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Donnerstag, 6. Januar 2005
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Die Zauneidechse – trotz Bescheidenheit auf der Verliererseite
pd/bns. Die Zauneidechse ist das Tier des Jahres 2005. Kriechtiere wie sie sind die grossen Verlierer einer aus- und aufgeräumten Landschaft. Besonders bedenklich: die Zauneidechse hat dermassen bescheidene Ansprüche an Lebensraum und Klima, dass es ihr in der Schweiz eigentlich sehr gut gehen könnte.
Männchen der Zauneidechse. (Bild zvg / Martin Partsch / Pro Natura)
Einst muss die Zauneidechse so häufig gewesen sein, dass ihr dies zu ihrem Namen verholfen hat, schreibt die Naturschutzorganisation Pro Natura in einer Medienmitteilung. Die Eidechse, die man überall entlang von Weidezäunen habe sehen können, wie sie zum Sonnen an Zaunpfählen hochkletterte und sich bei Gefahr blitzschnell ins Altgras fallen liess oder in ein benachbartes Brombeergestrüpp verschwand: «Doch die Zauneidechse, der Prototyp einer Eidechse und der älteren Generation von Sonntagsspaziergängen her bekannt, ist verschwunden und Kindern von heute bestenfalls aus Bilderbüchern bekannt.» Die Pro Natura habe sie deshalb zum Tier des Jahres 2005 erwählt: «Sie, die in ihren Ansprüchen derart gemässigt ist, findet hierzulande kaum mehr ein Auskommen – das ist bedenklich.»
Dabei ist die Zauneidechse laut Pro Natura punkto Lebensraum und Futter wenig wählerisch: «Sie siedelt dort, wo sich auch der durchschnittliche Homo helveticus niedergelassen hat – im Mittelland und in der Nordwestschweiz.» Sie lebe zwischen Licht und Schatten. Grenzbereiche brauche sie, da wo Wald fliessend in Wiese übergehe, wo ein vergessener Holz- oder Steinhaufen einen Platz an der Sonne anbiete und wo genügend Versteckmöglichkeiten im verfilzten Altgras vorhanden seien, fühle sie sich wohl. Die Zauneidechse sei eine Kulturfolgerin, siedle gern an Bahndämmen. Selbst in naturnahen Gärten treffe man sie an – es sei denn, es habe zu viele Katzen in der Umgebung.
«Durchschnitt als herausragende Eigenschaft, was zur Schweiz gut passen würde», meint Pro Natura: «Und dennoch ziehen Reptilienforschende und Naturschützer seit Jahren die Alarmglocken, wenn es um die Zukunft der Kriechtiere – nicht nur um die der Zauneidechse – geht.» Nur gerade die Blindschleiche stehe noch nicht auf der Roten Liste. Den 14 anderen Kriechtieren stehe das Wasser bis an den schuppenbewehrten Hals: «Die Ordnungsliebe Helvetiens lässt gestufte Waldränder verschwinden, der Steinhaufen ist der Maschine im Weg, ein Saum mit abgestorbenem Gras sieht schmutzig aus, ein gestufter buchtiger Waldrand mit Krautsaum bringt keinen Profit.» Gerade so wie die Trockenwiese am unüberbauten Südhang: «Zieht der Mensch in die ‹bevorzugte Wohnlage› ein, zieht das Reptil im Gerangel um den Sonnenplatz stets den Kürzeren.»
In der Zauneidechse sieht Pro Natura ein Sinnbild für eine verarmte Kulturlandschaft: «Sie steht für das Schicksal von vielen anderen Tieren und Pflanzen, nicht zuletzt den Schmetterlingen.» Diese wie auch die Eidechse sollen im Jahr 2005 noch einmal von der Kampagne «Mehr Platz für Schmetterlinge» profitieren: «Pro Natura will in diesem Jahr ihr Engagement für vernetzte Lebensräume und die Trockenwiesen verstärken – damit Zauneidechsen und Schmetterlinge in der Kulturlandschaft eine zweite Chance erhalten.»
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
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