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BLM: Gesamterneuerung oder Betriebseinstellung ist die Frage
Die Standseilbahn von Lauterbrunnen auf die Grütschalp sei seit ihrem Bestehen einer dauernden Deformation infolge einer Hangrutschung unterworfen, wurde am Mittwochnachmittag an einer Medienorientierung der Jungfraubahnen erinnert. Diese Deformationen bedingten einen stetigen Unterhalt des Gleises. Eine Beschleunigung der Hangrutschung im Jahr 1999 – siehe auch Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren wieder durchgehend in Betrieb vom Samstag, 31. Juli 1999 – habe zu starken Schäden am Unterbau und zu einem vorübergehenden Betriebsunterbruch geführt: «Die Zukunft der über 110jährigen bereits zum Teil stark beschädigten Bahnanlage muss wegen dieser Randbedingungen pessimistisch beurteilt werden; es muss in absehbarer Zeit mit einer Teilzerstörung wichtiger Kunstbauten – zum Beispiel Gryfenbachviadukt – gerechnet werden.» Bei den ersten beiden Varianten könnten laut BLM die zusätzlichen Abschreibungskosten auf den Investitionen grösstenteils durch Reduktion der Betriebskosten aufgefangen werden. Dies sei bei der dritten Variante keinesfalls möglich: «Aus wirtschaftlichen Überlegungen würden wir die Variante Windenluftseilbahn bevorzugen, nicht zuletzt auch deshalb, weil die zukünftigen Unterhaltskosten unter denjenigen einer Standseilbahn liegen würden.» Die BLM könnte jedoch auch akzeptieren, «wenn aus Gründen der Kundenansprüche, die Die 113 Jahre alte Standseilbahn von Lauterbrunnen auf die Grütschalp. In den Diskussionen am Rande wurde laut Walter Steuri, Vorsitzender der BLM-Geschäftsleitung auch immer wieder argumentiert, die Bahn könne auch in Zukunft mit jährlichen Kleinsanierungen wie in den vergangenen Jahrzehnten betriebsfähig erhalten werden: «Diese Wunschvorstellungen müssen gestützt auf die vorliegenden Studien des Geologen, der externen und internen Ingenieure sowie der Stellungnahme der Aufsichtsbehörde ein für alle Mal beerdigt werden.» Die Seilbahn der BLM stehe vor dem Entscheid Gesamterneuerung oder Betriebseinstellung in absehbarer Zeit. Um die Gesamterneuerung bis in sechs Jahren realisieren zu können, müssen laut Steuri bis in drei Jahren der Variantenentscheid gefällt und die Finanzierung abgeklärt sein. Erschliessung des autofreien Kurortes Mürren Der Geologe Hans-Rudolf Keusen (Geotest AG) wies an der Medienorientierung in Lauterbrunnen darauf hin, die Grütschalpbahn sei seit ihrem Bestehen einer dauernden Deformation infolge einer Hangrutschung unterworfen. Diese Deformationen bedingten einen stetigen Unterhalt des Gleises. Eine Beschleunigung der Hangrutschung im Jahr 1999 habe zu starken Schäden am Unterbau und zu einem vorübergehenden Betriebsunterbruch führte: «Die Zukunft der über 110jährigen, bereits zum Teil stark beschädigten Bahnanlage muss wegen dieser Randbedingungen pessimistisch beurteilt werden; es muss in absehbarer Zeit mit einer Teilzerstörung wichtiger Kunstbauten gerechnet werden. Die bestehende Standseilbahn sei praktisch auf ihrer ganzen Länge von einer schiefwinklig einwirkenden Hangbewegung betroffen. Die Hangbewegungen würden auch in Zukunft anhalten. Sie könnten sich sogar intensivieren durch ein gehäufteres Auftreten von Extremjahren: «Eine Stabilisierung der Hangbewegung ist technisch sehr schwierig, die Aussichten auf die Nachhaltigkeit solcher Massnahmen sind ungewiss.» Diese Hangbewegung führe zu Verschiebungen in den nächsten 40 Jahren von bis zu zweieinhalb Meter. Sie wirke unregelmässig auf die Konstruktion ein. Es müsse befürchtet werden, dass diese Bewegung in absehbarer Zeit Teile wichtiger Bauwerke – zum Beispiel den Gryfenbachviadukt – zerstöre. Dies würde praktisch einen Neubau der Anlage bedingen: «Dieses ungünstige bauliche Umfeld führt zu den hier aufgestellten grundsätzlichen Betrachtungen bezüglich eines Erhalts respektive Ersatzes der bestehenden Grütschalpbahn.» Walter Steuri, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren AG führte hinsichtlich der Bedeutung der BLM aus, die Bahn erbringe im öffentlichen Auftrag wertvolle Leistungen: * Sie sei das wichtigste Glied in der öV-Kette bei der Erschliessung von Mürren. * Sie transportiere rund 500'000 Gäste pro Jahr. * Sie sei zusammen mit der Schilthornbahn ein valabler Strassenersatz. * Die Attraktivität der Strecke (insbesondere Grütschalp–Mürren) sei von hohem touristischem Wert. * Sie habe in der Güterversorgung von Mürren eine zentrale Stellung (Transportvolumen 5000 bis 13'000 Tonnen jährlich) * Sie bietet 38 Mitarbeitern eine Arbeitsstelle. «Es ist deshalb unsere Aufgabe, uns mit aller Kraft für den Ersatz der heutigen Standseilbahn einzusetzen», führte Steuri aus: «Wir sehen uns in unseren Bestrebungen bestärkt durch das grundsätzliche Bekenntnis der Bevölkerung von Mürren für die BLM und auch durch die Stellungnahme der Schilthornbahn, die in ihrem Schreiben vom 30. Oktober 2001 an den Gemeinderat von Lauterbrunnen festgehalten hat, dass die BLM für die Erschliessung des Ortes Mürren eine grosse Bedeutung habe und dass sie hoffe, die Finanzierung einer Ersatzanlage werde möglich sein.» Zur Finanzierung und zum weiteren Vorgehen wies Steuri darauf hin, die BLM erbringe ihre Leistungen im öffentlichen Auftrag und erhalte hierfür von Bund und Kanton Abgeltungen. Ohne diese Abgeltungen wäre der Betrieb der Bahn nicht möglich. Die Finanzierung der Ersatzinvestition liege weit über der Finanzkraft der BLM. In dieser Situation seien die meisten Bahnen des allgemeinen öffentlichen Verkehrs. Aus diesem Grunde habe der Gesetzgeber mit Art. 56 Eisenbahngesetz (EBG) ein Instrument vorgesehen, um die Finanzierung von Erneuerungen solcher Transportanlagen trotzdem zu ermöglichen. Obschon die BLM eine 77-Prozent-Tochter der Jungfraubahn Holding AG sei, dürften nicht Mittel der Holding-Gesellschaft zur Subventionierung dieser öffentlichen Aufgabe eingesetzt werden. Aktienrechtliche Prinzipien würden dies nicht zulassen. «Anderseits müssen wir akzeptieren, dass auch hier der Grundsatz «wer bezahlt befiehlt» gelten wird.» Es werde also in erster Linie an Bund und Kanton liegen, über das weitere Schicksal der öffentlichen Verkehrsverbindung Lauterbrunnen–Grütschalp–Mürren zu entscheiden: «Nachdem nun die wesentlichen Entscheidgrundlagen auf dem Tisch liegen, werden wir zusammen mit der Gemeinde Lauterbrunnen den erneuten Kontakt zum Kanton aufnehmen, um gemeinsam die weiteren Schritte, insbesondere auch den Einbezug des Bundes, zu besprechen.»
Berichte und Meldungen im September 2004
Aktuelle Frontpage Berner Oberland News (www.beo-news.ch) Archiv vom 4. Mai 1996 bis Ende des vergangenen Monats Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg |
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