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Dienstag, 1. Februar 2005
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Der Hecht – ein Kannibale in Hochzeitsstimmung
pn/bns. Mit dem eigenen Nachwuchs macht der Hecht manchmal kurzen Prozess. Doch ab Februar zeigt sich der grösste Raubfisch der Schweiz von seiner zärtlichen Seite: Die «tollen Hechte» halten Hochzeit.
Ein Hecht frisst einen Artgenossen. (Bild zvg/Pro Natura)
Noch ist das Wasser in Flüssen und Seen viel zu kalt zum Baden. Doch den Hecht hält das nicht davon ab, bereits im Februar Hochzeit zu feiern. In seichten Uferbereichen von Seen oder in überschwemmten Riedwiesen finden sich von Februar bis Mai die geschlechtsreifen Hechte zur Fortpflanzung ein. Das Weibchen legt über 100'000 Eier ins Wasser ab. Mehrere Männchen geben ihren Samen dazu, um sie zu befruchten. Diese Eier werden im Wasser klebrig und haften an den Wasserpflanzen.
Gefressen von der Verwandtschaft
Nach 10 bis 15 Tagen schlüpfen die Hechtlarven. Sie ernähren sich zuerst von ihrem Dottersack, später von im Wasser frei schwebenden Tierchen, dem Plankton. Doch kaum sind die Minihechte fünf Zentimeter gross, stellen sie auf ihre Hauptnahrung um: Fische. Der Hecht ist ein Lauerjäger. Er steht meist regungslos in der dichten Unterwasservegetation. Seine Färbung tarnt ihn ausgezeichnet. Hat er seine Beute erblickt, schiesst er aus seiner Deckung hervor und packt sie mit den scharfen spitzen Zähnen. Wählerisch sind sie nicht. So jagen sie nicht nur andere Fischarten, sondern sie leben kannibalisch: Neun von zehn Junghechten werden Opfer ihrer eigenen Artgenossen. Rasch wachsen Hechte heran. Ausgewachsene Männchen werden veritable Brocken von 1,5 Meter Länge und 25 Kilogramm Gewicht.
Kaputte Ufer taugen nichts
Als Lebensraum bevorzugt der Hecht langsam fliessende Flüsse und Seen mit vegetationsreichen Ufern. In der Schweiz ist er vor allem im Mitteland verbreitet. «Allerdings finden die Hechte immer weniger geeigneten Lebensraum», sagt Urs Tester, Artenschutzspezialist der Naturschutzorganisation Pro Natura: «Die meisten Ufer sind hart verbaut und bieten dieser Fischart weder Unterschlupf noch natürliche Laichplätze.» Den Nachwuchs lieferten deshalb vor allem Fischbrutanstalten. Sie hätten im Jahr 2003 über 34 Millionen Junghechte in Schweizern Gewässern ausgesetzt. «Langfristig wäre es nach Auffassung von Urs Tester für die Fische besser, wenn Flussauen und Seeufer renaturiert würden». Der Besatz mit Jungfischen kaschiere nur die schlechte Situation der Fische.
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
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