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Montag, 10. Januar 2005
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Jazz in Zweisimmen: Viel Klasse aber kein Wunderfeuer
bns. Klassischer Jazz in der reformierten Kirche von Zweisimmen: Zum Abschluss der Festtage hat am Samstag, 8. Januar 2005 das Jean-Paul-Brodbeck-Trio gastiert. Auf Einladung des Jazzclubs Zweisimmen spielte der 1974 in Basel geborene Jean-Paul Brodbeck am Piano, begleitet von Vertretern der Zürcher Szene, dem «jungen Wilden» Dominic Egli am Schlagzeug und dem «alten Hasen» Peter Frei am Kontrabass.
Das Jean-Paul-Brodbeck-Trio gastierte in der reformierten Kirche von Zweisimmen. (Bild zvg)
Zu hören war schlichter, graziöser, versteckt temperamentvoller, schön melodiös gespielter Jazz, gespickt mit all den im traditionellen Trio vorhanden Klängen und Effekten, welche zwar interessant daher kamen und trotzdem am Schluss immer die Frage stehen liessen: Ist es auch wirklich sounddienlich?
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Es gibt Musiker, die mit aller Energie als krampfende Forscher nach neuen Gefilden suchen, dies vielleicht sogar im Wissen, dass diese nicht gefunden werden können. Ein Streben und «Krampfen», das hörbar ist und auch Traditionelles erstaunlich einzigartig erklingen lässt. Dann wird Musik zum reizvollen Geheimnis, weil man nie weiss, welcher kleine Wunderfunken als nächster das Feuer verlässt.
Tobias König, Zweisimmen
Gespielt wurde zeitweise distanziert, zeitweise aber auch mit herzig liebem Charme um die Gunst des Publikums werbend, bei welchem die Mehrheit wohl eine emotionale Hühnerhautdirektheit vermisste oder nur selten vorfand. Eine Freude, die bei einzelnen wundervollen Pianoeinleitungen, mit einer schlichten Melodiegebung und einer Harmonik, die schön und nicht speziell sein will, spürbar war. Eine Musik bei der man sich wünscht, dass sie mehr als nur einleitet, sondern das Konzert beendet beziehungsweise noch nicht beendet. Doch irgendwann, oft viel zu früh, kamen dann die restlichen Instrumente und nachtrauernd stellte ich mir jeweils die wohl grundsätzlichste Frage, die man sich stellen kann: Passen diese Instrumente auch wirklich zusammen?
So wird es manchmal schwer, auch wenn man sich zuhause wirklich auf Unterhaltung mit hohem jazzigen Niveau eingestellt hat, die Bellevue-Cüpli-Atmosphäre, welche von jazziger Hintergrundberieselung aufgemotzt wird, ganz aus dem Hinterkopf zu verdammen. Ein zeckenartig haftendes Übel, mit welchem wohl dieses Genre leben muss. Es darf nun auch widersprochen werden – doch all die Spitzenklasse, jugendliche Frische und sichtliche Musikverliebtheit reichen nicht, um Lachstranchen des Bellevueapero ganz aus dem eigentlich reizvollen Bild zu verdrängen.
Die Fähigkeiten der einzelnen Musiker auf ihren Instrumenten waren beneidenswert, das Interplay stark. Die sonst unter den Jazzern grassierende Wettkampfsstimmung war fast nicht oder gar nicht spürbar, da die Musiker eher der Schönheit als der sportlichen Virtuosität zugewandt waren. Die emotionale Versunkenheit des Pianisten war echt und nicht aufgesetzt, die Grenze zwischen nervender Unruh und Variantenreichtum des Drummers wurde gut ausgelotet, die Erfahrung des Bassisten hörbar, obwohl viel Klangreichtum von der Akustik der Kirche geschluckt wurde. Eine gute Schweizer Truppe mit viel Klasse aber kein Wunderfeuer. Am Schluss bleiben irgendwie die Lachstranchen und der nicht erfüllte Wunsch nach mehr einzigartigen Geheimnissen. Tatsachen, die hoffentlich Musiker mit solchen Voraussetzungen, wie die Mannen des Jean-Paul-Brodbeck-Trios zu mehr motivieren, damit das Bellevue für immer dort bleibt, wo es hingehört.
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
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