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Dienstag, 30. November 2004
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Der Entlastungsstollen Schiffahrtskanal–Kraftwerk mit einem Innendurchmesser von 5,5 Meter soll vom Ende des Schifffahrtskanals entlang der Bahnlinie führen und unterhalb des Kraftwerks in die Aare münden. (Bildmaterial zvg)
Hochwasserschutz Thunersee: «Entlastungsstollen langfristig günstiger»

sth/bns. Ein Entlastungsstollen zwischen dem Schiffahrtskanal und dem Kraftwerk soll der Bevölkerung am Thunersee und an der Aare einen besseren Schutz vor Hochwasser als das Massnahmenpaket des kantonalen Wasserbauplans bieten. Der Kanton Bern und die Stadt Thun haben laut einer Medienmitteilung beschlossen, das Projekt des Entlastungsstollens voranzutreiben und die ursprünglich vorgesehenen Massnahmen fallenzulassen.

Scherzligschleuse in Thun: «Vertiefte Erkenntnisse über die hydraulischen Verhältnisse und den Auslauf aus dem Thunersee.» (Archivbild Peter Schmid)

«Mit 27,8 Millionen Franken ist der Entlastungsstollen zwar deutlich teurer als das Massnahmenpaket des kantonalen Wasserbauplans (19,8 Millionen Franken), jedoch günstiger als der kantonale und der generelle Wasserbauplan zusammen (29,8 Millionen Franken)», wird in der Medienmitteilung ausgeführt. An den Kosten für den Entlastungsstollen werde sich der Bund mit 9,2 bis 12,2 Millionen Franken , der Kanton mit 9,2 Millionen und die Stadt Thun mit 6,4 bis 9,5 Millionen Franken beteiligen: «Da es sich um gebundene Ausgaben handelt, liegt es bei der Stadt Thun in der Kompetenz des Gemeinderates, den nötigen Kredit zu bewilligen.» Es sei vorgesehen, die Hochwasserschutzmassnahmen im Jahr 2007 in Betrieb zu nehmen. Der Entlastungsstollen Schiffahrtskanal–Kraftwerk soll im Februar 2005 in die öffentliche Mitwirkung gehen und die Auflage im Herbst 2005 erfolgen.

Weitere Informationen unter www.hochwasserschutzthunersee.ch

Die Idee des Entlastungsstollens war laut Medienmitteilung während der Erarbeitung des kantonalen Wasserbauplanes entstanden. Ausschlaggebend seien vertiefte Erkenntnisse über die hydraulischen Verhältnisse und den Auslauf aus dem Thuner See gewesen. Im Auftrag des Kantons Bern hätten Fachleute die neue Idee mit den ursprünglich vorgesehenen Massnahmen des kantonalen und generellen Wasserbauplans verglichen: «Untersucht wurden die Kosten des Entlastungsstollens sowie die Auswirkung der verschiedenen Massnahmen auf den Wasserstand im See, auf die Abflussmengen in der Aare und den Geschiebetrieb unterhalb von Thun.» Die Massnahmen seien mit einer Nutzwertanalyse miteinander verglichen worden. Die Evaluation komme zum Schluss, dass der Entlastungsstollen nicht nur einen höheren Schutz vor Hochwasser biete, sondern auch verschiedene andere Vorteile habe: «Deshalb haben sich der Kanton Bern, die Stadt Thun, die Anwohnerschaft, die BLS-Schiffahrt sowie die Naturschutz- und Fischereikreise darauf geeinigt, das Massnahmenpaket des kantonalen Wasserbauplans fallenzulassen und das Projekt des Entlastungsstollens voranzutreiben.»

Entlang dem Bahntrassee

Der geplante Entlastungsstollen führe vom Ende des Schiffahrtskanals rund 1,2 Kilometer entlang dem Bahntrassee bis unterhalb des Kraftwerks Thun Aare. Gebaut werden soll er mit einer Hydroschild-Tunnelbohrmaschine. Der Stollen werde so tief gelegt, dass weder beim Bau noch beim Betrieb mit Beeinträchtigungen an der Oberfläche zu rechnen sei. Vom Einlaufbauwerk im Schifffahrtskanal vor dem Bahnhof Thun werde ausser dem Rechen kaum etwas sichtbar sein. Die Verkehrsfläche am Bahnhofplatz bleibe vollständig erhalten. Die Fachleute schätzten die bautechnischen Risiken des Stollens als sehr gering ein.

Aarebaggerung nicht mehr nötig

Der Entlastungsstollen Schifffahrtskanal–Kraftwerk bringe eine höhere Abflusskapazität als die Massnahmen des kantonalen Wasserbauplans, verlautet im weiteren: «Beim Hochwasser von 1999 hätte der Seespiegel um zusätzliche rund acht Zentimeter gesenkt werden können.» Dank der mit dem Stollen geschaffenen Kapazitätsreserve könne auch auf die umstrittene Aarebaggerungen definitiv verzichtet werden. Im generellen Wasserbauplan sei diese Möglichkeit noch offen gelassen worden.

BLS-Schiffahrt

Auch für die Schiffahrt wird der Entlastungsstollen als günstiger bezeichnet. Beim Betrieb des im kantonalen Wasserbauplan vorgesehenen Entlastungskanals wäre im Schiffahrtskanal eine problematische Querströmung entstanden, die das Manövrieren der Kursschiffe erschwert hätte. Die Öffnung des Entlastungsstollens am Ende des Kanals verursache dagegen nur noch eine Längsströmung, die das Landen und Ablegen der Kursschiffe kaum beeinflusse.

Keine negativen Auswirkungen für Bern

Der Entlastungsstollen in Thun habe keine negativen Auswirkungen für Bern, heisst es im weiteren. Das Hochwasserrisiko werde tendenziell eher verringert. Eine Koordination mit den geplanten Hochwasserschutzmassnahmen der Stadt Bern im Raum Schwellenmätteli/Matte sei sinnvoll. Beide Projekte könnten aber auch unabhängig voneinander geplant und realisiert werden.
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