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Montag, 23. August 2004
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Mitwirkung: Wie sollen sich Thun-Süd und Lachen entwickeln?

sth/bns. Ein Kongresshotel am Lachenkanal, Freizeit und Wohnen im Lachengebiet, Sport mit Fussballstadion, Leichtathletikanlagen und Trainingsfeldern sowie Einkaufen in Thun-Süd – diese drei Schlüsselvorhaben stellt der Thuner Gemeinderat zur Diskussion. Die öffentliche Mitwirkung dauert vom 26. August bis 30. September.

In dieser Zeit ist laut einer Medienmitteilung im Rathaus eine Ausstellung zu sehen: «An einer ‹Planbar› werden Gemeinderatsmitglieder und Fachleute Red und Antwort stehen.» Der «Stadtzytig› liege ein Flyer mit Antworttalon bei und auch über die Homepage www.thun.ch könnten Ideen und Anregungen eingereicht werden. Die Gesamtkosten des Sportzentrums inklusive Land und Finanzierungskosten werden aufgrund der Raumprogramme und Machbarkeitsstudien auf 50 Millionen Franken geschätzt.

Vordergründig scheine es unter dem Stichwort «Thun-Süd und Lachen» lediglich um den Ersatz des alten Fussballstadions im Lachen durch ein neues in Thun-Süd zu gehen. Doch dieser Prozess sei nur ein Auslöser für die Planung von drei Schlüsselvorhaben gewesen, die laut Medienmitteilung aus Sicht des Thuner Gemeinderates grosse Chancen für die Stadtentwicklung bieten:

• Am Standort des bisherigen Stadions eröffnen sich Möglichkeiten für Wohnungen, Erholung und Freizeit;

• darauf abgestimmt kann auf dem nahen Areal am Lachenkanal das seit Jahren dringend benötigte Kongresshotel gebaut werden;

• in Thun-Süd, dem Standort für ein neues Fussballstadion, können Trainingsfelder und Leichtathletikanlagen für den Breitensport realisiert werden;

• nach Beurteilung des Gemeinderates am besten in Kombination mit einem Einkaufszentrum, da diese Lösung die Finanzierung des Stadions erleichtert.

Über die grossen Schritte – Landabtausch und Baukredite – sollen die Thuner voraussichtlich nächstes Jahr die ersten Entscheide fällen können, heisst es im weiteren. Der Gemeinderat könne jedoch nur dann weiter planen, wenn er die Meinung der Bevölkerung kenne – «dies, nachdem der Aushandlungsprozess im vergangenen Winter – eine Art «Runder Tisch» mit betroffenen und interessierten Organisationen – erste wichtige Hinweise gegeben hatte». Vom 26. August bis 30. September finde nun die öffentliche Mitwirkung statt, an der Thuner eingeladen seien, ihre Meinungen und Ideen zu den Schlüsselvorhaben zu äussern. Diese Meinungsbildung erleichtern sollen ...

... eine Ausstellung in der Eingangshalle des Rathauses, geöffnet von Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr und von 13.45 bis 17 Uhr;

... Auskünfte an der «Plan-Bar» in der Eingangshalle des Rathauses, jeden Donnerstagabend von 18 bis 20 Uhr, mit Gemeinderäten, Fachleuten und künftigen Nutzern als Gesprächspartnern und Auskunftspersonen;

... die aktuelle Stadtzytig, Nummer 4/2004;

... ein der Stadtzytig beiliegender Faltprospekt mit den wichtigsten Angaben und einem Antworttalon;

... die Internetseite www.thun.ch auf der alle Informationen sowie ein Antwortformular zu finden sind.

Vorgeschichte und Hintergründe

Die Ausgangslage zu allen drei Schlüsselprojekten präsentiert sich laut einem an einer Medienorientierung abgegebenen «Faktenblatt» wie folgt:

Am 2. Juni 2002 hat die Thuner Bevölkerung den neuen Zonenplan und das neue Baureglement in einer Volksabstimmung deutlich angenommen. Davon waren die Areale Lachen und Thun-Süd ausgenommen mit dem Auftrag, diese separat zu planen.

Der Planungsprozess Thun-Süd/Lachen startete mit einer Ideensammlung des Thuner Tagblatts. Die Ideen wurden an einer Zukunftswerkstatt zum Gebiet Lachen ausgewertet.

Zu Thun-Süd beauftragten die Stadt und die Frutiger AG die spanischen Architekten Cruz und Ortis, eine Vision auszuarbeiten. Eine Machbarkeitsstudie von Rychener und Partner, Steffisburg, diente als Grundlage für die Landverhandlungen mit der Burgergemeinde Thun und die weitere Planung.

Im Dezember 2003 hat die Burgergemeindeversammlung Ja gesagt zum Landabtausch mit der Stadt Thun. Ende 2003 und Anfang 2004 wurden in Gesprächen am runden Tisch («Aushandlungsprozess») mit betroffenen und interessierten Organisationen aus den Bereichen Sport, Tourismus, Quartiere, Einkaufen und Wirtschaft die verschiedenen Standorte für das Stadion eingehend diskutiert. Empfohlen wurde, den Standort Thun-Süd weiterzuarbeiten und eine Lösung mit Einkauf und eine Alternative ohne Einkauf weiterzuverfolgen.

Eine Volksinitiative zu Freihaltung von Thun-Süd von jeglicher Überbauung wurde kurz vor der Volksabstimmung zurückgezogen.

Die Lachenwiese nördlich des Lachenkanals wurde als Standort für ein Kongresshotel bestimmt, das Land öffentlich ausgeschrieben. Mit den Interessenten laufen erste Gespräche, die nach der nun laufenden Mitwirkung weitergeführt werden.

Der Gemeinderat hat an seiner diesjährigen Klausursitzung (Mai 2004) beschlossen, die Umzonungen in Lachen und Thun-Süd, zusammen mit Überlegungen zur Finanzierung des neuen Stadions, nach den Sommerferien in die öffentliche Mitwirkung zu geben. Er hat dabei klar Stellung genommen und sich für ein Kongresshotel auf der Lachenwiese, öffentlich genutzte Grünflächen und Parkanlagen am See, Bebauungen am Lachenkanal und auf dem Areal des heutigen Stadions sowie für ein Sportzentrum mit Einkauf in Thun-Süd ausgesprochen. Im Finanzplan 2005 bis 2008 sind die entsprechenden Kredite vorgesehen.

Die Burgergemeinde als Partner der Stadtentwicklung

Wichtige Partner bei der Ausarbeitung des Richtplans Stadtentwicklung waren die grössten öffentlichen Grundeigentümer in Thun, das Departement VBS und die Burgergemeinde Thun. Mit dem VBS konnte eine umfassende Öffnung der Kleinen Allmend für zivile Nutzungen erreicht werden (Kantonaler Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord Steffisburg). Die Burgergemeinde stand von Anfang an der Umzonung von Teilen der Burgerallmend zwischen Allmendingenallee und Weststrasse offen gegenüber. Im Tauschvertrag mit der Stadt, dem die Burgergemeindeversammlung im Dezember 2003 zugestimmt hat, werden folgende Landflächen abgetauscht: rund 89'000 Quadratmeter Land der Burgergemeinde (heute in der Landwirtschaftszone) gegen rund 22'500 Quadratmeter Wohnbauland in der Bostuden. Zirka 16'000 Quadratmeter Areal FC Rotschwarz (in der Zone für Sport und Freizeit) gegen 22500 Quadratmeter Areal Familiengartenverein (in der Zone für öffentliche Nutzungen a gemäss Zonenplan 1986). Auf dem abgetauschten Land können ein Einkaufszentrum, ein Fussball- und Leichtathletikstadion errichtet werden. Für weitere Trainingsfelder wird das entsprechende Land gepachtet oder gemietet. Darunter fallen dann auch die Trainingsanlagen des FC Rot-Schwarz. Die Burgergemeinde hat dem Familiengartenverein per Ende 2006 gekündigt. Die künftige Lage und Gestaltung der Familiengärten ist Teil des Architekturwettbewerbs über das ganze Areal.

Lachen (Freizeit und Wohnen, Kongresshotel)

Am Anfang stand die Zukunftswerkstatt 2002. Daraus entstand die generelle Zielsetzung: mehr Freizeit und Wohnen im Lachen. Durch die Verlegung von Stadion und Trainingsplätzen entstehen neue Möglichkeiten, die genutzt werden sollen. Die bisher nur den Sportvereinen vorbehaltenen Flächen sollen für die ganze Bevölkerung geöffnet werden. So dient die am See gelegene, «vordere» Hälfte des Lachengebietes als Freizeit- und Grünanlage (Strandbad, «betretbare» Grünanlagen, Seespiele, Schiffsanlegesteg). Das Areal des heutigen Stadions und ein Baubereich zwischen Gwattstrasse und Lachenkanal dient vor allem dem Wohnen. Der heutige Trainingsplatz südlich des Lachenkanals und des Wegs zum Strandbad soll wie eine Allmend vielfältige Nutzungen zulassen (Grünanlage, Schausteller, teilweise Parkierung an maximal 30 «Spitzentagen» im Jahr).

Auf der «Lachenwiese» neben dem Hotel Holiday soll ein Viersternhotel entstehen, das Gäste aufnehmen kann, die im nahegelegenen Schadausaal tagen oder aus anderen Gründen Thun besuchen.. So würde die in Thun fehlende Beherbungskapazität deutlich erhöht werden, was unter anderem der Künstlerbörse, dem Swiss Economic Forum und dem Tourismus nützen würde.

Thun-Süd

Die zentralen Fragen hier lauten: Wie soll sich Thun künftig an der Stadteinfahrt Weststrasse präsentieren? Wie soll künftig die Stadteinfahrt von Thun-Süd her aussehen?

Wer mit dem Auto nach Thun kommt, soll künftig an der Autobahn «freundlicher» abgeholt werden. Attraktive Einkaufsgelegenheiten, ein Fussballstadion, Leichtathletikanlagen und Trainingsfelder zeichnen die eine Seite aus, später einmal vervollständigen weitere Nutzungen die andere Seite, wo heute das Schulhaus Neufeld und das Migros Oberland die Stadteinfahrt prägen. Einkaufs- und Sportnutzungen nutzen die vorhandenen Synergien aus. Der Einkauf trägt wesentlich zur Finanzierung der Sportanlagen bei.

Als Alternative wird in «Thun-Süd ohne Einkauf» auf Hochbauten weitgehend verzichtet. Stadion und Sportanlagen sollen in die Landschaft eingepasst werden. Dieses Szenario muss allerdings mit Mehrkosten von mehreren Millionen erkauft werden.

Finanzierung: Die Gesamtkosten des Sportzentrums inkl. Land und Finanzierungskosten werden aufgrund der Raumprogramme und Machbarkeitsstudien auf 50 Millionen Franken geschätzt. Finanziert wird dieser Betrag ...

... zur Hälfte durch den Verkauf von Land, das durch die Verlegung des Stadions erst frei wird beziehungsweise durch die Einzonung in Thun-Süd neu zur Verfügung steht;

... zu einem Viertel durch den Landabtausch mit Wohnbauland in der Bostuden und Tausch der Anlagen des FC Rot-Schwarz mit dem Areal des Familiengartenvereins;

... zu einem Viertel durch Beiträge von Bund und Kanton sowie der Stadt Thun.

In der weiteren Bearbeitung strebt die Stadt deutlich tiefere Restkosten an. Diese werden erreicht, wenn ein optimiertes Detailprojekt in der Ausschreibung des Stadions und der Sportanlagen zu einem kostengünstigen Angebot führt, beziehungsweise wenn aus den Landverkäufen in Thun-Süd und im Lachen durch entsprechende Konkurrenzverfahren hohe Einnahmen erreicht werden können.

Der Sport als wichtiger Faktor der Stadtentwicklung: Wacker Thun und FC Thun spielen in den obersten nationalen Ligen. Sie vermitteln ein dynamisches Bild von Thun. Während Wacker Thun eigene Ausbaupläne mit der Lachenhalle verfolgt, engagiert sich der FC Thun beim Neubau des Fussballstadions in Thun-Süd, denn das bestehende Stadion ist mit einer Ausnahmebewilligung des Fussballverbandes nur bis Ende der Saison 2005/2006 bespielbar. Um die Vorgaben der Swiss Football League zu erfüllen ist der Neubau eines Fussballstadions erforderlich. Für Thun wird von einem Fassungsvermögen von 10'000 Zuschauern (wie im Lachen) ausgegangen, aber mit einer wesentlich höheren Anzahl Sitzplätze (zirka 6000),wovon der grösste Teil gedeckt würde.

Kein Breitensport ohne Spitzensport: Nicht zuletzt dank der vorbildlichen Nachwuchsarbeit der Thuner Fussballvereine und der grossen Erfolge des FC Thun wird der Fussballsport noch beliebter. Die bestehenden Trainingsplätze sind dem Ansturm nicht immer gewachsen. Zusätzliche Trainingsplätze – wo möglich in einer allwettertauglichen Ausführung – sollen in Thun-Süd entstehen. Zusammen mit der bestehenden Anlage des FC Rot-Schwarz entsteht somit ein regelrechtes Trainingszentrum. Der Neubau der Leichtathletikanlagen ermöglicht dank grösserer und zahlreicherer Anlagen (8 statt 6 Rundbahnen) auch die Austragung grösserer Wettkämpfe.

Konkurrenzverfahren und Wettbewerbe: Die vorgeschlagenen Zonenvorschriften setzen den Rahmen bezüglich Nutzung, Erschliessung und Gestaltung. Sie sind in den Schema-Skizzen räumlich dargestellt. Es handelt sich dabei noch nicht um eine bestimmte Gestalt, es liegen noch keine Projekte vor. Zur Sicherung der städtebaulichen und architektonischen Qualität sind Wettbewerbe oder wettbewerbsähnliche Verfahren (Studienaufträge) vorgesehen. Die Stadt ist – unabhängig von der gewählten Rechtsform (Genossenschaft, AG o.a.) – Bauherr des Stadions und der Sportanlagen. Die Bauten werden öffentlich ausgeschrieben. Das Hotel auf der Lachenwiese soll durch private Investoren erstellt werden.

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