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Freitag, 21. Januar 2005
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Um eine Rikscha von links nach rechts gruppiert: Petter Udland Johansen (John), Martin Pasching (Chris), Michaela Christl (Ellen), Ruby Rosales (Kim), Ulrike Johanna Nieding (Yvette) und Sergio-Maurice Vaglio (Chef im Ring). – Rechts Ruby Rosales (Kim) und Martin Pasching (Chris). (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

«Miss Saigon» im Sommer auf der Thuner Seebühne

ds/pvr. Nach «Evita» und «Anatevka» wollen die Thuner Seespiele im Sommer 2005 mit dem Musical «Miss Saigon» an die Erfolge in den Vorjahren anknüpfen. Vom Montag 18. Juli (Vorpremiere) bis Samstag 27. August 2005 stehen insgesamt dreissig Vorstellungen auf dem Spielplan.

Der in Interlaken und Thun aufgewachsene Sergio-Maurice Vaglio spielt vom 20. Juli bis 27. August 2005 im Musical «Miss Saigon» den «Chef im Ring».

Das weltberühmte Musical «Miss Saigon» in deutscher Sprache von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg habe nun auch den Weg nach Thun gefunden, verlautete am Freitag an einer Medienorientierung: «Im kommenden Sommer vom 20. Juli bis 27. August 2005 werden die Thuner Seespiele die Geschichte der «Miss Saigon» in einer mitreissenden und zugleich berührenden Inszenierung auf die Seebühne bringen und rund 60'000 Zuschauern zeigen können.» Das Musical «Miss Saigon» – eine Liebesgeschichte während des Vietnamkonflikts – berühre und fasziniere: «Miss Saigon» zeige Schicksale vor dem Hintergrund kulturellerund gesellschaftlicher Schranken: «Miss Saigon erzählt von Menschen mit Hoffnung und Träumen auf ein besseres Leben.»

Regisseur Ueli Bichsel.

Eine Liebesgeschichte im Krieg

Ueli Bichsel, Inszenierung, künstlerischer Direktor: «Miss Saigon ist mehr als eine Darstellung verschiedener Figuren und Volksgruppen während des Vietnamkrieges. Es erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen zwei Menschen, die alle gesellschaftlichen und kulturellen Schranken und die äusseren Umstände missachten. Die Liebe von Kim, dem Barmädchen, zu Chris, dem jungen GI, besteht aus der Hoffnung auf den schliesslich unerfüllten amerikanischen Traum ... Zwei Zeitebenen: April 1975 Saigon in den letzten drei Wochen des Vietnamkrieges / 1978 Ho-Chi-Minh-Stadt und zur gleichen Zeit in den USA. Drei Inszenierungsebenen: Alpenglühen und Gitterzaun – heile Welt und menschliche Abgründe. Die phänomenale Alpenwelt, der wunderbare See, die belebte Natur als hinterste Kulisse sind der liebliche und von weitem schöne Hintergrund für das Ereignis Krieg, in dem die unmenschlichsten und brutalsten Züge des Individuums Mensch jegliche Ethik und Moral missachten. Krieg bricht über die Seebühne herein, eingebettet in eine äusserst friedliche Landschaft, genauso wie der Vietnam-Krieg über eine schöne und friedliche Landschaft Südostasiens hereingebrochen ist.»

Dany Rhyner zeigt ein Modell des verschieb- und drehbaren Bühnenbildes. Links im Bild Andreas Stucki, Aufgabenbereichsleiter Sponsoring und Gastronomie.

Dany Rhyner, Bühnenbild, Werbung/Gestaltung:
«Maschendrahtzäune, Stacheldrahtrollen und Bambusstangen – vier überdimensionale transparente und auf Schienen verschiebbare Metall-Kuben – eine grosse, quadratische Drehbühne – das sind die wesentlichen Merkmale des Bühnenbilds vom Musical «Miss Saigon» auf der Thuner Seebühne. Immer wieder entstehen wie von Geisterhand gesteuert neue abstrakte Räume, mal erscheinen sie als transparente und filigrane Kuben, dann wieder als geschlossene Flächen. Die geometrisch klar gegliederte Bildsprache ist bewusst auf ein Minimum reduziert und beschränkt sich auf das Wesentliche. Beleuchtung, Licht- und Schatteneffekte und wenige Requisiten sind weitere Gestaltungselemente, die gezielt eingesetzt werden. Maschendraht, Stacheldraht und Bambus sollen zum Symbol von Liebe, Trennung, Schmerz, Geborgenheit, Hoffnung und Tod werden.»

Daniel Allenbach, Dramaturgie: «Traumland – so nennt sich der Nachtklub in Saigon, in dem sich das vietnamesische Barmädchen Kim und der amerikanische Soldat Chris kennenlernen. Doch Träume sind rar im vom Krieg verwüsteten Vietnam: 1975, zum Zeitpunkt, an dem die Musicalhandlung einsetzt, herrscht schon mehr als dreissig Jahre lang der Krieg zwischen dem kommunistischen Nordvietnam und dem vom Westen unterstützten Südvietnam. Bereits im 19. Jahrhundert wurde mit der Kolonialisierung der Region durch Frankreich der Grundstein dazu gelegt. In den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts formierte sich Widerstand gegen die französische Kolonialmacht, der Kampf um die Unabhängigkeit begann. 1954 wurde ein Waffenstillstand geschlossen und Vietnam wurde faktisch zweigeteilt in einen sozialistischen, von Ho Chi Minh regierten Norden und einen den Franzosen wohlgesinnten Süden. Doch die südostasiatische Region kam nicht zur Ruhe. Die Kämpfe verlagerten sich in den Untergrund bis ab 1964 die USA mit Luftoffensiven und Giftgasangriffen gegen den Norden vorgingen. Als sich grosse Verluste auf amerikanischer Seite abzeichneten, stellten sich grosse Teile der US-Bevölkerung gegen den Krieg, die Armee begann mit dem Rückzug. Schliesslich evakuierten die Amerikaner am 29. April 1975 mit Helikoptern die verbliebenen Truppen aus Saigon, einen Tag später übernahm der Norden die Kontrolle in der Stadt. Der Krieg war zu Ende, die Amerikaner geschlagen, doch die Probleme nicht gelöst. Misswirtschaft, neue Kriegshandlungen der Vietnamesen gegen Kambodscha und Hungersnöte verunmöglichten die Rückkehr zur
Normalität. Viele Flüchtlinge versuchten deshalb, sich mit Booten nach Bangkok und von da in die USA durchzuschlagen – in ihr Traumland.»

Mit Viersterngastronomie

Mit ihrem dritten Musical-Projekt wollen die Thuner Seespiele im Sommer 2005 wiederum ein unvergessliches Erlebnis bieten: «Eine spannende und berührende Inszenierung vor der atemberaubenden Naturkulisse und die gepflegte Zeltstadt mit der reichhaltigen Viersterngastronomie lassen die Thuner Seespiele auch in diesem Jahr zum einmaligen Gesamterlebnis werden.» Im letzten Jahr hätten die Veranstalter 60'000 Zuschauer gezählt und einen Umsatz von 7,7 Millionen Franken – inbegriffen 1,1 Millionen Franken aus der Gastronomie – verzeichnet. Auch in diesem Jahr hofften sie auf ein positives Ergebnis. Über 400 Personen, die während der Spielzeit als Schauspieler und Helfer in allen Bereichen, von der Gastronomie bis zum Sanitätsteam sowie im Leitungsteam engagiert seien, sollen nach Angaben der Veranstalter auch im kommenden Sommer wieder dafür besorgt sein, dass die Thuner Seespiele zu einem vollkommenen Sommerabendgenuss würden. Das Gesamterlebnis als kulturelles Zusammenspiel von Musical, Gastronomie und Natur stehe im Vordergrund: «Im klimatisierten Musicalrestaurant werden Köstlichkeiten in Selbstwahl an einem exklusiven Gourmetbuffet geboten: «Auf dem schön dekorierten Musicalschiff würden während einer zweistündigen Abendrundfahrt ein Apéro und ein hervorragendes Gourmetmenü serviert. Das Gartenrestaurant und die Bar böten für jedes Budget in ungezwungener Atmosphäre Speisen und Getränke aus einem feinen und themenbezogenen Angebot. Im Musical Bistro lasse es sich gemütlich verweilen: «Ein gepflegtes Bier im Muscial Bistro stimmt herrlich auf den anschliessenden Musical-Besuch ein.»

Auf «Miss Saigon» folgt im Jahr 2006 «Elisabeth»

Im nächsten Jahr soll als erste freie Inszenierung, also als Uraufführung in  der Schweiz das Musical «Elisabeth» auf der Seebühne Thun gespielt, wie Regisseur Ueli Bichsel gegenüber den Berner Oberland News www.beo-news.ch am Rande der Medienorientierung bestätigte. Die Welturaufführung des von Michael Kunze und Sylvester Levay geschriebene Musical hatte nach österreichischen Quellen am 3. September 1992 stattgefunden. Befreit von Sissi-Kitsch will das Musical «Elisabeth» die am 10. September 1898 im 61. Lebensjahr in Genf einem Attentat zum Opfer gefallene österreichische Kaiserin Elisabeth von einer ganz anderen Seite zeigen.

Miss Saigon 2005 auf der Thuner Seebühne. Vorstellungen im Juli 2005: Montag 18. Juli (Vorpremiere). Mittwoch 20. Juli 2005. Freitag 22. Juli. Samstag 23. Juli. Sonntag 24. Juli. Dienstag 26. Juli. Mittwoch 27. Juli. Freitag 29. Juli. Samstag 30. Juli. Sonntag 31. Juli . – Vorstellungen im August 2005: Dienstag 2. August. Mittwoch 3. August. Freitag 5. August. Samstag 6. August. Sonntag 7. August. Dienstag 9. August. Mittwoch 10. August. Freitag 12. August. Samstag 13. August. Sonntag 14. August (Sonntagsmatinee). Sonntag 14. August. Dienstag 16. August. Mittwoch 17. August. Freitag 19. August. Samstag 20. August. Sonntag 21. August (Sonntagsmatinee). Sonntag 21. August. Dienstag 23. August. Mittwoch 24. August. Freitag 26. August. Samstag 27. August.

Für eine Vorstellung, die abgesagt oder vor der Pause (weniger als eine Stunde) abgebrochen werden muss, findet jeweils eine Ersatzvorstellung am nächsten dafür vorgesehenen freien Reservetag (Montag oder Donnerstag) statt. Anfangszeiten: Abendvorstellungen 20.10 Uhr, Sonntagsmatineen 10.30 Uhr.

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Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
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