil er ihm aus heiterem Himmel mitgeteilt wurde.»
Für günstige Entwicklungsmöglichkeiten eingesetzt
Seit der Übernahme der damaligen Gerberkäse AG durch Emmi im Februar 2002 habe zwar damit gerechnet werden müssen, dass Bewegung in die Landschaft der schweizerischen Schmelzkäsefabrikation, deren wichtigste Betriebe ab jenem Zeitpunkt alle unter dem Dach von Emmi vereinigt waren, kommen würde, heisst es im weiteren. Deshalb habe der Gemeinderat regelmässig Kontakte zur Konzernleitung in Luzern und zur neu gebildeten Emmi Fondue AG in Thun gepflegt: «Auch hat er sich für günstige Entwicklungsmöglichkeiten des Standorts Thun eingesetzt, indem er zum Beispiel gegen übertriebene denkmalpflegerische Auflagen ankämpfte; doch kamen von Unternehmensseite stets Signale, es gelte vorerst der status quo und bei sich abzeichnenden Änderungen werde rechtzeitig informiert.» Nunmehr seien die lokalen politischen Stellen – im Gegensatz zur offenbar seit einiger Zeit eingeweihten kantonalen Volkswirtschaftsdirektion – vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Begründet worden sei dies in der Orientierung am Montagabend mit dem Willen, einen Standortwettbewerb auf der Ebene von Gemeinden und Regionen zu vermeiden.
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