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Montag, 7. Februar 2005
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Thuner Drogenszene: Mit Repression und Vertreibung allein nicht lösbar

sth/pvr. Die Randständigenszene auf dem Mühleplatz und der Drogendeal im Gebiet Obere Hauptgasse/Schlossberg kann offenbar mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht zum Verschwinden gebracht werden. Am 15. Januar sorgte eine «Mobaction» gegen das World Economic Forum (WEF) in Davos beim Publikum mehrheitlich für Kopfschütteln. Zwei Jugendliche wurden von Teilnehmern als «Faschos» betitelt und brutal attackiert.

Thuner Mühleplatz: «Keine markante Verkleinerung der Süchtigenszene.» (Archivbild Peter Schmid)

Obwohl die Thuner Polizei ihre Tätigkeiten im Schwerpunkt Süchtigenszene Mühleplatz seit letzten Herbst nochmals intensiviert habe, konnte laut einer Medienmitteilung keine markante Verkleinerung der Szene erreicht werden: «Der hier nachweisbare Konsum und Handel von illegalen Drogen erreicht nur selten ein Ausmass, um die Beteiligten nach den geltenden Gesetzen in Haft nehmen und damit wenigstens einige Zeit vom Mühleplatz fernhalten zu können.» Wer Drogen auf sich trage – ob Kleindealer oder Konsument – werde angezeigt.

Gestörter «Winterzauber»

Das «Winterzauber»-Zelt auf dem Mühleplatz (mit dem Theaterstück «Die kleine Hexe») bewirkte laut Medienmitteilung zwischen Mitte Dezember und 8. Januar, «dass die Szene recht massiv ins Thomasgässchen (zwischen ‹Baumann-Häusern› und Hauptgasse) auswich und den dort ansässigen Geschäften die Kundschaft vertrieb». Die Stadt habe sofort gehandelt und den Durchgang zwischen den Baumannhäusern und dem Zaun rings um das Zelt mit einem Gitter geschlossen: «Darauf siedelte sich die Szene im Bereich des Eingangs zum ‹Winterzauber›-Areal an, wo sie aber mindestens ebenso stark störte.» Auch jetzt sei die Stadt umgehend eingeschritten und habe Trenngitter aufgestellt, ergänzt mit Polizeipräsenz jeweils vor Beginn der «Winterzauber»-Vorstellungen: «Die ‹Winterzauber›-Erfahrung zeigt auf, dass mit einem szenenfreien Mühleplatz – ob mit Umnutzung oder totaler Repression realisiert – das Randständigenproblem kaum vom Tisch, sondern wohl nur verschoben wäre.» Örtliches Vertreiben für sich allein greife als Lösung zu kurz, es sei denn, die Verlagerung der Szene an andere Orte, die ihr geeignet erschienen und wahrscheinlich auch in der Innenstadt liegen dürften, würden in Kauf genommen.

«Der höhere polizeiliche Druck auf den Mühleplatz dürfte eine wesentliche Ursache dafür sein, dass im Gebiet Obere Hauptgasse/Schlossberg Drogendeal und Drogenkonsum zunahmen», heisst es im weiteren. Die Polizei richte ein vermehrtes Augenmerk auch auf dieses Gebiet. Zusätzlich soll mit einem «Runden Tisch» unter Einbezug von direktbetroffenen Anwohnern und Gewerbetreibenden ein Paket von Abhilfemassnahmen erarbeitet werden. Der «Runde Tisch» – siehe auch Sicherheit Hauptgasse/Schlossberg Thun: «Runder Tisch ist gut gestartet» vom Mittwoch, 19. Januar 2005 – habe erstmals am 18. Januar 2005 getagt.

«Mobaction»: Publikum reagierte befremdet

Erstmals habe auch in Thun unter dem Namen «Mobaction» eine Aktion gegen das Weltwirtschafts-Forum in Davos stattgefunden, verlautet im weiteren: «Aufgerufen wurden die Teilnehmer zu kurzen theatralischen Einlagen an verschiedenen Orten, die Verwirrung stiften, zum Nachdenken anregen und eine ‹selbstverständliche› Erkenntnis zur Aussage und zum Sinn der Aktionen auslösen sollen.» Die Darbietungen hätten schwergewichtig im Innern von verschiedenen Thuner Geschäften stattgefunden: «Das Publikum reagierte jedoch gemäss den Beobachtungen der Polizei mehrheitlich befremdet und kopfschüttelnd.» Wahrscheinlich sei es einfach zu schwierig gewesen, aus Aktionen wie Schlangestehen vor Kassen, einer Polonaise durch ein Geschäft oder dem Verstecken von ausgestellten Telefonapparaten einen «selbsterklärenden» Protest gegen das WEF zu erkennen: «Einen schlechten Dienst haben der Sache aber diejenigen Exponenten erwiesen, die plötzlich zwei Jugendliche nur wegen deren Kleidung als Faschos ausmachten und sie beim Parkhaus City-West handgreiflich sowie mit Pfefferspray attackierten – und gleich auch noch den Roller des einen demolierten.»

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