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Freitag, 12. November 2004
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Hotel National Interlaken: Umbau zur Seniorenresidenz mit Fassadenrekonstruktion

ds/S. Wegen Projektänderungen – namentlich soll die unter einer späteren modernistischen Verkleidung verschwundene einstige Jugendstilfassade des im Jahr 1906 eröffneten Hotels National rekonstruiert werden – hat sich der Umbau des an der Höhematte im Zentrum von Interlaken gelegenen Hauses zu einer Seniorenresidenz verzögert. Nach dem nun für Anfang Dezember 2004 vorgesehenen Baubeginn wird mit dem Bezug der umgenutzten Räumlichkeiten bis Sommer/Herbst 2005 gerechnet.

Die unter einer modernistischen Verkleidung verschwundene ursprüngliche Jugendstilfassade (Archivbild Ostfassade) des im Jahr 1906 eröffneten Interlakner Erstklasshotels National. (Bild zvg)

Die Wiederherstellung der Belle-Epoque-Fassade des bislang von Hans Kübler geleiteten 70-Betten-Viersternhotels National dürfte mit Mehrkosten von rund zweieinhalb Millionen Franken verbunden sein. Ursprünglich war nach Angaben von Hans Kübler – als Verwalter der künftigen «Residence National» obliegen ihm die Verwaltung des Restaurants, der Gewerbefläche, der Wohneinheiten und des Stockwerkeigentums – vorgesehen gewesen, das sechsgeschossige Haus bis Ende dieses Jahres mit Investitionen von mehreren Millionen Franken umzubauen. Restaurations- und Hauswirtschaftsbetrieb – siehe auch Interlakner Viersternhotel National wird Seniorenresidenz vom Donnerstag, 5. Februar 2004 – sollen auch bei der Realisierung des abgeänderten Projekts als Dienstleistungsangebot für die Hausbewohner erhalten bleiben. Unter anderem sei vorgesehen, die Aussenwände und das Dach mit neuer oder zusätzlicher Wärmedämmung zu ergänzen. Die unter einer späteren modernistischen Verkleidung verschwundene einstige Jugendstilfassade des im Jahr 1906 eröffneten Hauses – der im Zuge des Metropolneubaus der damaligen Vorbesitzerin «schmackhaft» gemachte «Fassadenmord» fand 1967 statt – soll bei der Erneuerung so weit wie möglich originalgetreu rekonstruiert werden. Nach dem Beginn der Bauarbeiten Anfang Dezember sei vorgesehen, in einem ersten Umbauschritt das Dach abzutragen und parallel dazu das Erdgeschoss umzubauen. Der Innenausbau der Wohneinheiten soll von der Centralstrasse her erfolgen. Schweren Herzens habe Kübler seinen ursprünglichen Plan, 16 Hotelsuiten zu integrieren aufgeben, da keine Bank bereit gewesen sei, Hotelsuiten zu finanzieren: «Keine Bank investiert in ein touristisches Projekt.»

Der «Fassadenmord» aus dem Jahr 1967 – unser Archivbild zeigt die Westfassade – soll mit der Realisierung eines neuen Umbauprojekts rückgängig gemacht werden. (Bild Peter Schmid)

Nach der Einreichung des von der Messerli Architekten und Planer AG Belp ausgearbeiteten Projekts bei der Gemeinde Interlaken hatte nach Angaben von Hans Kübler die Gemeinde die Idee, die alte Fassade hervorzuholen. Er habe von der Vorbesitzerin alle alten Fotos übernommen und deshalb gewusst, wie das Haus bis zum Fassadenumbau im Jahr 1967 ausgesehen habe. Die Gemeinde habe grosses Interesse an der Jugendstilfassade gezeigt und auch einen symbolischen Beitrag Ortsbilderneuerungsfonds – wie bei der Renovation des «Stadt Paris» – in Aussicht gestellt, wenn mit der Fassade etwas Vernünftiges gemacht würde. Das Haus mit den Jugendstilfenstern und der Halle sei im Gemeindeinventar als erhaltenswertes Objekt eingestuft. In einem nächsten Schritt sei mit der kantonalen Denkmalpflege Kontakt aufgenommen worden und diese habe sich mehrmals an Ort und Stelle ein Bild über die Fassade und deren Erneuerung gemacht. Die kantonale Denkmalpflege habe einen angemessenen Beitrag in Aussicht gestellt wenn die Jugendstilfassade rekonstruiert werden sollte – denn unter der modernistischen Verkleidung sei von der alten Fassade nichts mehr vorhanden.

Zusätzliche Wohnfläche

Durch diese neuen Abklärungen sind laut Hans Kübler sieben Monate der geplanten Baubeginnzeit verlorengegangen und um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, habe man sich entschlossen, die Jugendstilfassade zu realisieren. Der Architekt habe wieder bei Null beginnen müssen; denn mit der Neuplanung müssten nun der 5. und der 6. Stock komplett abgetragen werden und die Fassade werde bis auf die Grundmauern rekonstruiert. Durch diese Projektänderung ergäben sich jedoch zusätzlich 300 Quadratmeter an frei wählbarer Wohnfläche. Die Mehrkosten für die Belle-Epoche-Fassadenerneuerung beziffert Kübler auf auf zweieinhalb Millionen Franken – mit den zuvor budgetierten budgetierten 800'000 Franken koste somit die ganze Fassade 3,3 Millionen Franken: «Im Wissen dass dieses Haus zu einem Schmuckstück in Interlaken wird und der Umbau mit der neuen Fassade im Interesse der Bevölkerung und der Gemeinde Interlaken liegt wird diese Fassade nun rekonstruiert.» Nach der Baupublikation im September sei denn auch keine einzige Einsprache eingangen, woraus Kübler schliesst, dass das Projekt sehr gut angekommen sei und dass alle voll hinter dem neuen Entschluss stünden.

Wegen der siebenmonatigen Verspätung und der Objektumnutzung haben sich nach Angaben von Hans Kübler jedoch zehn Interessenten zurückgezogen. Von den mit einem grossen Personenlift erschlossenen neu 29 komfortablen rollstuhlgängigen Wohneinheiten mit zweieinhalb- bis sechseinhalb Zimmern – Bruttowohnflächen zwischen 56 und 226 Quadratmeter – sei bis jetzt die Hälfte reserviert. Maximal sollen 23 Wohneinheiten verkauft werden, die restlichen verblieben im Besitz der Hotel National AG. Im Besitz der National AG blieben alle Wohnungen die nicht für die Finanzierung verkauft werden müssten. Die Wohnflächen sollen nach persönlichen Wünschen und Grössen geplant und gebaut werden; die Keller- und Abstellräume seien mit dem Personenlift erreichbar. Die Wohneinheiten sollen im Sommer/Herbst 2005 bezogen werden können. Hinsichtlich der vorgesehenen Zweckänderung haben sich laut Kübler keine Probleme ergeben. Ein im Jahr 1836 von der Familie Wyder gebautes Wohnhaus mit drei Läden sei im Grundbuch nur als Wohn- und Geschäftshaus eingetragen worden. Später sei dahinter das Haus Wyder, ein Garni Hotel angebaut worden, ohne dass aber im Grundbuch je eine Änderung eingetragen worden wäre.

Restaurant-Eröffnung bereits im Mai 2005 vorgesehen

Durch die Umnutzung soll auch das verpachtete Restaurant, das den Namen «Renaissance» erhalte, grösser werden. Das Restaurant werde im Zweisaisonbetrieb genutzt. Es habe im Winter auf einer Fläche von 300 Quadratmeter 80 Sitzplätze und 12 Barplätze; im Sommer mit der Terrasse an der Centralstrasse und auf der Seite des Amthauses würden es 360 Quadratmeter sein mit zusätzlichen 42 Plätzen. In der jetzigen Hotelhalle soll der zweifarbige Parkettboden sichtbar gemacht. Um eine der Säulen in der grossen Hotelhalle mit der wunderschönen Jugendstilddecke soll eine Tappas-Bar eingerichtet werden. Die «American Lounge» werde mit alten Hotelmöbeln aus dem Jahr 1886 eingerichtet, und im Restaurant würden auch noch von der Familie Wyder übernommenes Silberbesteck und Teile des Geschirrs verwendet. Das Restaurant soll beim Umbau prioritär behandelt und bereits im Mai 2005 eröffnet werden.

Gewerbeflächen im Erdgeschoss

Bereits im Mai soll laut Hans Kübler auch ein neues Coiffeurgeschäft für Frauen und Männer auf 60 Quadratmeter eröffnet werden – auch dies eine Art Renaissance habe doch in diesen Räumlichkeiten bis 1985 während rund 30 Jahren der bekannte Coiffeur Werner Spycher gewirkt. Weitere Gewerbeflächen im Erdgeschoss können gekauft werden oder es könnten langjährige Mietverträgen abgeschlossen werden. Zur Verfügung stünden 85 Quadratmeter – vorher Wullelädeli und Hotelbüro – sowie 135 Quadratmeter des ehemaligen grossen Speisesaal, der dank der grossen Raumhöhe auch zweistöckig genutzt werden könnte.

Hotelservice für die Hausbewohner

Den Bewohnern der künftigen «Residence National» stehen nach Angaben der Hotel National AG folgende Dienstleistungsangebote zur Verfügung:

– Einnahme sämtlicher Mahlzeiten im Restaurant der Residence oder serviert in der Wohnung.
– Tägliches Bettenmachen und/oder periodisches Wechseln der Bettwäsche.
– Wohnungen reinigen (täglich, wöchentlich oder quartalsmässig).
– Das Waschen der Bett-, Küchen- und Privatwäsche.
– Erledigung von Einkäufen und Botengängen durch das Residence-Personal.
– Taxidienst mit Residence-Limousine.
– Benutzung der öffentlichen Räume im Erdgeschoss.
– Empfang von Gästen in den öffentlichen Räumen.

Mit der Umnutzung des Hotels National gehen nach Angaben von Hans Kübler wohl Arbeitsstellen im Hauswirtschaftsbereich (Zimmermädchen) verloren – dafür würden mehr Mitarbeiter im Restaurations- und Verpflegungsbereich benötigt, denn das Restaurant werde wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und während sieben Tagen geöffnet sein. Dadurch werde sich der Personalbestand von heute zwölf Mitarbeitern sogar um vier Personen erhöhen.

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