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Freitag, 19. November 2004
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Versenkte Munition im Thunersee: Interessenabwägung

pvr. Über eine allfällige Bergung von abgelagerter Munition im Thunersee kann laut einem Bericht des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) erst dann entschieden werden, wenn Erkenntnisse über Gefahren für das ökologische Gleichgewicht vorlägen und verschiedene Methoden geprüft worden seien. Die potentielle Gefahr, welche einerseits von der auf dem Seegrund lagernden Munition und andererseits vom Bergungsvorgang ausgehe, erfordere eine Interessenabwägung.

Weiterhin nicht zu belegen sei, dass Deformationen an Felchen – siehe Auch Forellen und Äschen mit veränderten Geschlechtsorganen vom Mittwoch, 3. November 2004 – mit Munitionsdeponien im Thunersee zusammenhingen, geht aus dem Bericht im weiteren hervor. Bis heute sind laut VBS keine einsatzbereiten Techniken verfügbar, mit Hilfe derer die verstreuten und zugedeckten Munitionsteile leicht geborgen werden könnten: «Es wird abzuklären sein, welche Auswirkungen Sanierungsaktionen auf das ökologische Gleichgewicht der Seen haben, welche Sicherheitsrisiken damit verbunden sind und mit welchem Aufwand gerechnet werden muss.» Die potentielle Gefahr, welche einerseits von der auf dem Seegrund lagernden Munition – in jüngsten Medienberichten ist von 4600 Tonnen im Thunersee und von 280 Tonnen im Brienzersee die Rede – und andererseits vom Bergungsvorgang ausgehe, erfordere eine Interessenabwägung: «Über eine allfällige Bergung kann deshalb erst dann entschieden werden, wenn die Erkenntnisse über die Gefahren für das ökologische Gleichgewicht vorliegen und die verschiedenen Methoden geprüft worden sind.»

«Keine hormonaktiven Effekte erkennbar»

In Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil wurde nach VBS-Angaben die Methodik für die chemische Analyse von Sprengstoffen und deren Rückstände – verglichen mit den Untersuchungen aus den neunziger Jahren – verfeinert: «In Wasserproben aus dem Thuner- und Brienzersee sowie in gehobenem Sediment des Thunersees konnten weder TNT, seine Abbauprodukte noch andere Sprengstoffe nachgewiesen werden.» Die hauptsächlichsten Sprengstoffe würden in der Eidgenössische Forschungsanstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) in Dübendorf auf mögliche Wirkungen auf weibliche oder männliche Umwelthormone geprüft. Bei den Tests seien keine hormonaktiven Effekte erkennbar gewesen: «Auf einen Zusammenhang zwischen den Munitionsdeponien im Thunersee und den beobachteten Gonadenveränderungen der Felchen kann somit auch gemäss den neusten Ergebnissen nicht geschlossen werden; die Untersuchungen werden weitergeführt.»

Gesamtschweizerische Untersuchung

Das VBS hat laut ihrer Medienmitteilung gesamtschweizerisch die Ablagerungen durch das frühere Eidgenössische Militärdepartement (EMD) in den Schweizer Seen untersuchen lassen. Dazu zählten Munitionsversenkungen, die Nutzung von Seen als Zielgebiete von Schiessübungen sowie die Versenkung von weiterem Armeematerial in Seen: «Die Resultate der breit angelegten Untersuchungen liegen nun vor.» Ausserdem seien mit einer verfeinerten Methodik für die Sprengstoffanalyse neue Wasser- und Sedimentproben aus Thuner- und Brienzersee untersucht wurden.

Im Juli 2004 waren laut VBS fünf Gutachterbüros mit den Recherchen beauftragt worden. Die Resultate der Abklärungen seien in über 200 Seiten umfassenden Berichte über die historische Untersuchung der Schweizer Seen und in einem achtseitigen Dokument zusammengefasst dokumentiert worden: «Munitionsversenkungen wurden bestätigt im Thuner-, Brienzer- und Urnersee sowie im Gersauerbecken des Vierwaldstättesees; in einigen Seen (Walensee, Alpnachersee, Greifensee, Gotthardseen, Vierwaldstättersee, Lauerzersee) konnte nachgewiesen werden, dass diverses Armeematerial versenkt worden ist.» Medienberichte sprechen davon, dass die Gutachten zu Tage gebracht hätten, dass die Armee auch Fässer mit Speiseöl, Filter für Schutzmasken, gebrauchte Fotoplatten, Gewehre und Stacheldraht in verschiedenen Seen versenkt habe. Trümmer von Flugzeugabstürzen oder Schiffshavarien finden sich laut VBS im Genfersee, im Greifensee, im Tuetenseeli und im Vierwaldstättersee. Als Zielgebiete von Schiessübungen oder Schiessversuchen seien verschiedene Seen verwendet worden: «In der Regel wurden dabei inerte Geschosse ohne Explosivstoffe eingesetzt.» In den Berichten werde dokumentiert, in welchen Seen Blindgänger mit grosser Wahrscheinlichkeit vorhanden oder aufgrund der Nähe zu Zielgebieten möglich seien. Vervollständigt werde die Dokumentation mit einer Liste von Seen, die als unbelastet betrachtet werden können.

In einer nächsten Phase sollen nun Bergungsmöglichkeiten für die Munitionsdeponien – siehe auch VBS und Kanton Bern wollen Munitionsbergung prüfen vom Montag, 19. April 2004 – geprüft werden. Bis heute sind laut VBS keine einsatzbereiten Techniken verfügbar, mit Hilfe derer die verstreuten und zugedeckten Munitionsteile leicht geborgen werden könnten: «Es wird abzuklären sein, welche Auswirkungen Sanierungsaktionen auf das ökologische Gleichgewicht der Seen haben, welche Sicherheitsrisiken damit verbunden sind und mit welchem Aufwand gerechnet werden muss.» Die potentielle Gefahr, welche einerseits von der auf dem Seegrund lagernden Munition und andererseits vom Bergungsvorgang ausgehe, erfordere eine Interessenabwägung: «Über eine allfällige Bergung kann deshalb erst dann entschieden werden, wenn die Erkenntnisse über die Gefahren für das ökologische Gleichgewicht vorliegen und die verschiedenen Methoden geprüft worden sind.»


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