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Sonntag, 28. November 2004
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| Tanzshows in farbenfrohen und reich verzierten Trachten: Die im Jahr 1995 gegründete Tanzgruppe Arco Iris hat sich zum Ziel gesetzt, die folkloristischen Tänze aus Peru und Bolivien in ihrer traditionellen vorzuführen. – Bild rechts: Der Jodlerklub Bärgblüemli aus Schattdorf. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
Volkskulturanlass «Interfolk» vielversprechend gestartet
ds/pvr. Nach einem dreistündiges Hauptprogramm von 17 bis 20 Uhr hat am Samstagabend in Interlaken an einem erstmals unter der Bezeichnung «Interfolk» organisierten grossen Volkskulturanlass der Radio- und TV-Moderator Kurt Zurfluh durch eine ebenfalls gutbesuchte Abendveranstaltung geführt.
Moderator Kurt Zurfluh mit dem Alphorntrio Harzis.
Entsprechend dem diesjährigen Motto «Geschichte und Entwicklung» wurden in sieben Pavillons rund um das Zentralgebäude im Mysterypark verschiedene Programme geboten. Am Abend konnte zwischen fixen Programmsequenzen, welche sich aus Teilen der Pavillonprogramme zusammensetzten, musiziert, getanzt, diskutiert und gefestet werden. Die Gruppe «Brücken» und die «Jugendarbeit Bödeli» suchten im Glaskorridor auf kreative Weise zwischen verschiedenen Themen Brücken zu schlagen und die Besucher zum Nachdenken, Schmunzeln und Staunen zu bringen. Am späteren Nachmittag und frühen Abend waren nach Angaben der Veranstalter 300 Interpreten und 350 Besucher anwesend, beim Abendprogramm seien an die 700 Personen gezählt worden.
Mit dem «Hundetaxi» unterwegs.
Mit Gästen aus Österreich, Deutschland, Peru und Bolivien sollte laut den Veranstaltern die Internationalität von «Interfolk» lebendig unterstrichen werden. Der Anlass – siehe auch Bericht Filmaufnahmen mit der Miss Schweiz auf dem Bödeli vom 27. Oktober 2004 – soll ein Kulturfenster sein und jedes Jahr wiederholt werden: «Ein Fenster, das geöffnet wird und durch welches die Vielfalt der schweizerischen Kultur gehört, gesehen, gefühlt, kurz: erlebt werden darf.» Der Volkskulturanlass soll verbindend wirken: «Ein Bindeglied zwischen ursprünglichem Kulturgut und neuen Trends; zwischen Stilrichtungen; zwischen Altem und Jungem, zwischen den Kantonen, zwischen der Schweiz und unseren Weltnachbarn.» Ziel der Veranstaltung sei es, Vorurteile abzubauen, Kontakte zu knüpfen, Netzwerke aufzubauen, Freunde zu finden. Die im eigenen Land oft belächelte schweizerische Folklore rufe bei Anlässen im Ausland grosse Begeisterungsstürme hervor.
Die «Hanneli-Musig» am Samstagabend im Mysterypark.
Mit Gegensätzen, die in den verschiedenen Pavillons gezeigt wurden, sowie mit verschiedenen Interessengruppen, den Trachtenleuten, den Jodlern, Musikanten internationale Folklore strebten die Veranstalter an, dass man sich zusammenfinde und neue Synergien nutze. Es mache den Anschein, dass in den Medien die Kultur der Schweiz oft fehle, weshalb an die Verbandspräsidenten der Appell ergehe, sich mit ihren insgesamt rund einer halben Million Mitglieder zusammenzutun und sich bei den Medien stark zu machen: «‹Interfolk› soll verbinden, stark machen gegen aussen, kitten gegen innen – das wären das Ziel und die Vision.» Es werde versucht «Interfolk» weiterzuführen. Das nächste Fest werde sicher das Unspunnenfest sein – nicht eine Konkurrenz sondern eine Ergänzung. Als Vertreter der Gemeinde Interlaken äusserte Daniel Beutler die Idee, nächstes Jahr am «Interfolk» einen Volksmusikstar zu wählen. Auch Jakob Freund, Präsident des Verbandes Schweizer Volksmusik hofft, der vom Zentralvorstand unterstützte Anlass könne nächstes Jahr wieder stattfinden. Er hoffe auch auf eine Zusammenführung der Verbände – mit einem gemeinsamen Auftreten als Volkskultur könne etwas bewirkt werden.
Mysterpark-Geschäftsführer Oswald Zurbriggen, «Interfolk»-Initiant und OK-Präsident Andreas von Allmen aus Unterseen und Jakob Freund, Präsident des Verbandes Schweizer Volksmusik.
Der «Interfolk»-Hauptteil umfasste in sieben Pavillons unter anderem die Geschichte der Schweizer Volksmusik. Musikalisch begleitet durch das «Hanneli-Quintett» wurde am späteren Samstagnachmittag und früheren Abend die Entwicklung der Volksmusik im 19. Jahrhundert und die Entwicklung der Musik in den verschiedenen Regionen der Schweiz aufgrund der Sammlung von Hanny Christens Volkstanzweisen aufgezeigt. Jodelklubs, Chöre und Alphornbläser aus verschiedenen Regionen der Schweiz gaben sich ein Stelldichein, darunter das Oberländerchörli Interlaken, das «Chinderchörli vom rächte Thunerseeufer», Oberhofen, das Jodlerduett Sandra und Marco Kunz, Sigriswil sowie das Alphorntrio Harzis, Familie Schilt, Iseltwald. An einem Ländlertreffen waren Carlo Brunner, Echo vom Tödi, Hüüsmüsig Familie Gehrig, Kapelle Oberalp, Örgelifründe Stockenfluh, Örgelitrio 007, Res Schmid und Gebrüder Marti sowie die Swiss Ländler Gamblers vertreten. Im weiteren wurden im Pavillon «Handwerk» Einblicke in altes, zum Teil vergessenes Handwerk gewährt, unter anderem das Schneidern von Trachten, das Filochieren (Netzknüpfen), das Klöppeln und das Zinken, das heisst Holzverbindungen ohne Schrauben und Nägel durch eine rechteckige oder auch eine konische Verzahnung (Schwalbenschwanz-Verbindung).
Gruppenbild mit Tschäggättä und Pootschen. Von links nach rechts: Peter Wenger als Tellspiel-Schiller, OK-Präsident Andreas von Allmen, OK-Mitglied Franziska Schärer und der Unterseener Gemeindepräsident Simon Margot.
Der Ursprung und die Entwicklung von Bräuchen wie Chlummle, Tschäggättä, Pootschen und Roitschäggättä sowie Sprachgeschichte – mit Sagenerzählern aus dem Wallis und dem Berner Oberland – waren die Themen im Pavillon «Sprache und Bräuche». Unter «Trachten und Volkstanz» wurden höfische Tänze, Tänze aus der Renaissance sowie die Entwicklung und Vielfalt der Schweizer Volkstänze aufgezeigt. Die Schweizerische Trachtenvereinigung STV gehört mit 25'000 Mitgliedern in 700 Gruppen zu den grössten Volkskulturverbänden der Schweiz. In Pavillon 7 schliesslich stand internationale Volksmusik mit dem Thema Peru auf dem Programm. Den Schwerpunkt am «Interfolk» bildeten die südamerikanischen Flöten wie Zampoñas, Flautas, Quenas, Tonflöten und Hirtenflöten – unzählige Arten werden in den Anden von Peru und Bolivien gespielt.
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
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