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Die Gastkolumne: Mürren – quo vadis? «The Future of Mürren» ist ein Artikel von Andrew Gunz in der Kandahar Review, dem Jahrbuch des am 30. Januar 1924 in Mürren gegründeten Kandahar Ski Club, überschrieben – ohne Fragezeichen. Die Familie des 60jährigen A.J. Gunz , C.B.E. (Commander of the Order of the British Empire), besitzt eine Ferienwohnung in Mürren. Das K-Mitglied kennt das höchstgelegene und ganzjährig bewohnte Berner Dorf sommers und winters; mehr als nur Tourist, sondern als ein am Leben und Überleben dieser Sommer und Winterstation interessierter Gast. In zwei Beiträgen hat der Engländer aus Northwood (Middlesex) liebevoll und nicht weniger kenntnisreich die Vergangenheit der Gastbetriebe dieser traditionsreichen Siedlung über dem Lauterbrunnental in Bild und Wort aufgezeichnet. Eine Gedankenskizze von Erwin A. Sautter-Hewitt
Erwin A. Sautter, langjähriger Mürrner Tourismusdirektor und Initiant der «First International High Alpine Ballooning Week» in Mürren, lebt heute als freier Journalist in Zumikon. In den Bildreportagen «Mürren Hotels from the Past», erschienen 2003 und 2004, leuchtet die grosse Zeit dieses kleinen Dorfes (473 Einwohner) auf, einem Bezirk der Gemeinde Lauterbrunnen (total 3238 Einwohner), neben Wengen (1405), Gimmelwald (110), Stechelberg (263), Isenfluh (66) und Lauterbrunnen (901 Einwohner). Offerierte Mürren, so Gunz in seiner Analyse, 1948 in 19 Hotels noch 1000 Betten, wovon 250 allein in den beiden führenden Häusern, Grand Hotel & Kurhaus sowie Palace & Des Alpes, so hatte der Zweite Weltkrieg einen «devastating effect on the tourist industry in Mürren and 1945 effectively brought the epoch of Mürren Grand hotels to an end». 2004 bietet Mürren in 14 Hotels und 250 Ferienwohnungen 2000 Betten an, wovon weit über die Hälfe auf die Parahotellerie entfallen. Und so hat sich auch die Gästestruktur dieser einstigen exklusiven Sommerfrische und späteren Hochburg des britischen Skitourismus dank ihrem Begründer Sir Arnold Lunn (1888 bis 1974), dem «Erfinder des Slaloms» und «Vater des Arlberg-Kandahr-Rennens» (Toni Hiebeler in «Lexikon der Alpen», Gütersloh 1977), grundlegend verändert. Der in den Schilthornbahnkabinen am Kurort vorbeifliessende Massentourismus hat den ursprünglichen Dorfcharakter – ohne Anspruch auf besonderen Heimatschutz zwar – kaum beeinrächtigt aber auch keine hellere Zukunft als Oase der Ruhe – frei vom Moloch Motor – beschieden. Stimmen, die nach der Erschliessung dieser letzten autofreien Kurorte durch die Strasse als letzte Lösung für den angeblich drohenden Niedergang des Tourismus anpriesen, verhallten wiederholt an den steilen Wänden der Berner Viertausender oder hinten am Übergang zum Wallis wie eine Abstimmung der Wengener Bevölkerung im September 2004 ergab. Andrew J. Gunz sieht Mürren an einem Scheideweg, «to remain a uniquely attractive, quiet, car-free little village ultimately becoming uncompetitive as a modern tourist resort» oder dann die Flucht in einen Skizirkus für «more extensive and sophisticated skiing» auf Kosten der Einwohner: «At the socio-economic cost to the local community and regular visitors», wie der zeitweise ansässige britische Immobilienbesitzer befürchtet. Projektstudien der Universität Bern hätten die Bereitstellung neuer Beherbungseinrichtungen, Hotels wie Chalets, einem Nichtstun gegenübergestellt. Dies in der Gemeinde (Lauterbrunnen) mit dem höchsten Steuerfuss in der Schweiz, wie Gunz anmerkt und seine Zweifel an solchen Ideen bekundet. Zukunftsträchtige Höhenflüge wie die Gründung des Kandahar Ski Club vor 80 Jahren, anno 1924 in Mürren, sollte man aus den Reihen einer über 1000 Mitglieder zählenden Vereinigung unter erstmaligem Schweizer Präsidium erwarten dürfen, denen das Schicksal dieses geographischen Juwels nicht gleichgültig sein kann. Zum 20. Präsident des Kandahar Ski Club wird am 25. November 2004 anlässlich des Annual General Meeting in London der Berner Beat Hodler (Muri) gewählt werden. Ihm vorausgegangen als Vorsitzender sind unter anderem Persönlichkeiten wie der Parlamentsabgeordnete The Viscount Knebworth (1931 bis 1933) und Field-Marshal, The Viscount Montgomery of Alamein (1951 bis 1959). Die in der K-Review 2004 von A.J. Gunz geäusserten Gedanken über die Zukunft Mürrens dürfen nicht unbeachtet bleiben oder gart totgeschwiegen werden. Der Klub hat während 80 Jahren seine Treue zu seinem Geburtsort Mürren bewiesen. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich das Dorf aus der «Kolonialzeit» der Briten befreit und den Schritt vom touristischen Entwicklungsdorf in ein alpines Silicon Valley wagt. Wo Sir Arnold Lunn den Torlauf erfunden hat, da ist auch Raum, übers Leben von Menschen in den «Bergen der Welt» nachzudenken und weiter zu forschen.
Berichte und Meldungen im September 2004
Aktuelle Frontpage Berner Oberland News (www.beo-news.ch) Archiv vom 4. Mai 1996 bis Ende des vergangenen Monats Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg |
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