wo Patientinnen und Patienten
auch Gäste sind
Popnet Spiez
Ihr Internet-Provider

im Berner Oberland

Ihr Ferien- und Seminarhotel in Interlaken

Berner Oberland News
Unabhängige laufend aktualisierte Internet-Zeitung
Berichte und Meldungen seit Mai 1996
Dienstag, 14. September 2004
zurück zur aktuellen Frontseite
70 Meter über dem tosenden Gletscherwasser spannen sich die Stahlseile der 101,6 Meter langen Brückenkonstruktion über die Triftschlucht. (Bilder Beat Kohler/Dora Schmid-Zürcher)

Kühne Stahlseilbrücke über die Triftschlucht

ds/pvr. Der wegen des massiven Rückzugs des Triftgletschers im Sustengebiet und des dabei durch Schmelzwasser gebildeten Sees in diesem Bereich unterbrochene Weg zur Trifthütte führt künftig in schwindelnder Höhe 70 Meter über das tosende Triftwasser bei der Windegg. Heute Dienstag ist mit der Montage der Planken für die mit einer Spannweite von 101,6 Meter längste und höchste Hängeseilbrücke Europas über die Triftschlucht begonnen worden. Rund anderthalb Monate nach Baubeginn ist die offizielle Eröffnung der aus sechs Stahlseilen bestehenden Brücke für Anfang Oktober vorgesehen.

Der Triftgletscher ist in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen und das Schmelzwasser hat einen See gebildet. Allein im vergangenen Jahr 2003 wurde der Gletscher 152 Meter kürzer. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

Die Brückenkonstruktion ist nach Angaben von Walter Brog, Hüttenchef der Trifthütte, Initiant und Brückenprojektleiter die höchstgelegene und längste für Alpinisten gebaute Hängeseilbrücke Europas. Die vom Brückenbauspezialisten Johannes Pfaffen aus Chur berechnete Konstruktion werde nach nepalesischer Bauweise ausgeführt und bestehe aus 220 vorfabrizierten Stahlteilen und 210 Lärchenholzplanken. Die Brücke ist laut einer Dokumentation als einfaches, unversteiftes Tragwerk berechnet worden: «Eine maximale Belastung von 750 Kilogramm pro Quadramter zuzüglich des Eigengewichts ist in der Statikberechnung berücksichtigt worden; die Zugkräfte betragen 117 Tonnen je Seite.» Finanziert werde das Brückenprojekt gemeinsam von der SAC-Sektion Bern als Besitzer der Trifthütte, vom Schweizer Alpen-Club und der Kraftwerke Oberhasli AG: «Mit diesem Projekt können in Zukunft schwerwiegendere Unfälle vermieden werden und ein sicherer Zustieg zur Trifthütte gewährleistet werden.» Bei dieser Brücke ist nach Angaben des Konstrukteurs versucht worden, die Kosten tief zu halten. So würden gebrauchte aber absolut tragfähige Seile verwendet. Insgesamt würden rund drei Tonnen Stahl verbaut. Die Kosten für die Brücke beliefen sich auf rund 180'000 Franken, wovon jedoch rund 70'000 Franken auf Eigenleistungen entfielen. Bei der Stahlseilbrücke über die Triftschlucht handle es sich um eine einfache aber sichere und unterhaltsarme Konstruktion – eine Brücke also, die fast ewig halte. Vorerst sei auch der Einbau eines Stahlbelags geprüft worden, doch habe man sich aus Kostengründen für imprägniertes Lärchenholz entschieden. Unterlagsscheiben verhinderten, dass der Holzbelag direkt auf dem Stahl liege und die Luft könne auch durch Spalten zwischen den Planken zirkulieren : «Das Holz wird sicher 20 bis 30 Jahre halten und dann muss man halt ab und zu eine Planke auswechseln.»

Der Brückenbauspezialist Johannes Pfaffen (links) und Projektleiter Walter Brog (rechts).

Als sehr positiv bezeichnete der Ingenieur Johannes Pfaffen am Dienstag bei einer Besichtigung der Brückenbaustelle, dass für die relativ einfache Konstruktion lokales Baumaterial habe verwendet werden können und auch die Stahlträger seien von einem einheimischen Schlosser und seinen Mitarbeitern gefertigt worden. Pfaffen hat nach eigenen Angaben bereits in den Jahren 1974 bis 1978 als Projektleiter für Helvetas in Nepal solche Brücken gebaut und dabei einen Standard für derartige Konstruktionen entwickelt. Von diesem Standardbrücken gebe es heute 300 bis 400. In den Jahren 2000 bis 2003 habe er auch in Bhutan Brücken gebaut, vor allem Strassenbrücken, daneben aber auch Hängebrücken. Als Autor von zwei Büchern über Hängebrücken – ein theoretisches Werk und eines über den Bau von Hängebrücken – seien viele Anfragen eingegangen und in diesem Sommer habe er an der Universität von Katmandu während sechs Wochen Vorlesungen über den Bau von Hängebrücken gehalten. Pfaffen wies im weiteren darauf hin, überraschenderweise hätten in Nepal auch die Touristen keine Probleme beim Überqueren von solchen Hängebrücken gehabt. Dort seien die Brücken 1,2 Meter breit, damit die Nepalesen auch mit ihren als Reit- und Tragtiere dienenden Yaks über die Brücken gelangten. Demgegenüber sei die Triftbrücke nur 60 Zentimeter breit und einen Meter hoch: «Deshalb kann man sich beim Überqueren sehr gut auf beiden Seiten halten und da die Brücke nicht versteift ist, beträgt auch die seitliche Schwingung nur etwa 10 bis 20 Zentimeter; die Brücke schwingt eher vertikal.»

Täglich fotografiert eine von Fachleuten der ETH installierte Kamera den Gletscher. Im Auftrag des Kantons Bern und im Rahmen der Arbeiten an einer Gefahrenkarte für die Gemeinde Gadmen werden mögliche Auswirkungen einer Flutwelle abgeklärt, die entstehen könnte, wenn in der Steilstufe des Gletschers Eis abbräche und in den See stürzte.

Die Erschliessung der SAC-Trifthütte sei nach dem Rückgang des Triftgletschers – siehe auch Triftgletscher: Mögliche Auswirkungen einer Flutwelle werden untersucht vom Freitag, 26. September 2003 – ein grosses Problem gworden, verlautet dazu im weiteren. Bislang habe der Weg von der Windegghütte in südöstlicher Richtung zum Punkt 670'150/171'750 und über steil abfallende Leitern hinunter auf die Gletscherzunge des Triftgletschers geführt. Von dort aus habe man den Gletscher in südöstliche Richtung bis auf eine Höhe von 1900 Meter über Meer überquerte. Via «Telltiblatti» habe der Weg am Südhang entlang hinauf zur Trifthütte geführt: «Der Rückgang des Gletschers verhindert einen Abstieg über Leitern auf den Gletscher anstelle dessen heute ein grosser See entstanden ist.» Der Bergsteiger sei gezwungen gewesen, am Nordhang entlang einen mühsamen Aufstieg bis auf eine Höhe von 2660 Meter über Normalnull (Punkt 669'500/169'300) zu bewältigen um dann wieder zirka 200 Meter abzusteigen und anschliessend den Triftgletscher oberhalb des Abbruches zu überqueren: «Diese Route ist ausschliesslich gut ausgerüsteten Bergsteiger mit alpiner Erfahrung vorenthalten, da die Gletscherquerung in Spaltenrichtung erfolgt und vor allem im Frühsommer und Spätherbst eine genaue Routenwahl und Lagebeurteilung erfordert.» Der mühsame und nicht ungefährliche Hüttenzustieg sei erforderlich gewesen, weil der direkte Weg von der Windegghütte beziehungsweise vom Standort der alten Leitern zum Südhang durch die wilde Schlucht des Triftwassers verwehrt wurde. Seit jeher sei sowohl von Alpinisten, langjährigen Hüttenwarten und Alpsennen die Idee einer Brücke über die Triftschlucht diskutiert und angestrebt worden. Aus Kostengründen hätten jedoch alle bisherigen Projekte verworfen werden müssen.

Zurück an den Seitenanfang
zurück zur aktuellen Frontseite

Berichte und Meldungen im September 2004

Aktuelle Frontpage Berner Oberland News
(www.beo-news.ch)
Archiv vom 4. Mai 1996 bis Ende des vergangenen Monats

Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
Redaktionsstube Ringgenberg Telefon +41 33 821 10 61 und Fax +41 33 82110 64
Mobile  +41 79 427 45 78 / Wohnung privat +41 33 821 10 60 / Postcheckkonto 40-71882-7

Zurück an den Seitenanfang

***

E-Mail:
info@beo-news.ch


Leserbriefe an die Berner
Oberland News sowie Anfragen für Werbebanner und für Bilder in druckfähiger Auflösung 

Ferienwohnung in Ringgenberg
Nur etwa drei Kilometer vom weltbekannten Berner Oberländer Tourismuszentrum Interlaken entfernt vermieten im idyllischen Dorf Ringgenberg Adolf und Lisbeth Imboden-Amacher im Kreuzli eine schöne Ferienwohnung.


Ringgenberg-Goldswil am Brienzersee
mit seinem idyllischen Burgseeli ein idealer Ferienort.