Donnerstag, 16. Mai 1996


Mit gebrauchten Offsetfolien

Volkshochschule Interlaken: Sonnendörrer selber gebaut

S. Rechtzeitig vor der kommenden Gemüse- und Obsternte haben fünf Teilnehmer am Kurs «Selbstbau von Sonnendörrern» der Volkshochschule Interlaken und Umgebung (VHI) in Ringgenberg an fünf Abenden in insgesamt zwölf Stunden je ein funktionstüchtiges Dörrgerät selber gebaut. In den Kurskosten von 90 Franken war das Material -- unter anderem wurden für die Kollektoren gebrauchte Offsetfolien geschwärzt -- inbegriffen.

Ein vergleichbares, im Handel erhältlicher Sonnendörrer kostet an die 300 Franken. Handwerkliche Vorkenntnisse waren nach Angaben des Ringgenberger Primarlehrers Alfred Wyss, der den Kurs leitete, nicht erforderlich. Trocknen sei die optimale Konsservierungsmethode: «Das von uns im Selbstbau hergestellte Dörrgerät ermöglicht energiefreundliches Trocknen von Gewürzen, Teekräutern, Obst, Früchten und anderem mehr.» Vitamine und Nährstoffe blieben durch die niedrige Trockentemperatur weitgehend erhalten: 100 Gramm Pfirsiche zum Beispiel enthielten getrocknet noch 81 Milligramm Kalzium gegenüber gerade noch 18 bei eingemachten beziehungsweise 1,8 Milligramm bei tiefgekühlten Früchten. Trockennahrung sei überdies jahrelang haltbar und brauche, derweil sie auf ein Sechstel bis ein Zehntel des ursprünglichen Volumens schrumpfe, nur wenig Lagerraum.

Ein Sonnentrockner besteht nach Angaben von Alfred Wyss zur Hauptsache aus einem Warmluftkollektor, in dem die unten einströmende Umgebungsluft von der absorbierten Sonnenstrahlung auf etwa 40 bis 50 Grad Celsius erwärmt und unter Ausnutzung des Kamineffekts durch die Dörrsiebe geleitet werde. Auch in unseren Breitengraden liessen sich mit Sonnentrocknern praktisch alle Nahrungsmittel über Jahre hinweg konservieren. Derweil bei den Eigenbauten handelsübliche Dörrsiebe aus Aluminium verwendet würden, könne das Dörrgut bei anhaltend allzu ungünstiger Witterung einfach auf einen elektrischen Dörrer umgestellt werden. Kürzere Phasen geringerer Sonneneinstrahlung wirkten sich bei einem Dörrgerät weniger stark aus als etwa bei einem Solarkocher. Beim Dörren schadeten auch mehrstündige Unterbrüche nicht.

Der Bau von Solardörrern stellt nach Einschätzung von Alfred Wyss eine mit bescheidenen Mitteln erzielte effiziente Nutzung der Sonnenergie dar. Wyss beabsichtigt, einen weiteren derartigen VHI-Kurs durchzuführen, allenfalls auch mit dem Bau von Sonnenkochern. Deren Betrieb sei allerdings etwas schwieriger: So müssten Sonnenkocher etwa jede Stunde neu gerichtet werden. Während Solardörrer annähernd den gleichen Funktionsumfang wie elektrisch betriebene Geräte hätten, müssten bei Solarkochern einige Einschränkungen gemacht werden: Weil der Siedepunkt nicht ganz erreicht erreicht werde, würden etwa Teigwaren schnell zu Brei.


Einer der in fünf VHI-Kursabenden in Ringgenberg gebauten, rund 120 Zentimeter hohen Solardörrer. (Foto: zvg)