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Mittwoch, 15. Dezember 2004
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Thun: Künstlerische Interventionen am Gotthelf-Schulhaus
sth/bns. Aus acht Vorschlägen für eine künstlerische Intervention in der Schulanlage Gotthelf in Thun hat eine Jury bei einem Wettbewerb zwei ausgewählt, die realisiert werden sollen: «Gotthelf Campus» des Thuners Paul Le Grand mit farbigen Bumps auf dem Pausenplatz, und «Timeline» des Zürchers Lori Hersberger, ein digitales Display, das historische Daten und Namenstage vermittelt.
Die Primarschule Gotthelf werde gegenwärtig von 21 auf 30 Klassen erweitert, saniert und zudem um eine Dreifachsporthalle ergänzt, verlautet dazu in einer Medienmitteilung: «Als Auswahlkritierien für die Kunst am Bau beziehungsweise im öffentlichen Raum gelten Professionalität, Resonanz, Relevanz, innovativer Ansatz und innere Stimmigkeit.» Nun hätten die Jury entschieden und der Gemeinderat zugestimmt: Realisiert werden sollen zwei unabhängige, aber sich ergänzende Projekte, nämlich «Gotthelf Campus» von Paul Le Grand, Thun, und «Timeline» von Lori Hersberger, Zürich. Im Rahmen des Wettbewerbs seien Josef Dabernig, Wien, Roberto de Luca, Heimberg, Roland Fässler, Zürich, Lori Hersberger, Zürich, Paul le Grand, Thun, Sabina Lang und Daniel Baumann, Burgdorf, Kotscha Reist und Sibylla Walpen, Bern sowie Martin Fivian, Bern, eingeladen worden, Ideen und Konzepte für eine künstlerische Intervention im und beim Thuner Gotthelf-Schulhaus einzureichen.
«Subtile und präzise Intervention»
«Mit Le Grands Teilprojekt werden in lockerer Anordnung auf dem südwestlichen Pausenplatz Bumps installiert – runde, gewölbte, im Durchmesser 70 Zentimeter grosse und 12 Zentimeter hohe Edelstahldeckel – die einen mit polierter, silbriger Oberfläche, die andern in je einer Farbe lackiert», heisst es in der Medienmitteilung. Mit dieser Intervention könne ein eher karger Teil des Pausenareals aufgewertet werden. Die zehnköpfige Jury, in der Fachleute der Stadt Thun, Architekten sowie externe Fachjuroren vertreten seien, beurteile Le Grands Arbeit als «subtile und präzise Intervention». Sie würde sowohl dem Platz ein Merkmal verleihen als auch Kinder animieren, die Bumps vielfältig zu nutzen und Spiele nach eigenen Regeln zu entwickeln.
Leuchtschrift mit Jahreszahlen an Aussenwand
Die zweite Intervention, die realisiert werden soll, stammt laut Medienmitteilung vom Zürcher Künstler Lori Hersberger. Voraussichtlich an einer Betonfassade, die den neuen Anbau mit dem Schulhaus 2 verbinde, soll ein zweieinhalb Meter langes und 90 Zentimeter hohes Display mit einer Leuchtschrift installiert werden: «Sie lässt in abwechselnder Folge Jahreszahlen von regional, national und global relevanten Ereignissen aufleuchten.» Die unkommentiert aufleuchtenden Jahreszahlen sollen Schulkindern und anderen Besuchern Anstoss zu Assoziationen mit privaten und öffentlichen Ereignissen geben: «Um auch die jüngeren Kinder ‹abzuholen›, sollen nebst den Jahreszahlen die Namen aufleuchten, die gerade Namenstag haben.» Hersberger wolle damit eine andere Zeitstruktur vermitteln und die Verbindung zwischen Generationen hervorheben. Die Jury beurteile Hersbergers Konzept als «subtile und konzise Intervention, die Bezug auf Schule, Kunst und Architektur nimmt». Das Objekt werde als unscheinbar beurteilt, da es sich nicht in Konkurrenz zur Architektur stelle. Auch wecke es die Neugier: «Was auf den ersten Blick wie eine digitale Uhr wirken kann, ist eben gerade keine Uhr und dann plötzlich doch wieder eine Uhr – aber eine Uhr, die anders läuft», schreibt die Jury.
Stadt bei Neu- und Umbauten als Vorbild
Das Kulturleitbild der Stadt Thun sehe vor, heisst es in der Medienmitteilung, «dass die öffentliche Verwaltung bei Neu- und Umbauten als Vorbild agiert und die ortsbezogene Kunst – also Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum – mit den auch in andern Städten üblichen ein bis zwei Prozent der Bausumme realisiert». Für das Gotthelfschulhaus und die Dreifachsporthalle mit einer Bausumme von insgesamt 28,2 Millionen Franken (10,25 Millionen Franken für den Neubau der Sporthalle, 5,25 Millionen Franken für den Neubau des Schulhauses 3 und 12,7 Millionen Franken für die Sanierung und den Umbau der bestehenden Gebäude) sei angesichts der knappen Finanzlage der Stadt Thun für Kunst ein Kostendach von 150'000 Franken gesetzt worden. Dies entspreche lediglich 0,53 Prozent der Bausumme. Für die Realisierung der beiden ausgewählten Projekte stünden 120'000 Franken zur Verfügung.
Ausstellung und Informationsabend im Rathaus. Skizzen der Projektideen können vom 15. Dezember bis 24. Dezember 2004 im Rathaus Thun, 1. Stock, besichtigt werden. Das Rathaus ist zu folgenden Zeiten offen: Montag bis Freitag, 8.00 bis 11.45 und 13.30 bis 17.00 Uhr. Am 22. Dezember 2004 stellen sich Jurymitglieder von 17.15 bis 18.30 Uhr zur Verfügung und geben einem interessierten Publikum an Ort Auskunft über den Wettbewerb und die ausgestellten Projekte. Am 24. Dezember ist das Rathaus nur bis Mittag geöffnet.
Paul Le Grand. Jahrgang 1949, lebt und arbeitet in Thun. Ecole d'Arts Visuels in Genf. Mitglied «Mühle Thun». Louise-Aeschlimann-Stipendium des Kantons Bern. – Wichtigste Ausstellungen: 2002 «Art Canal», Interkontinentale Skulpturenausstellung, Zihlkanal, «Noces», 8e Triennale de sculpture contemporaine Bex & Arts, Bex, «Entre deux Eaux», Parcours sculptures, Yverdon-les-Bains, 2000 «Mare nostrum», Palazzo Ferretto, Genua, 1999 «Mémoires – paysages intérieurs», Bex & Arts, Bex, 1998 «Grauholz 98», Skulpturenweg, Bern, 1997 Kunsthalle, Burgdorf (E, mit Andreas Althaus), «Thun Ten», Garten-Galerie, Thun.
Lori Hersberger. Geboren 1964 in Basel, lebt und arbeitet in Zürich. Studium der Videokunst und der Bildhauerei an der Schule für Gestaltung in Basel. Fachklassen für audiovisuelle Gestaltung bei René Pulfer und für freie räumliche Gestaltung bei Jürg Stäuble, Hannah Villiger. Preis Kunst-Stadt Basel 1990, Cité des Arts Paris, Basel-Stadt 1994, Künstlerstipendium ED Basel-Stadt 1996, Prix Fédéral des Beaux-Arts / eidgenössischer Preis für Freie Kunst 1999, 2000, Manor-Kunstpreis Basel 2001. – Wichtigste Ausstellungen: Einzelausstellungen: Kunsthaus Zürich (2003), Badischer Kunstverein Karlsruhe (2003), Swiss Insitute-Contemporary-Art, New York (2002), Museum für Gegenwartskunst, Basel (2001). – Gruppenausstellungen: Biennale von Venedig (1999), Schirn Kunsthalle Frankfurt (1998), Stedelijk Museum of Contemporary Art, Genf (2004, Kunsthalle Wien (2003.
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
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