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Sonntag, 2. Januar 2005
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Die Holzbildhauerin Gabriela Schild unter anderem mit Harderwybli Brigitte Bösiger (seit 21 Jahren in dieser Funktion) und Paul Michel als Hardermanndli (seit 24 Jahren) vor dem eingeweihten «Potsche-Boum». Bild rechts: Das geschnitzte Hardermannli (links); im Hintergrund am oberen Bildrand ist das Original zu erkennen, ein Felsabbruch am Harder, der ohne menschliches Dazutun das riesige Gesicht und die Schulterpartie eines Mannes zeigt. (Bilder Dora Schmid Zürcher)

Harder-Potschete in Interlaken: Zum Auftakt «Potsche-Boum» eingeweiht

ds/pvr. Fast auf der Dorfgrenze zu Unterseen ist in der Interlakner Marktgasse am Vormittag des 2. Januar 2005 ein «Potsche-Boum» offiziell eingeweiht worden – laut Harder-Potschete-Verein Interlaken unter anderem auch ein Hinweis auf das 50jährige Bestehen dieses Brauches im Jahr 2006.

Jeden 2. Januar wird Interlaken vom Hardermann, seinem Wyb ud den Potschen, seinem Gefolge, heimgesucht. Maskierte – sogenannte Potschen – rennen durch die Strassen, brüllen, reissen Zuschauer mit und verbreiten Angst und Schrecken.

Der «Potsche-Boum», ein in die Jahre gekommener Ahorn, ist von der Holzbildhauerin Gabriela Schild bearbeitet und gestaltet worden. Gabriela Schild dankte der Kunst- und Kulturkommission, dass sie die Idee des Interlakner Arztes Professor Benedikt Horn, den Baum zu bearbeiten, ohne Skizze akzeptiert habe. Horn hatte mit dem alten Baum, der zufälligerweise fast auf der Grenze zu Unterseen stehe – die eigentlich gar keine Grenze mehr sein sollte – etwas Spezielles machen wollen. Der Unterseener Gemeindepräsident Simon Margot bemerkte an der Einweihung zu den drei Masken im Baum: «Wir sind alle aus dem gleichen Holz hier auf dem Bödeli – aber eben doch verschieden und wir haben unsere Eigenheiten bewahrt.»

Der Hauptgewinn im Mäskeli-Wettbewerb, eine grosse aus Holz geschnitzte Maske, präsentiert durch die Oberpotschen. Von links nach rechts Beat Hassenstein, Peter Schlunegger und Pedro Hubacher.

Ansonsten stand am Nachmittag die Harder-Potschete – siehe auch Brauchtum am 2. Januar: Die Harder-Potschete in Interlaken vom Samstag, 1. Januar 2005 – weitgehend in gewohntem Rahmen – Umzug durch die Marktgasse, zum Stadthausplatz in Unterseen, über den Räuberegge und hinunter zum Westbahnhof – auf dem Programm. Von da aus ging es weiter bis zum Grand Hotel Victoria-Jungfrau und wieder zurück zum Sagiplatz (Marktplatz). Dort fanden anschliessend die Verlosung des Mäskeli-Wettbewerbs sowie die Präsentationen der Holzmasken, Kindermasken und der teilnehmenden Musiken statt. Prämierungen waren nicht vorgesehen, dafür aber eine spontane Vorstellung der Kinder- und Gästemasken. Dieses Jahr wurde der Harder-Potschete-Verein Interlaken von der Röllizunft Siebnen (Kanton Schwyz) besucht. Die farbenfrohen Gewänder sowie die kunstvoll gefertigten Holzmasken der im Jahr 1933 gegründeten Schwyzer Zunft sollten einen guten Kontrast zu den eher düsteren Potschen bilden. Im Gegenzug – siehe auch Brauchtum am 2. Januar: Die Harder-Potschete in Interlaken – werde die Harderpotschete am 5. und 6. Februar 2005 am ersten Schweizerischen Brauchtums- und Maskentreffen in Siebnen zu Gast sein. Dieser Grossanlass werde unter dem Patronat der Röllizunft Siebnen durchgeführt.

Ein Vertreter der Röllizunft Siebnen (Kanton Schwyz) in farbenfrohem Gewand und kunstvoll gefertigter Holzmaske.

Goodwill-Aktion ins Auge gefasst

Zur da und dort lautgewordenen Kritik, dass die Neujahrsveranstaltungen in Interlaken – siehe auch Feuerwerk und Rockkonzert am Neujahrsabend vom Samstag, 1. Januar 2005 – nicht abgesagt worden seien, wurde bei der Einweihung des «Potsche-Boum» erwidert, solche Anlässe könnten nicht einfach so abgesagt werden. Dahinter stünden eine grosse Organisation und viele Vorbereitungen. Hingegen überlege sich die Destination Interlaken-Jungfrau mit einer Goodwill-Aktion gezielt etwas für die Hilfe an die Seebebenopfer zu machen. Bereits am Neujahrsabend hatten kurz nach Beginn des «Plüsch»-Openairs auf der Höhematte die Veranstalter des Gratiskonzerts einen Aufruf an das Publikum erlassen, das eingesparte Eintrittsgeld für die Linderung der Folgen der Tsunami-Katastrophe an den heimgesuchten Küsten des indischen Ozeans zu spenden.

Die Trychlergruppe Goldswil im Interlakner Potschete-Umzug.


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