Gesamtkonzept für einen nachhaltigen Hochwasserschutz
Die Aare zwischen Thun und Bern soll mehr Raum erhalten: Das ist der Grundgedanke des Gesamtkonzepts für einen nachhaltigen Hochwasserschutz im Aaretal. Mit insgesamt 24 Massnahmen will der Kanton Bern in erster Linie die Bevölkerung vor Hochwasser schützen, aber auch die Trinkwasserversorgung sichern und die Natur- und Erholungsräume aufwerten. Erste Sofortmassnahmen sollen noch in diesem Winter ergriffen werden.
aid/pd/bns. Grundgedanke des am Dienstag, 1. November 2005 an einer Medienorientierung in Rubigen von der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin, Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer, präsentierten Konzepts sei, der Aare wieder mehr Raum zu geben. Der Flusslauf soll an möglichst vielen Stellen verbreitert und mit Nebenarmen ergänzt werden. Punktuell seien auch Erhöhungen der Dämme vorgesehen. Bei Hochwasser könne sich die Aare künftig ihren Raum nehmen, ohne grosse Schäden anzurichten. Zudem verringere sich die Fliessgeschwindigkeit. Die Erosion des Flussbetts könne so gestoppt werden. Gleichzeitig steige der Erlebniswert der Aarelandschaft und die Vielfalt der natürlichen Lebensräume erhöhe sich.
«Auf positives Echo gestossen»
Das den Gemeinden Anfang 2005 vorgestellte Konzept ist laut einer Medieninformation in der Vernehmlassung auf positives Echo gestossen. Nach dem Hochwasser von Ende August hätten der Kanton und die 18 Anstössergemeinden eine beschleunigte Umsetzung beschlossen. Die 24 Einzelmassnahmen würden in einem kantonalen Wasserbauplan zusammengefasst: «Der Kanton übernimmt die fachliche und terminliche Koordination bei der Erarbeitung; der kantonale Wasserbauplan soll bis Ende 2008 vorliegen.» Für das Gebiet der Gürbemündung soll ein spezieller kantonaler Wasserbauplan bereits Ende 2006 in Rechtskraft sein. In der Stadt Bern werde der Wasserbauplan unter der Federführung der Stadt erarbeitet und über den Entlastungsstollen in Thun soll der Grosse Rat in der Januar-Session befinden: «Die Gesamtkosten für die Umsetzung des kantonalen Wasserbauplans ‹Nachhaltiger Hochwasserschutz Aare Thun-Bern› (ohne Gürbemündung, Entlastungsstollen Thun und Hochwasserschutz in der Stadt Bern) werden auf rund 21 Millionen Franken geschätzt.» Im Gebiet der Gürbemündung und bei der Hunzikenbrücke in der Gemeinde Rubigen sollen noch in diesem Winter Sofortmassnahmen in Angriff genommen werden.
«Mängel drastisch vor Augen geführt»
Die Hochwasser von 1999 und August 2005 hätten die Mängel des heutigen Hochwasserschutzes an der Aare zwischen Thun und Bern drastisch vor Augen geführt, verlautete im weiteren: «Die in Dämme eingezwängte Aare hat sich ihren Raum mit Gewalt zurückerobert. Zudem hat sich der Fluss immer tiefer in sein Bett eingegraben. Die Überflutungen haben grosse Schäden an Gebäuden, Verkehrswegen und Kulturland angerichtet. Die Erosion des Flussbetts gefährdet langfristig die Trinkwasserversorgung, weil der Grundwasserspiegel sinkt.»
Fischer begrüssen Hochwasserschutz-Gesamtkonzept
Der Bernisch Kantonale Fischerei-Verband BKFV begrüsst in einer Stellungnahme das am Dienstag von Regierungsrätin Barbara Egger vorgestellte Gesamtkonzept für einen nachhaltigen Hochwasserschutz im Aaretal. Bereits in den letzten Jahren habe der Kanton Bern im Wasserbau mit Bauwerken wie der sogenannten «Emme-Birne» und mit Blockrampen als Ersatz für Schwellen Pionierarbeit geleistet und sich erfreulicherweise vom überholten «Bagger- und Beton-Wasserbau» verabschiedet. Das von Regierungsrätin Barbara Egger präsentierte Gesamtkonzept für einen nachhaltigen Hochwasserschutz im Aaretal mit insgesamt 24 Einzelmassnahmen entspricht laut der BKFV-Verlautbarung vollumfänglich den Erkenntnissen des «modernen» Wasserbaus. Der BKFV unterstütze die vorgestellten Massnahmen vorbehaltlos und begrüsse insbesondere die Absicht, der Aare im Sinne einer Renaturierung wieder mehr Raum zu geben: «Die geplanten Verbreiterungen und die Schaffung von Nebenarmen erfüllen in idealer Weise gleichzeitig die Anliegen des Hochwasserschutzes, der Trinkwasserversorgung und der Fischerei sowie das Bedürfnis nach attraktive Naherholungsgebieten.
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