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Mittwoch, 27. Oktober 2004
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Thuner Fotograf erhält erstes Atelier-Stipendium

sth/bns. Ab März 2005 wird der Thuner Fotograf Christian Helmle für sechs Monate in der Kulturmetropole Berlin leben und arbeiten – und zwar im neu eingerichteten Residenzatelier der Stadt Thun. Die Kulturkommission der Stadt Thun hat ihn als ersten Kandidaten für das neue Atelierstipendium der Stadt Thun unter 14 Bewerbungen ausgewählt.

Der 52jährige Thuner Fotograf Christian Helmle. (Bild zvg)

Neben der künstlerischen Arbeit war laut einer Medienmitteilung für die Jury auch eine positive Rückwirkung auf die Thuner Kulturszene ein Auswahlkriterium: «Sie konnte unter hochqualifizierten und motivierten Bewerbungen einen ersten Kandidaten für das Atelierstipendium auswählen.» In Berlin erhalte Christian Helmle die Chance, seine künstlerischen Projekte weiterzuverfolgen, neu auszuloten und auszuweiten. Die Serie «Makan» könne ihre Fortsetzung im grosstädtischen Raum finden. «Makan» sei der arabische Begriff für Ort, Platz, Stelle: «Helmle erkundet dabei malerische Aspekte in der Fotografie und weicht die Grenzen des Mediums auf.» – «Les Eléphants Blancs», in Deutschland besser bekannt als «Kathedralen in der Wüste», stammten als Begriff aus der Nachkolonialzeit in Afrika, verlautet im weiteren: «So nannte man Fabriken und Bauwerke, welche durch internationale Institutionen breit finanziert, danach aber nicht oder nur in beschränktem Mass in Betrieb genommen wurden. Grössenwahn, Falscheinschätzungen, Profilierungssucht einer Region oder politischer Exponenten mögen Gründe sein, welche zu einer absurden und überdimensionierten Infrastruktur führten.» Als Schwerpunkt in seiner künstlerischen Arbeit habe Christian Helmle eine Fotoserie mit leerstehenden Bauwerken in Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz geschaffen. Während seines Berlinaufenthalts wolle er nun das Projekt öffnen für Objekte und Landschaften im Osten Berlins, in der ehemaligen DDR also: «Stillgelegte Plattenbauten, verlassene Militärbauten und hinfällig gewordene Industrieanlagen könnten neue Themen sein.»

Ein Vierteljahrhundert für die Fotografie

Der 52jährige Christian Helmle absolvierte laut Medienmitteilung die Fotoschule Vevey und arbeitet seither als freischaffender Fotograf. Im Jahr 1987 habe er das eidgenössische Stipendium für angewandte Kunst und 1999 den Fotopreis der Stadt Thun erhalten. An der schweizerischen Landesausstellung «Expo 02» habe er in Neuenburg mit grossdimensionierten Tableaux die Eingangstore zum Pavillon «aua extrema» gestaltet. Im Jahr 2003 habe er die Landschaften des Malers Ferdinand Hodler fotografisch nachempfunden.

Kulturaustausch als Leitidee in der Kulturförderung

Für die Jahre 2006 bis 2009 werde die Kulturabteilung der Stadt Thun das halbjährige Atelierstipendium wiederum ausschreiben, heisst es im weiteren: «Kulturaustausch ist eine der vier Leitideen in der Kulturförderung der Stadt Thun und das Atelierstipendium ein neues Instrument zu dessen Umsetzung.» Das Wohnatelier befinde sich in Berlin-Friedrichshain in einem restaurierten ehemaligen Gewerbegebäude und sei Teil des Gesamtkonzepts «La Fabrik». Vor sechs Jahren hätten dort die beiden Künstler Rainer Düvell und Jenny Brockmann einen Ort der Begegnung, Kunst und Kreativität initiiert: «Nachdem sie einen privaten Investor gefunden hatten, konnte das Gebäude saniert und nun eine Etage von der Stadt Thun gemietet werden.» Aktuell suche die Kulturabteilung noch Sponsoren für eine zweckmässige Einrichtung der ehemaligen Gewerberäume: «Ein Atelier in der Kulturmetropole Berlin bietet Infrastruktur, Umfeld und Inspiration, die für künstlerisches Schaffen zentral sind.»
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