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Medienorientierung in Thun. Von links nach rechts: Architekt Rolf Lemberg, Denkmalpfleger Hans Peter Würsten, Hanspeter Stucki, Leiter der BLS-Werft Thunersee, Projektleiter Ruedi Storchenegger (Leiter Technik BLS-Werft) und Anna Barbara Remund, Leiterin Personenverkehr und Mitglied der BLS-Geschäftsleitung. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
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Thunerseedampfer DS «Blümlisalp»: Auftakt zur Grossrenovation
Der fast hundert Jahre alte Thunersee-Seitenraddampfer DS «Blümlisalp» benötigt eine weitere grössere Renovation: Bis zum Beginn der neuen Saison im Juni 2006 soll das in den Jahren 1989 bis 1992 vor dem Verschrotten bewahrte Schiff mit Kosten von rund 1,9 Millionen Franken erneut wieder instandgestellt werden. Die DS «Blümlisalp» ist am Mittwoch in der Halle der BLS-Werft in Thun für die Grossrevision aufgedockt worden.
ds/pvr. «Die Dampferfreunde Thuner- und Brienzersee möchten die Renovation nutzen, den Komfort für die Passagiere zu erhöhen und ihnen stärker die ursprüngliche Salondampfer-Atmosphäre vermitteln» verlautete am Mittwoch an einer Medienorientierung zum Beginn der Grossrenovation in der Werft Thun des BLS-Schiffsbetriebs BLS-Thuner- und Brienzersee. Laut Vereinspräsident Gerhard Schmid haben die Dampferfreunde für die Grossrenovation eine Spendenaktion lanciert und bisher etwa 1,2 Millionen Franken gesammelt. Die Grossrenovation soll 1,9 Millionen Franken kosten. Die BLS als Betreiber übernehme 250 000 Franken, der Schiffseigner Vaporama 50 000 Franken. Zudem würden Beiträge von der Denkmalpflege und von der Tourismusförderung erwartet. Um den noch offenen Betrag aufbringen zu können, wollen die Dampferfreunde Thuner- und Brienzersee im Januar noch einmal eine ausserordentliche Spendenaktion starten.
Dampferfreunde-Präsident Gehard Schmid (links) und Markus Vuillemin, Präsident der Genossenschaft Vaporama (Schiffseigner).
Verbesserungen geplant
«Die Originalität der Blümlisalp ist der bleibende Wert, das Charisma, das emotionale Kapital dieses Schiffs, das zu Recht die Leute immer wieder verzücken und begeistern wird», meinte der Architekt Rolf Lemberg. Man gehe nicht Schiff fahren auf irgendeinem Schiff als Transportmittel, sondern man besteige einen Salondampfer aus der Belle époque: «Dieser Unterschied ist es, der erhalten bleiben muss.» Deshalb wollen die Dampferfreunde neben dem kostspieligen Instandstellen der Infrastruktur – wie etwa die Neubeplankung des Oberdecks, die Arbeiten am Abwassersystem oder der Brandschutz in der Küche – auch einige Verbesserungen an der «Blüemlere» vornehmen. So soll die Verglasung des Oberdecks – gleich wie bei der «Lötschberg» – um etwa vier Meter nach hinten verlängert und nach unten bis auf den Boden gezogen werden. Damit komme das ursprüngliche Konzept des offenen Oberdecks besser zum Tragen. Das Steuerhaus soll dem Originalzustand nähergebracht werden und damit die Wirkung des Schiffs steigern. Verbessert werden soll auch die Gastronomie: «Das offene Buffet mit abgegessenem Geschirr, Speiseresten und Harassen im Entrée verschwindet.» In der Rotonde werde eine Stehbar gebaut. Dort soll der Thekenverkauf fürs ganze Schiff stattfinden: «Die neue Bar soll dafür sorgen, dass die Gäste auf dem Schiff flanieren und sich bei der Dampfmaschine treffen können.» Auch das Buffet auf dem Oberdeck müsse verbessert werden, da die Arbeitsabläufe umständlich und somit teuer seien.
Auch mit ästhetischen und optischen Korrekturen soll das Schiff wieder näher an seine ursprüngliche Erscheinung herangeführt werden. Das bisherige Weiss soll aber – entgegen in verschiedenen diskutierten grünen Farbmustern (Bild) – beibehalten werden.
Kantonale Denkmalpflege wieder beteiligt
An der aktuellen Grossrenovation der DS «Blümlisalp» sei wiederum die kantonale Denkmalpflege beteiligt, denn auch die Rettung und Restaurierung der DS «Blümlisalp» in den Jahren 1989 bis 1992 sei mit öffentlichen Denkmalpflege-Geldmitteln unterstützt worden, erinnerte Denkmalpfleger Hans Peter Würsten. In der Folge habe der Regierungsrat des Kantons Bern das Schiff mit Einwilligung des Eigentümers unter Denkmalschutz gestellt: «Die Projektverantwortlichen beabsichtigen, mit den jetzt gestarteten Baumassnahmen möglichst vielen der angesprochenen Anforderungen gerecht zu werden.» Dazu gehörten sowohl sicherheitstechnische Anpassungen als auch die Behebung von meist betrieblichen Unzulänglichkeiten, aber auch ästhetische und optische Korrekturen. Einige davon sollen das Schiff wieder näher an seine ursprüngliche
Erscheinung heranführen: «Aus denkmalpflegerischer Sicht mussten alle diskutierten Vorschläge auf ihre Verträglichkeit mit dem historischen Denkmal überprüft werden, bevor ihnen zugestimmt werden konnte; dabei galt es primär, einschneidende Massnahmen, welche Originalsubstanz zu beeinträchtigen drohten, möglichst zu vermeiden.» Solche seien nur dann zulässig, wenn sie sich aus sicherheitstechnischen Gründen nicht umgehen liessen: «Die mehrfach diskutierte Verkürzung des Salons zugunsten einer besseren Gastronomie-Infrastruktur gehört nicht zu diesen schwerwiegenden Eingriffen. Mit dieser Massnahme wird der 1989 bis 1992 vergrösserte Salon bloss wieder auf seine ursprünglichen Ausdehnungen und Proportionen zurückgeführt.» Optische Veränderungen und Zutaten, welche bei Bedarf ohne bleibende Auswirkung rückgängig gemacht werden könnten – etwa die Möblierung auf dem Oberdeck und die Stehbar in der Rotonde – seien aus denkmalpflegerischer Sicht zwar nicht unbedingt erwünscht, aber vom fachlichen Standpunkt aus weitgehend unproblematisch. Schliesslich galt es laut Würsten eine Reihe von Massnahmen zu planen, welche das Dampfschiff näher an seine ursprünglich Erscheinung heranbrächten. Dazu gehören beispielsweise die Rekonstruktion des Steuerhauses in seinen ursprünglichen Formen, die Wiederherstellung der Holzsichtigkeit der Fensterrahmen, aber auch – eine moderne Zutat – die Verbesserung der achteren Oberdeckverglasung, die nun bis auf den Decksboden reiche und den Passagieren den ungenierten Blick auf das Wasser ermögliche: «Solche Massnahmen heben den Denkmalwert des Schiffes und werden von Seiten der Denkmalpflege finanziell unterstützt.»
Anna Barbara Remund, Leiterin Personenverkehr und Mitglied der BLS-Geschäftsleitung zeigte sich froh über den Entscheid der Dampferfreunde, das heutige Erscheinungsbild mit der weissen Grundfarbe und dem farblich abgesetzten Schanzkleid nur sanft zu modifizieren.
BLS froh über die gewählte Farbgebung
Die BLS Lötschbergbahn AG habe sich in der teilweise heftig geführten Diskussion über die künftige Farbgebung – siehe auch Thunersee-Dampfer DS «Blümlisalp» bleibt weiss vom Donnerstag 10. November 2005 – bewusst zurückgehalten. Anna Barbara Remund, Leiterin Personenverkehr und Mitglied der BLS-Geschäftsleitung versicherte, die BLS sei über den Entscheid der Dampferfreunde froh, das heutige Erscheinungsbild mit der weissen Grundfarbe und dem farblich abgesetzten Schanzkleid nur sanft zu modifizieren: «Aus der Sicht des Marketings, welches unter anderem mithilft, Fahrgäste aus nah und fern zu einer Reise an den Thunersee und zu einer Fahrt auf unseren Schiffen zu bewegen, ist diese attraktive Farbgebung zu begrüssen.»
Das Dampfschiff DS «Blümlisalp» – weitere Einzelheiten siehe auch siehe auch
Internationales Dampfschiffregister – und die BLS Lötschbergbahn AG Lötschbergbahn AG stehen laut Anna Barbara Remund seit einem knappen Jahrhundert in einer wechselvollen Beziehung zueinander. Am 27. Juli 1906 sei die Berner Alpenbahngesellschaft Bern – Lötschberg – Simplon gegründet worden und vier Tage später, am 31. Juli 1906, habe die Vereinigte Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Thuner- und Brienzersee die Jungfernfahrt des Salondampfers DS «Blümlisalp» durchführte: «Auch bloss aus schriftlichen Überlieferungen wissen wir, dass im Jahr 1913 die BLS die Thunerseebahn und damit den Schiffsbetrieb übernahm, womit die DS «Blümlisalp» zu einem BLS-Dampfer wurde.» Die BLS werde ihr eigenes 100-Jahr-Jubiläum eher zurückhaltend begehen: Den Schwerpunkt wird der Auftritt an der BEA 2006 bilden; wir organisieren zusammen mit Partnern eine Mobilitätsshow, und dabei legen wir selbstverständlich ein besonders Augenmerk auf die Schiffahrt auf dem Thuner- und dem B ienzersee.» Das Dampfschiff DS «Blümlisalp» – das Flaggschiff der Thunersee-Flotte – sei ein Publikumsliebling und für das Marketing der BLS von grosser Bedeutung: «Entsprechend fest ist es in unserer Schiffsstrategie verankert.» Der BLS-Schiffsbetrieb sei stolz darauf, bei der Erneuerung der DS «Blümlisalp» die Projektleitung zu übernehmen und interessante Schiffsbauarbeiten auszuführen: «Unsere Fachleute werden dies mit Begeisterung tun.»
Die wichtigsten geplanten Baumassnahmen |
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| Erneuerung der Planken auf dem Oberdeck 250 000 Franken: Nach 14 Jahren auf dem See rinnt der Holzboden und muss ersetzt werden. Es kam deswegen schon zu Wasserschäden auf dem Hauptdeck und im Salon. |
| Oberdeckverglasung 170 000 Franken: Die Verglasung des Oberdecks muss erneuert werden. Neu wird diese mit Aluminium konstruiert, um Gewicht einzusparen und den Schwerpunkt des Schiffes nach weiter unten zu drücken. Bei der Gelegenheit wird das Oberdeck grosszügiger gestaltet. Die Verglasung wird um vier Meter nach hinten und nach unten bis an den Boden gezogen. Damit kommt die ursprüngliche Konzeption des offenen Decks besser zum Ausdruck. Zudem erhält die Gastronomie mehr Platz. |
| Neues Steuerhaus 80 000 Franken: Das Steuerhaus von 1992 wurde damals neu konzipiert. Dabei wurden die Anzahl und die Proportionen der Fenster verändert. Der Schornstein – obwohl er in seiner Höhe nicht verändert wurde – erschien auf einmal zu niedrig. Die DS «Blümlisalp» erhielt eine ganz neue Erscheinung. Nun soll das Steuerhaus seinem Original wieder näher gebracht werden. |
| Verbesserungen im Servicebereich 260 000 Franken: Das Entrée des Salondampfers wird verschönert. Das offene Buffet mit abgegessenem Geschirr, Speiseresten und Harassen soll verschwinden. Auch das Buffet auf dem Oberdeck muss verbessert werden, da die Arbeitsabläufe umständlich und somit teuer sind. Geplant ist ein neues Buffet quer zur Fahrtrichtung. Damit wird Platz frei für neue Tische und bequemere Stühle. Zusätzlich soll eine neue Bar in der Rotonde die Gäste zum Flanieren animieren. Sie sollen sich bei der Dampfmaschine treffen und unterhalten können. Zudem soll dort der Thekenverkauf (etwa von Getränken, Glace und Sandwiches) für das ganze Schiff stattfinden. |
| Möblierung Haupt und Oberdeck 100 000 Franken: Um den Komfort zu erhöhen, erhält das Oberdeckrestaurant original Lloyd-Loom-Sessel und Tische aus Mahagoniholz. Praktisch für alle Sessel (400 Franken) und Tische (ab 500 Franken) wurden Spender gefunden. Diese werden auf einem Messingschild am Möbel verewigt. |
| Polster und Tapezierer 45 000 Franken: Polsterbezüge und Wandbespannungen für den Damensalon und die Rotonde im Salon. |
| Leuchtkörper 20 000 Franken: Die DS «Blümlisalp» soll wieder eine schiffsgerechte Beleuchtung erhalten, ähnlich der »Lötschberg«. Aussen- und Innenanstrich 175 000 Franken: Der Vorstand der Dampferfreunde hat entschieden, den heutigen Zustand mit dem farblich abgesetzten Schanzkleid zu optimieren und zu verfeinern; die Schiffsschale und die Aufbauten bleiben im bisherigen Weiss. |
| Technische Infrastruktur 360 000 Franken: Ersetzen und Instandstellen der Infrastruktur auf dem Schiff, zum Beispiel Arbeiten am Abwassersystem, der Einbau von Längsschotten in Diesel- und Abwassertanks, der Brandschutz in der Küche, Krängungsversuche und Inspektionen, Genehmigung des Bundesamtes für Verkehr (BAV), Bauaufsicht, Abnahme, Projektleitung, Architekt, Schiffsingenieurund so weiter.. |
| Weitere Ausgaben: Weitere Veränderungen sollen dazu beitragen, die Wirkung des Raddampfers zu steigern. Die zwei fehlenden Trompeten im Maschinenstand sowie die beiden Kommandostände auf den Radkästen sollen rekonstruiert werden. Auch die Heckfahnenstange wird wieder in ihre ursprüngliche Neigung gebracht werden, um nur ein paar der geplanten Detailkorrekturen zu erwähnen. |
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