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Zäher Federball trotzt Schnee und Kälte Harte Zeiten für einen der kleinsten einheimischen Vögel. Die kalte Jahreszeit kann dem Zaunkönig übel mitspielen. Trotzdem schlägt der braune Federball dem Winter ein Schnippchen – trickreich und mit grosser Klappe.
Eigentlich ist es Physik: Ein Glas Wasser gefriert rascher als der Inhalt einer Badewanne. Genau mit diesem Problem kämpft der Zaunkönig im Winter. Sein winziger Körper von nur zehn Gramm Gewicht hat eine ungünstig grosse Oberfläche und kühlt rasch aus. In den kurzen Tagen muss der kleine braune Vogel mit dem gestelzten kurzen Schwanz deshalb viel Nahrung beschaffen, um seinen Körper zu heizen. Das ist nicht einfach. Spinnen und Insekten, die der Vogel frisst, machen sich im Winter rar. Um sie aufzustöbern, ist der Zaunkönig ständig in Bewegung. Er schlüpft wie eine Maus durch Holzbeigen, durchs Gestrüpp oder Efeu. Oft verrät er sich nur durch seinen trockenen und recht lauten «zerrrr»-Ruf. Pro Natura (Bild und Text) www.pronatura.ch Klirrend kalte Nächte übersteht er in Baumhöhlen, die er sich gelegentlich mit Artgenossen teilt: Körperkontakt hält warm. Ausserdem suchen die Zaunkönige im Winter oft Vorgärten mitten in der Stadt auf. Hier ist es deutlich milder als im Umland, was dem Winzling über den Winter hilft. Hält eisige Kälte aber über Wochen an, erleben viele Zaunkönige den Frühling nicht. So klein er ist, so gross ist seine Stimme. Selbst mitten im Winter kann man den braunen Winzling singen hören. Der schmetternde Gesang trägt 500 Meter weit, und der Schalldruck in einem Meter Abstand beträgt satte 90 Dezibel. Das entspricht dem Lärm, den ein Lastwagen im Vorbeifahren produziert. Kein Wunder ist der Zaunkönig schon frühen Kulturen aufgefallen. Aus der Antike ist die Fabel über die Königswahl bei den Vögeln überliefert. Der Zaunkönig und der Adler trugen einen Wettstreit um den Königstitel aus. König sollte derjenige werden, der höher fliegen konnte. Der listige Zaunkönig liess sich auf den Schultern des Adlers in die Lüfte tragen. Als dieser müde wurde, flog er los, um den Adler an Höhe zu übertreffen. Die anderen Vögel aber goutierten den Trick nicht und sperrten ihn in ein Mausloch. Die Gebrüder Grimm haben die Geschichte im Jahr 1812 übernommen und in ihre Märchensammlung aufgenommen. Unklar ist, ob die Geschichte dem Vogel seinen Namen gegeben hat oder ob er die Geschichte angeregt hat. Auch der griechische Naturwissenschafter Aristoteles (380 Jahre vor unserer Zeitrechnung) nannte ihn Basileus (= König) oder Basiliskos (= Königlein). Diese Benennung war sehr erfolgreich. Immerhin findet sich der Königsname für den kleinen Federball in verschiedenen europäischen Ländern. Sogar in Japan heisst der Zaunkönig «König der Vögel». Die Geschichte aus der Antike hat bei uns die altgermanische Namensform für den Zaunkönig, «wrendo», verdrängt. Im Englischen («wren») hat sie sich jedoch bis heute gehalten.
Berichte und Meldungen im November 2004
Aktuelle Frontpage Berner Oberland News (www.beo-news.ch) Archiv vom 4. Mai 1996 bis Ende des vergangenen Monats Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg |
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