Donnerstag, 31. März 2005 |
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Vor dem Saisonstart auf den Oberländer Seen
Ab 3. April 2005 verkehren auf dem Thunersee und eine Woche später auch auf dem Brienzersee wieder tägliche Schiffskurse. Die Motorschiffe Jungfrau (Brienzersee) und Berner Oberland (Thunersee) wurden nach Angaben der BLS-Schiffahrt technisch überholt und optisch aufgefrischt. Kulinarisch soll laut einer Medienmitteilung auf den Thunerseeschiffen ein frischer Wind wehen: «Die neue Küchenproduktionsstätte in der BLS-Werft in Thun Lachen ermöglicht dem neuen Caterer, der SV (Schweiz) AG, einen qualitativ hochstehenden und wirtschaftlichen Betrieb.»
Von links nach rechts: Bruno Carrizoni, Andreas Vetsch (beide SV), Monika Mani (BLS), Küchenchef Josef Pircher, Anna Barbara Remund (Geschäftsleitung BLS), Stephan Zuppinger, Philippe Derché (beide SV) und BLS Kommunikationschef Urs Pfenninger. (Bild Anne-Marie Günter)
pd/pvr. Um den Betrieb des neuen Gastronomiepartners – siehe auch Schiffahrt Thunersee mit neuem Gastro-Partner vom Donnerstag, 6. Januar 2005 –– flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten, wurde nach Angaben der BLS Lötschbergbahn AG in einem bestehenden Gebäude der Werft in Thun Lachen eine Küchenproduktionsstätte eingebaut. Die BLS arbeite an der Zukunft der Schiffahrt auf den beiden Oberländer Seen und entsprechend habe sie im Hinblick auf die neue Saison investiert, heisst es dazu in der Medienmitteilung: «Die gesamte BLS-Flotte zeichnet sich noch deutlicher durch ihre Familienfreundlichkeit aus; so machen betreute Spielkajüten auf den Dampfschiffen und neu eingerichtete Spielecken auf den Motorschiffen sowie spezielle Kinderprogramme den Aufenthalt an Bord für Familien spannender.
Schiffsstrategie
Die BLS habe seit dem Jahr 2002 ihre Schiffahrt unternehmerisch neu positioniert und noch stärker nach den Bedürfnissen des Publikums ausgerichtet, geht aus der Medienmitteilung im weiteren hervor: «Auf dem Thunersee stehen optimale Anschlüsse zwischen Bahn und Schiff im Sinne einer reibungslosen Transportkette des öffentlichen Verkehrs im Vordergrund.» Auf dem Brienzersee liege der Schwerpunkt stärker auf der Kombination der Schiffahrt mit den Angeboten touristischer Partner wie Ballenberg, Giessbach, Rothorn- und Zentralbahn: «Schliesslich setzt sie auf beiden Seen mit der Wahl der Gastronomiepartner auf Qualität und Vielseitigkeit.»
«Wirtschaftliche Herausforderungen»
Wegen des unbeständigen und oft schlechten Wetters über die Feiertage und während der Hauptreisezeit gingen laut BLS die Passagierfrequenzen 2004 um 13,5 Prozent auf 1,076 Millionen Fahrgäste zurück: «Als Massnahme zur Kostensenkung wurde das Fahrplanangebot um 20 Prozent reduziert.» Sowohl die durchschnittliche Auslastung der Kursschiffe als auch der Durchschnittsertrag pro Fahrgast hätten hingegen leicht zugenommen. «Mehr Sorgen als nicht beeinflussbare Wetterbedingungen bereitet der BLS die Wirtschaftlichkeit der Schiffahrt: Trotz Marktorientierung und Ausreizung von Sparpotentialen lässt sich die heutige Schiffahrt auf Thuner- und Brienzersee kaum kostendeckend betreiben.» Der vom Grossen Rat des Kantons Bern bewilligte Abgeltungsbeitrag sei deshalb als Überbrückungsmassnahme willkommen. Er zeigte, welch hohen touristischen und volkswirtschaftlichen Wert das Parlament der Schiffahrt beimesse: «Angesichts der Befristung ist jedoch offen, ob die unternehmerische Zielsetzung der BLS, den Turnaround aus eigener Kraft zu schaffen, erreicht werden kann.» Etwas Luft verschaffe dem BLS-Schiffsbetrieb der Beschluss des eidgenössischen Parlaments, die geplante Aufhebung der Treibstoffzollrückerstattung fallenzulassen. Unklar sei die Situation bei zwei weiteren Geschäften auf Bundesebene: Beim Arbeitszeitgesetz für den öffentlichen Verkehr sei die BLS zuversichtlich, dass realistischen und flexiblen Ansätzen der Durchbruch gelingen werde: «Bei der Revision der Schiffsbauverordnung hofft die BLS, dass die gemeinsam mit dem Verband Schweizerischer Schiffahrtsunternehmungen erarbeitete Lösung, wonach keine übermässigen Sicherheitsvorkehrungen eingeführt werden sollten, die Zustimmung der Aufsichtsbehörde finden wird.»
MS Stadt Bern «werterhaltend» stillgelegt
Wie Urs Pfenninger, Leiter der BLS-Unternehmenskommunikation auf Anfrage bestätigt, wird die MS Stadt Bern gegenwärtig aus ökonomischen Gründen nicht eingesetzt. Das Schiff sei in diesem Sinne «werterhaltend» stillgelegt, könnte aber innert weniger Tage in Betrieb genommen werden: «Es trifft weder zu, dass keine Instandstellungsarbeiten gemacht worden sind noch dass die Versicherung nicht bezahlt worden ist.» Die MS Niederhorn wurde und wird laut Pfenninger insbesondere für Kurse im Frühling und Herbst eingesetzt.
«Wichtiges touristisches Element»
Die BLS stehe zur Schiffahrt auf den beiden Oberländer Seen, verlautet abschliessend: «In der aktuellen, wirtschaftlich schwierigen Phase benötigt sie jedoch mehr denn je deutliche Zeichen seitens der Kunden, der Wirtschaft sowie der Politik des Berner Oberlandes für eine starke Schiffahrt als wichtiges touristisches Element in dieser Region.»
BLS-Schiffsbetrieb. Die BLS betreibt die Schiffahrt auf dem Thunersee (mit neun Motorschiffen und dem Raddampfer Blümlisalp, Werft in Thun/Lachen) sowie auf dem Brienzersee (mit vier Motorschiffen und dem Raddampfer Lötschberg, Werft in Interlaken Ost). Die BLS-Schiffahrt beschäftigt rund 90 Mitarbeiter. Im Jahr 2004 zählte sie 1,076 Millionen Fahrgäste und erzielte einen Verkehrsertrag von 10,1 Millionen Franken.
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