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Mittwoch, 16. Februar 2005
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«National» Interlaken: Umbau zur Seniorenresidenz gestartet

pd/pvr. Mit einem «ersten Hammerschlag» ist am Mittwoch offiziell mit dem Umbau des Hotels National in Interlaken zu einer Seniorenresidenz begonnen worden. Die Bauherrschaft rechnet damit, dass die Käufer von Wohnungen noch in diesem Jahr einziehen können.

Der «erste Hammerschlag». Von links nach rechts: Daniel Capelli (Martha Ruf Immobilien), Beat Trinkler, Delegierter des Verwaltungsrates, VR Peggy Kübler, VR-Präsident Christian Bütikofer, VR Hans Kübler, Verwalter der künftigen «Résidence National» und Architekt Fred Messerli. (Bild Dora Schmid-Zürcher)

Wegen Projektänderungen – namentlich soll die unter einer späteren modernistischen Verkleidung verschwundene einstige Jugendstilfassade des im Jahr 1906 eröffneten Hotels National rekonstruiert werden – hatte sich der Umbau des an der Höhematte im Zentrum von Interlaken gelegenen Hauses zu einer Seniorenresidenz verzögert. Dann verschob sich der für Anfang Dezember 2004 vorgesehenen Baubeginn – siehe auch Hotel National Interlaken: Umbau zur Seniorenresidenz mit Fassadenrekonstruktion vom Freitag, 12. November 2004 – noch einmal. Am 7. Februar 2005 habe nach einer Einigung mit der Interessengemeinschaft Zentralparkhaus Interlaken (IGZ) mit der Einrüstung des Gebäudes begonnen werden können. Nach der Baueingabe im August 2004 habe die IGZ eine Einsprache gemacht, Nach mehreren Gesprächen mit der IGZ – die Hotel National Interlaken AG habe ihrerseits eine Einsprache beim Parkhausprojekt eingereicht – sei unterdessen eine Vereinbarung über die Problematik der Parkplätze für die Mieter der Residence getroffen worden. Im neuen Parkhaus sollen acht Parkplätze dauernd gemietet werden können. Nun könnten also nach dieser Einigung beide Bauvorhaben realisiert werden.

Die unter einer modernistischen Verkleidung verschwundene ursprüngliche Jugendstilfassade (Archivbild Ostfassade) des im Jahr 1906 eröffneten Interlakner Erstklasshotels National. (Bild zvg)

Die Wiederherstellung der Belle-Epoque-Fassade des bislang von Hans Kübler geleiteten 70-Betten-Viersternhotels National dürfte mit Mehrkosten von rund zweieinhalb Millionen Franken verbunden sein. Ursprünglich war nach Angaben von Hans Kübler – als Verwalter der künftigen «Résidence National» obliegen ihm die Verwaltung des Restaurants, der Gewerbefläche, der Wohneinheiten und des Stockwerkeigentums – vorgesehen gewesen, das sechsgeschossige Haus bereits bis Ende 2004 mit Investitionen von mehreren Millionen Franken umzubauen.

Der Interlakner Gemeinderpräsdient André Morgenthaler bemerkte am «ersten Hammerschlag» er sehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge dieser Umnutzung und Neugestaltung entgegen. Traurig sei er, weil ein Viersternehotel in Interlaken verschwinde – Freude habe er aber daran, dass ältere Leute, die das Geld hätten, hier in Interlaken ihren Lebensabend geniessen wollten. Und mit der neuen Fassade werde dieses Haus sicher wieder ein kleines Bijou werden.

Der «Fassadenmord» aus dem Jahr 1967 – unser Archivbild zeigt die Westfassade – soll mit der Realisierung eines neuen Umbauprojekts rückgängig gemacht werden. (Bild Peter Schmid)

Von rund zwei Dutzend zum Verkauf vorgesehenen Wohnungen – allesamt seien sie rollstuhlgängig – sind nach Angaben der Hotel National Interlaken AG acht Wohnungen verkauft, zwei reserviert und für vier weiter bestünden Kaufverpflichtungen durch Handwerker. Im November sollen nach heutiger Planung und wenn sich nichts Unvorhergesehenes ereignet, die ersten Mieter einziehen können. Die Balkone der Wohnungen sollen mit der Neugestaltung der Fassade grösser und breiter werden. Die im Jahr 1967 der damals als modern geltenden Bauform des Hotels Metropol angepasste und mit Beton, Metall und Glas verblendete Belle-Epoque-Fassade soll nun in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz rekonstruiert werden. Leider sei von der alten Fassade nichts mehr hervorzuholen. Das Mansardendach werde nun heraufgezogen und im fünften und sechsten Stock entstünden Wohnungen die gewissermassen als Loftwohnungen oder Penthouse bezeichnen werden könnten. Zuoberst soll eine grosse innere 35 Meter lange Dachterrasse entstehen. Für das Restaurant Renaissance werde ein Pächter, ein guter Gastronom gesucht, der gute alte schweizerische und französische Küche anbiete. In der Hotelhallen-Lounge soll der Aufgang zum Wohnbereich mit Glas gestaltet werden, damit die schöne alte Hotelhalle auch als Erscheinungsbild bestehen bleibe.

Wechselvolle Geschichte

• Im Jahr 1836 baute die Familie Wyder auf dem Grundstück Nr. 1002 ein Wohnhaus mit drei Ladenlokalitäten im Erdgeschoss. Seit dann ist die Liegenschaft als «Wohn- und Geschäftshaus» im Grundbuch eingetragen

• Im Jahr 1864 erstellte die Familie Wyder einen Anbau mit Fremdenzimmern und nannte den Betrieb «Haus Wyder»

• 1906 wurde die Liegenschaft erneut vergrössert und erhielt den Namen «Pension Wyder»

• 1933 wurde die Liegenschaft in eine Familien AG mit dem Namen «National & City AG» umgewandelt. Aus der «Pension Wyder» wurde das «Hotel National»

• 1950 wurde diese AG von Jack und Christine Werder übernommen

• 1967 geschah der «Fassadenmord» mit dem Abriss der alten Belle-Epoche-Fassade und dem Erstellen der «hochmodernen» Aluminiumfassade. Dieser Vorgang wurde durch den Bau des «Metropole» Hotels ausgelöst. In dieser Dekade wurde alles was nach USA (mit Beton und Glas) aussah, als zeitgemäss betrachtet.

• 1982 wurde die «National & City AG» (und damit das Hotel National) durch die Familie Hans und Anny Kübler von Frau Christine Werder käuflich übernommen.

• 1999 wurde die alte «National & City AG» durch die neu gegründete «Hotel National Interlaken AG» abgelöst.

Idee Résidence

Nach seinen Angaben stellte Hans Kübler Stammgästen aus Basel, die nach der Pensionierung unbedingt nach Interlaken ziehen wollten, seine umgebaute Direktionswohnung im vierten Stock zur Verfügung, und so habe das Ehepaar im Jahr 1999 im National Einzug halten. In der Folge habe das Hotel weiterhin alle Dienstleistungen erbrachte, wie sie die neuen Mieter auch als Hotelgäste bezogen hätten. Jeweils am Monatsende sei dafür Rechnung gestellt worden.

Bei einer Verwaltungsratssitzung sei wieder einmal das Thema «Rückläufige Buchungsnachfragen – Krisenerscheinungen – Preisdumping anderer Hotels – Zwang zum Dienstleistungsabbau» und so weiter zur Sprache gekommen. Dabei sei von Peggy Kübler die Bemerkung «Bäpl, das Beste wäre, wir hätten das Haus voll von W...s (Name der Mieter)» gefallen: «Dieser Einwurf entfachte ein Brainstorming der besonderen Art, und so war der erste Nagel eingeschlagen.» Daraus habe sich die Idee einer Seniorenresidenz entwickelt, in deren Kern noch 16 Super-Junior-Hotelsuiten mit einem einmaligen Marketingkonzept erstellt werden sollten – unter dem Motto ‹Genuss- und stilvolles Wohnen joie de vivre› zu zahlbaren Preisen und Pflege sozialer Kontakte.» Leider habe sich keine Bank gefunden, die bereit gewesen wäre, den verkleinerten Hotelbetrieb mitzufinanzieren: «So beschlossen wir schweren Herzens der Hotellerie Adieu zu sagen und die gesamte Liegenschaft, wie sie sich heute präsentiert, als Résidence umzunutzen.»

Der Verwaltungsrat der «Hotel National Interlaken AG» besteht zum heutigen Zeitpunkt aus Verwaltungsratspräsident Christian Bütikofer, Hünibach, Reto Tschan, Merligen, Peggy Kübler, Thun und Hans Kübler, Interlaken. Der Verwaltungsrat werde in diesem Projekt von Beat Trinkler aus Saland, einem langjährigen Freund der Familie und des Hauses sowie ehemaligem Verwaltungsrat «der ersten Stunde» der «Hotel National Interlaken AG» unterstützt: In der Funktion eines Delegierten des Verwaltungsrates übernimmt er Sonderaufgaben.

Den weiteren Verlauf des Projekts schildert die Hotel National Interlaken AG wie folgt:

• Im April 2004 bestand ein fertiges Projekt in dem die Renovation der bestehenden Fassade vorgesehen war. Bei der Eingabe des Projektes bei der Gemeinde kam der Wunsch auf Wiederherstellung der alten Fassade auf. Die Gemeinde sowie die Denkmalspflege zeigten grosses Interesse daran, die Belle-Epoche-Fassade zu rekonstruieren, denn von der ursprünglichen Fassade war und ist nichts mehr unter dem Aluminium vorhanden.

• Nach langen Verhandlungen hat sich die «Hotel National Interlaken AG» im Sommer 2004 entschlossen, das Projekt zu ändern und die Rekonstruktion der Fassade in die Tat umzusetzen.

• Wohnungsreservationen, die zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden waren, wurden in der Folge zurückgezogen.

• Im September 2004 kam die Immobilienfirma Martha Ruf aus Unterseen, die vom Verwaltungsrat einen Exklusivverkaufsauftrag erhalten hatte, mit der neuen Verkaufsdokumentation auf den Markt.

• Zum Glück fand man in der Amtsersparniskasse Thun (AEK) eine Bank, die unserer Vision Glauben und Vertrauen schenkte, und die uns einen Baukredit zu vorteilhaften Bedingungen zusprach und sich in der Folge als sehr loyal zeigte.

• Durch freundschaftliche Beziehungen kamen wir auf das Architekturbüro Messerli Architekten und Planer AG in Belp. Deren Inhaber Fred Messerli liess sich von unserer Résidence-Idee begeistern. Mit unerhörtem Einsatz seines gesamten Teams trieb er die Planungsarbeiten voran und schuf die technischen Voraussetzungen, um mit dem Umbau beginnen zu können. Dieser begann am 7. Februar 2005 mit der Einrüstung des Gebäudes. Der Einzug der Käufer wird noch dieses Jahr erfolgen.

• Das neue Restaurant «Renaissance», in dem das gesamte vorhandene Mobiliar und die Bilder Wiederverwendung finden werden, wird zur Pacht ausgeschrieben. Es ist ein wichtiger Bestandteil unserer «Résidence-Philosophie», die folgende Schwerpunkte beinhaltet:

– Erbringung aller Dienstleistungen der Hauswirtschaft eines Hotelbetriebes wie: Bettenmachen, Putzen, Waschen der Tisch-, Bett-, Frotté-, Küchen- und Privatwäsche.

– Die Möglichkeit der Einnahme sämtlicher Mahlzeiten, sei es im Restaurant oder in der Wohnung (speziell in Krankheitsfällen).

– Bereitstellung eines Fahrdienstes mit dem Résidence-Fahrzeug. (Abholen von Geschäften mit vollen Einkaufstaschen, Besorgung von Einkäufen, Arztbesuche und so weiter).

– Bargeldloser Zahlungsverkehr – monatliche Rechnungsstellung durch die Verwaltung.

• Gewerberäumlichkeiten: Im Erdgeschoss werden die bestehenden Räumlichkeiten durch den Speisesaal für Gruppenverpflegungen, der nicht mehr benötigt wird, erweitert und ebenfalls zum Verkauf gelangen.

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Informationen / Bestellungen

Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004


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