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Donnerstag, 16. September 2004
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Wanderfalter auf dem Flug ins Ungewisse

Nicht nur Vögel fliegen im Herbst nach Süden. Auch diverse Schmetterlinge versuchen, sich vor Kälte und Hunger in Sicherheit zu bringen. Dafür nehmen sie sogar die Strapazen einer Alpenquerung auf sich. Aber anders als der Vogelzug ist die Wanderung der Schmetterlinge kaum erforscht.

Der Admiral (Vanessa atalanta) – siehe auch Ein prächtiger Sommergast in Ringgenberg vom Mittwoch, 29. Juli 1998 – zählt zu den Edelfaltern . Unser Bild zeigt ein Exemplar dieses Wanderfalters an einem Schmetterlingsflieder. (Archivbilder Peter Schmid)

Schnurstracks zieht ein Admiral über den Hahnenmoospass im Berner Oberland und verschwindet im unendlichen Blau des Herbsthimmels Richtung Südwesten. «Jeden Herbst überqueren einige Zehntausende dieser Schmetterlinge sowie andere Wanderfalter den Pass», sagt der Pro-Natura-Biologe Christoph Vogel. Er schätzt aufgrund seiner Zählungen, dass schon an einem einzigen sonnigen Oktobertag bis zu 12'000 Individuen den Hahnenmoospass überfliegen. Um wandernde Schmetterlinge zu beobachten, braucht man allerdings nicht auf einen Alpenpass zu fahren. «Schaut man an einem klaren Herbsttag in den Himmel, kann man selbst in Städten Admiralen und Distelfaltern zusehen, wie sie nach Süden ziehen», erklärt Vogel.

Erforscht ist nur der Monarch

Unter den einheimischen Schmetterlingen gibt es eine erstaunlich grosse Anzahl an Arten, die wie Zugvögel jeden Herbst in südliche Gebiete wandern. Dazu gehören neben dem Admiral und dem Distelfalter auch rund 80 Nachtfalter, darunter der bekannte Totenkopffalter. Nur: Anders als der Vogelzug ist das Phänomen des Schmetterlingszugs viel weniger bekannt – und es ist auch kaum erforscht.
Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz
Besser bekannt ist nur das Zugverhalten des Monarchs. Dieser wunderschöne Falter legt bis zu 4500 Kilometer zurück, um von seinen «Brutgebieten» im Norden der USA nach Mexiko zu gelangen. Freiwillige markieren die Falter mit kleinen Klebern. Damit ist es gelungen, die Wanderroute einzelner Individuen nachzuvollziehen. Wie die Monarche die Winterquartiere finden, ist aber nach wie vor ihr Geheimnis.

Der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) wird als ein besonders in Afrika weitverbreiteter Falter beschrieben, der als Wanderfalter jährlich in geringer, gelegentlich auch in grösserer Zahl im Sommer  nach Mitteleuropa einfliegt. Unser Archivbild – siehe auch Verschiedenfarbige Raupen des gleichen Falters vom Donnerstag, 3. September 1998 – zeigt die eine von zwei Farbversionen von Totenkopfschwärmer-Raupen auf einer Kartoffelstaude in Ringgenberg

Falter, flieg oder stirb!

Ob «unsere» Wanderfalter ihre Winterquartiere erreichen, ist ebenfalls nicht bekannt. Zu schwierig ist es, den Flug der zerbrechlichen Leichtgewichte mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Bekannt ist, dass Admiral, Distelfalter und andere jeden Frühling von Süden her in die Schweiz einwandern und dabei die Alpen überqueren. Sie vermehren sich hier, und die dritte Generation versucht, im Herbst in das Ursprungsland ihrer Urgrosseltern zurückzugelangen. Immer häufiger finden Insektenkundler aber auch einzelne Individuen, die in der kalten Schweiz ausharren. Viele der Wanderfalter allerdings, die dem Frost nicht mehr entkommen, gehen zugrunde.
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Berichte und Meldungen im September 2004

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