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Donnerstag, 30. September 2004
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«Zimmerschlacht» am 8. Oktober in Interlaken

pd/bns. Das aus der Fernseh-Soap «Lüthi und Blanc» bekannte Ehepaar Catherine und Martin Lüthi – die gebürtige Gstaaderin Isabelle von Siebenthal und ihr Ehemann Hans Schenker – verlässt das Terrain der leichten Unterhaltung und wagt sich mit der Theatereigenproduktion von Martin Walsers «Zimmerschlacht» in ernstere Gefilde. Die beiden gastieren am Freitag, 8. Oktober 2004, 20 Uhr im Casino-Kursaal Interlaken und danach in verschiedenen anderen Städten der Deutschschweiz.

Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker in «Zimmerschlacht». (Bilder zvg)

Das von Martin Walser in den Jahren 1962/63 für den Regisseur und Intendanten Fritz Kortner geschrieben Stück «Zimmerschlacht» ist von Hans Schenker als Dialektfassung in die heutige Zeit transportiert und ins Schauspielermilieu verlegt worden. «Damit ereichen wir eine grössere Authentizität, einen direkteren Sprachgestus und einen engeren Rapport mit dem Publikum», führt Schenker zur Umsetzung aus: «Durch die Tatsache, dass wir das Stück ins Schauspielermilieu transponiert haben, erreichen wir weniger Fiktion, dafür mehr Realität.» Das Stück «Zimmerschlacht» – Premiere war im März 2004 im Berner Käfigturm – spielt an einem Schauplatz, nämlich im privaten Wohnbereich der Schauspieler.

Jagd durch Himmel und Hölle

«Zimmerschlacht» von Martin Walser wird als ein Zweipersonenstück für einen Mann (Felix 45) und eine Frau (Trude 40) beschrieben: «Die beiden sind seit zwanzig Jahren verheiratet. Er ist Lehrer und sie Hausfrau. Es spielt Anfang der sechziger Jahre in Deutschland. Das Ehepaar ist zur Party des Schuldirektors eingeladen. Das Stück spielt in der Wohnung von Felix und Trude ein paar Stunden vor der Party. Felix wehrt sich mit Händen und Füssen gegen die Einladung. Für ihn ist sie eine hierarchische Nötigung, die nur zum Zwecke der Machtdemonstration des gehassten Direktors dienen soll. Felix will seine Frau dazu bringen, seinen Boykott zu unterstützen, und den Abend solidarisch mit ihm zu Hause zu verbringen. Seine Frau willigt ein, aber nur unter der Bedingung, dass ihr stattdessen etwas geboten wird. Nach und nach wird aus der hauslichen Zweisamkeit in der Wohnung ein erbarmungsloser Showdown. Die beiden jagen sich durch Himmel und Hölle und ersparen sich nichts. Sie entblössen gegenseitig die Schwächen des anderen und legen schamlos ihre Lebenslagen frei. Sie überfordem sich dabei und kommen sich in ihrer Hilflosigkeit doch näher. Das Ende des Abends hört auf wie ein missglücktes aber mögliches Happyend und schliesslich entscheiden sie sich, die Party doch aufzusuchen. Der Feind ist der andere.»

Dialektfassung von Martin Walsers «Zimmerschlacht»: «Weniger Fiktion – dafür mehr Realität.»

Erlogene Heldentat als Sturzkampfbomberpilot

«Wir haben in keiner Weise den Ehrgeiz dem Stück irgend etwas überzustülpen», beteuert Hans Schenker: «Die Dialektbearbeitung ist schon dreist genug und wir waren sehr erleichtert, als uns Martin Walser nach der Lektüre grünes Licht gegeben hat.» «Zimmerschlacht» erinnere an «Who is afraid of Virginia Wolf», sei aber vor jenem Welterfolg entstanden. Das Stück wirke durch sein Umfeld und Ambiente etwas verstaubt: «Es spielt im Nachkriegsmilieu Deutschlands, ist geprägt vom psychologischen Groove der fünfziger Jahre.» Sie sei ein Weibchen, er ein missglückter Macho und das nehme sie ihm übel: «Seine Lebenslüge basiert auf der Tatsache, dass er ihr eine Heldentat als Stukaflieger im zweiten Weltkrieg vorgelogen hat, die sich an jenem Abend als Lüge entpuppt.» Das Stück sei in die. heutige Zeit transportiert und ins Schauspielermilieu verlegt worden: «Der Direktor ist bei uns der Produzent und die Stukafliegerlüge ist ein Fliegerstunt in einer amerikanischen Grossfilmproduktion.» Das Weibchen sei eine starke Frau geworden und heisse in der stark geänderten Dialektbearbeitung Laura: «Das Zusammenleben der beiden Protagonisten ist geprägt vom Zeitgeist des 21. Jahrhunderts.»

«Darstellerisches Risiko»

Sowohl die Fernseh-Soap «Lüthi und Blanc» als auch das Boulevardstück «Harmony», mit dem sich Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker im Jahr 2002 einem Theaterpublikum als Ehepaar vorgestellt haben, stuft Schenker als leichte Alltagskost und lockere Unterhaltung ein: «Mit ‹Zimmerschlacht› möchten wir ein darstellerisches Risiko eingehen. Wir verlassen unser bekanntes Terrain der leichten Unterhaltung und wagen uns in ernstere Gefilde vor. Wir möchten nicht mehr eine Publikumserwartung bedienen, sondern wollen es uns und den Zuschauern schwerer machen, indem wir das Klischee durchbrechen. ‹Zimmerschlacht› halten wir deshalb für ein ausgezeichnetes Stück, weil es heiter und humorvoll daherkommt wie ein Boulevardstück und auf einmal abstürzt in atavistische Tiefen, in Ängste und Abgründe menschlicher Psyche, um wieder aufzutauchen und als lockeres Boulevardstück zu enden. Es gibt wenige Zweipersonenstücke, die diese Bandbreite für zwei Schauspieler zur Verfügung stellen. Ausserdem halten wir die Problematik für klassisch. Jedes Paar kennt diese Abgründe, jedes Paar kennt diese Ängste, jedes Paar kennt diese distanzlose Nähe, diese Übergriffe und Schamlosigkeiten. Verletzungen, die unausweichlich sind, wenn man eine gewisse Strecke des Lebens zusammen verbracht hat. Aber gerade in der Betrachtung dieser zwangsläufigen Verletzungen, die sich dieses Paar zufügt, liegt für den Zuschauer die Chance, die Mechanismen zu durchschauen und es privat besser zu machen. Es zumindest zu versuchen, weil er ja exemplarisch miterlebt, wohin grobe Fahrlässigkeiten führen können.»

«Zimmerschlacht». Freitag, 8. Oktober 2004, 20 Uhr im Casino-Kursaal Interlaken. Tickets sind erhältlich bei Beo-Tickets unter www.beo-tickets.ch oder telefonisch über die Beo-Tickets-Hotline unter 0900 38’38’00. Weitere Informationen gibt es auch auf der Homepage www.schenker-vonsiebenthal.ch
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