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Samstag, 27. November 2004
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Gruppenbild der «Jungs vom Berg» an der Vorpremiere in Spiez. Vordere Reihe links DOK-Autor Urs Schnell, vorne von rechts nach links Hansueli Birenstihl, Gründer und Gesamtleiter der Institution Sternen, Heimleiter Thomas Schüpbach und sein Stellvertreter Sandor Hossmann. (Bild Dora Schmid-Zürcher.

Fernsehfilm «Die Jungs vom Berg»: Lebenstauglich dank Erlebnispädagogik

ds/pvr. In einem Dokumentarfilm mit dem Titel «Die Jungs vom Berg» berichtet das Schweizer Fernsehens SF1 am Donnerstagabend, 2. Dezember, 20 Uhr und am Freitagnachmittag, 3. Dezember, 13.15 Uhr über den pädagogischen Nutzen unter anderem des Gleitschirmfliegens für verhaltensauffällige Jugendliche.

Der von seinem Autor Urs Schnell am Freitag im Spiezer Kino «Movie World» an einer Vorpremiere für Protagonisten und Medien präsentierte Dokumentarfilm «Die Jungs vom Berg» über schwierige Jugendliche im Jugendheim «Sternen» im Simmental zeigt, wie Andi, Beni und Clinton kleine Erfolge verbuchen, angeschlagenes Selbstvertrauen zurückgewinnen, aber auch in neue Krisen fallen. Der Film will aber auch aufzeigen, dass sich nur mit grossem Aufwand wieder flicken lässt, was in einem jungen Menschen einmal kaputt ist – und oft nur mit aussergewöhnlichem Engagement jener, die statt Vater oder Mutter für diese Jugendlichen die temporäre Verantwortung tragen. Unter anderem mit dem Gleitschirmsport – siehe auch Der «Adler von Adelboden» im Aufwind vom Samstag, 6. November 2004 und Gleitschirmfliegen: Europameister in Wilderswil gefeiert vom Samstag, 16. Oktober 2004 – soll Jugendlichen Anschauungsunterricht geboten werden, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten und dadurch seelische Tiefs zu überwinden. Weitere Informationen über das pädagogische Rahmenkonzept der Institution sind auf der «Sternen»-Homepage abrufbar.

«Nullbock knacken»

Zum Dokumentarfilm «Die Jungs vom Berg» hält das Schweizer Fernsehens fest: «Hoch oben im Berner Simmental leben Jugendliche, die niemand will. In der Schule sind sie nicht mehr tragbar, andere Heime verzweifeln an ihrer Verweigerungshaltung. So kommen die 11- bis 16jährigen in das etwas andere Heim – den ‹Sternen›. Hier wohnen auch Andi, Beni und Clinton. DOK hat die drei ein hartes Jahr lang begleitet. Die Jugendlichen, die im Jugendheim ‹Sternen› landen, sind geprägt von Sucht, Kleinkriminalität und zerrüttetem Elternhaus. Viele standen vor dem Jugendrichter. Jetzt sind sie gefrustet, verschlossen, abgelöscht. ‹Zu einem solchen Jugendlichen Zugang zu finden, ist etwas vom Schwierigsten überhaupt›, sagt Hansueli Birenstihl, Gründer und Gesamtleiter der Institution Sternen. ‹Ein solcher Jugendlicher hat kein Interesse mehr an seiner Person und noch weniger an seiner Zukunft. Diesen Nullbock versuchen wir zu knacken mit einem starken Erlebnis.› Das Zauberwort heisst Erlebnispädagogik – eine Erziehungspraxis, die in den letzten 30 Jahren tradierte und etablierte Pädagogik ergänzen half. Im ‹Sternen› findet Erziehung oft draussen statt, in ungewöhnlichem Rahmen. Die Jugendlichen laufen 300 Kilometer quer durch die Alpen, vom Simmental bis nach Italien. Die Jugendlichen hängen am Gleitschirm, lernen zu fliegen ohne abzustürzen. Die Jugendlichen biwakieren im Hochgebirge bei minus 20 Grad. Das überlebenswichtige Iglu entsteht in selbtregulierender Gruppenarbeit. ‹Durch solche Erlebnisse lernen die Jugendlichen Grenzen zu überwinden, sich auf sich selbst einzulassen, das Gegenüber wahrzunehmen›, meint Birenstihl.»

«Wie filmende Sherpas»

Autor Urs Schnell über den Film: «Kameramann Laurent Stoop und ich begleiteten die Jugendlichen während neun Monaten in verschiedenen Etappen. Wir kamen in dieser Zeit mehrfach an unsere Grenzen. Einmal bei der Annäherung an die Jugendlichen. In Gruppen bewegen sich die Helden unseres Films zwar freimütig, geben sich locker und lässig. Im Einzelinterview hingegen sind sie wortkarg. Die prägenden Gruppenmuster wirken abschottend. Der Wortschatz ist oft beschränkt, das Reden über persönliche Probleme, Verletzungen und Frustrationen schwierig – gerade im Alter zwischen 11 und 15. Zweimal kamen wir physisch ans Limit: im winterlichen Hochgebirge, als die Jugendlichen bei zehn Grad unter null vier Tage im Iglulager verbrachten, und beim Sommertreck quer durch die Alpen. Im Dauerregen zwischen Safiental und Comersee fühlten sich Stoop und ich wie filmende Sherpas.»

Dokumentarfilm «Die Jungs vom Berg». SF1: Donnerstag, 2. Dezember 2004, 20.00 Uhr und Freitag. 3. Dezember, 13.15 Uhr. – Autor Urs Schnell. Kamera Laurent Stoop. Ton Stephan Pauly, Jens Rövekamp. Schnitt: Dominique Hunziker. Redaktion: Otto C. Honegger, Helen Stehli Pfister.

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